Weekend Magazin Wien 2025 KW42
LEBENSART
sonders nachhaltig ist der nächtliche „Reinigungs dienst“ in unserer Schaltzen trale: Schädliche Abbaupro dukte, die tagsüber im Ge hirn entstehen, werden wäh rend des Schlafes abtrans portiert, erklärt der Experte. „Dieser Entmüllungsprozess ist entscheidend, um geistig fit zu bleiben“, so Klösch. Alterungsprozesse Wie zentral die regelmäßige Ruhe für unsere geistige Ge sundheit ist, zeigt auch eine aktuelle Untersuchung der Mayo Clinic Rochester in den USA. Dort will man herausgefunden haben, dass Menschen, die dauerhaft un ter Schlaflosigkeit leiden, ein um rund dreieinhalb Jahre äl teres Gehirn als gut schlafen de Personen aufweisen – und ein erhöhtes Risiko für kog nitive Beeinträchtigungen und Demenz in sich tragen. Schlafdauer Schlafbedürfnis und -gewohn heiten sind sehr unterschied lich, „die Bandbreite ‚des Normalen‘ ist groß“, erklärt Klösch. Neugeborene bis ein Jahr schlafen zwölf bis 16 Stunden, meist verteilt auf mehrere Schlafperioden. Kleinkinder und Vorschul kinder (bis fünf Jahre) benö-
Risiken erkennen
SHORT TALK
Wie problematisch ist die Uhrenumstellung? Sie bringt viele aus dem Gleichgewicht – vor allem empfindliche Personen, Kinder und ältere Men schen. Unser Biorhythmus passt sich nicht sofort an die veränderte Uhrzeit an, was kurzfristig zu Ein- oder Durchschlafproblemen, Tagesmüdigkeit und Leis tungseinbußen führen kann. Zu welcher Jahreszeit schlafen viele Menschen besonders schlecht? Häufig im Frühjahr und im Herbst. Hier spielen auch veränderte Lichtverhältnis „Gute-Nacht“-Tipps Wer sein Soll nicht erfüllt, kann auf einfache wie effek tive Gewohnheiten zurück greifen, rät Schlafcoachin Me lanie Pesendorfer im Ge spräch mit Weekend: tags über so viel Sonnenlicht wie möglich aufnehmen und Be wegung an der frischen Luft fest einplanen. Abends sollte der Tag bewusst abgeschlos sen werden; durch beruhigen
se eine große Rolle. Auch die Vorweihnachtszeit ist für viele belastend, da Stress, erhöhter Konsum und wenig Erholung zu sammentreffen. Was sind die Folgen chro nischen Schlafmangels? Langfristiger Schlafmangel erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankun gen, Diabetes, Überge wicht, Depressionen und Demenz. Auch die Unfall gefahr durch Konzentra tionsmangel steigt deut lich. Dünnhäutigkeit, Selbstüberschätzung und Burn-out nehmen dras tisch zu. de Rituale, Kerzenlicht oder leise Musik. Ihre Botschaft: „Humor und Dankbarkeit la den Leichtigkeit ein und för dern ein friedliches Einschla fen.“ Wer längere Zeit schlecht schläft, sollte den Fokus ver ändern. „Die meisten Betrof fenen haben kein Schlafprob lem, sondern ein Wachprob lem. Sie finden aus Grübel- und Anspannungsmustern nicht heraus“, so Pesendorfer.
Melanie Pesendorfer „Die Schlafcoachin“
tigen zehn bis 14 Stunden, meist mit Nachtschlaf und Mittagsschlaf. Schulkinder und Teenager schlafen acht bis zwölf Stunden, wobei der Mittagsschlaf allmählich wegfällt. Erwachsene schla fen größtenteils bis zu acht Stunden, ab 60 Jahren ver kürzt sich die Schlafdauer auf unter sieben Stunden. Oft wieder mit mehreren Schlaf phasen pro Tag.
FAUSTREGELN FÜR ERHOLSAMEN SCHLAF
Regelmäßigkeit zählt: Gehen Sie möglichst jeden Tag zur selben Zeit ins Bett – auch am Wochenende. Gute Schlafumgebung: Ein ruhiger und leicht kühler Raum unterstützt erholsames Einschlafen. Abends zur Ruhe kommen: Verzichten Sie vor dem Schlafengehen auf digitale Medien, schweres Essen und Alkohol.
Rituale pflegen: Entspannende Routinen wie Lesen, leise Musik oder Atemübungen signa lisieren dem Körper: Jetzt ist Schlafenszeit. Schlaf positiv sehen: Wer Schlaf als wohl tuende Pause betrachtet, erlebt meist eine bessere subjektive Schlafqualität. Eigenes Schlaffenster beachten: Achten Sie auf Ihre Müdigkeitssignale und orientieren Sie sich an Ihrem individuellen Chronotypen.
FOTOS: SCHLAFSTÖRUNG: VISIONS/ISTOCK/GETTY IMAGES, ICONS: NATALIIA/ISTOCK/GETTY IMAGES, COQUET ADRIEN/ISTOCK/GETTY IMAGES, MEDUNI WIEN
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