Weekend Magazin Steiermark 2025 KW45
STEIERMARK INSIDE
Mentaler Architekt. Andreas Herz, geboren 1967 in Graz, ist Unternehmer, Buchautor und Gesund heitsmanager. Er studierte Counseling an der Sigmund Freud Universität Wien sowie buddhistische Philosophie in Indien. 2020 gründete er das Unter- nehmen HERZResilienz, das Führungs- kräfte in den Bereichen High Potentials, Leadership Training und Resilienz begleitet. Herz ist Obmann der Fachgruppe Perso nenberatung und Personenbetreuung.
Einige Konzerne verlagern ihre Verwaltung ins Aus land. Ist das ein Warn signal? Herz: Ja, jeder Arbeitsplatz, der Österreich verlässt, ist ei ner zu viel. Wir müssen dafür sorgen, dass Arbeiten hier at traktiv bleibt, für kleine und große Betriebe. Unser Sozial system lebt von funktionie renden Unternehmen. Wenn Sie an das Jahr 2030 denken, was wünschen Sie sich? Herz: Dass wir erkannt ha ben, dass Gesundheit bei uns selbst beginnt. Dass wir Ei genverantwortung leben, in allen Bereichen. Österreich ist eines der besten Länder der Welt. Ich merke das jedes Mal, wenn ich aus dem Ausland zurückkomme. Wir sollten weniger jammern und mehr schätzen, was wir haben. Heißt das, Schluss mit dem Sudern? Herz: Ganz abschaffen wird man es wohl nie. Aber es hilft, den Blick zu heben. Wir leben in einem Land, das funktioniert, mit einem Ge sundheitssystem, das welt weit seinesgleichen sucht. Das zu bewahren ist Aufgabe von uns allen. V
funktioniert nur, wenn beide Seiten daran arbeiten. Wie beurteilen Sie die wirt schaftliche Lage derzeit? Herz: Wir erleben herausfor dernde Zeiten. Viele Unter nehmen kämpfen mit Kos ten, Bürokratie und interna tionalem Druck. Die Lösung kann nur im Gemeinsamen liegen, Politik, Sozialpartner und Betriebe. Wir brauchen weniger Bürokratie und mehr Eigenverantwortung. Der Staat kann nicht alles richten. Das ist auf Dauer nicht finan zierbar.
Normalität sind keine Selbst verständlichkeiten. Sie sprechen oft über Resi lienz. Was bedeutet das für Sie? Herz: Resilienz heißt, Druck auszuhalten, ohne zu zerbre chen. Wie ein Werkstoff, der nach einer Belastung in seine Form zurückkehrt. Ich war körperlich krank, aber men tal stabil. Das hilft im All tag, in Krisen und in Un ternehmen. Gelassen zu bleiben, statt in Panik zu verfallen, ist wahre Stärke. Hat die Krisenzeit der letzten Jahre das Thema ver ändert? Herz: Ja, weil wir heute alle Krisen der Welt sehen, über soziale Me dien und ständige Information. Das er zeugt zusätzlichen Druck. Resilienz hilft, damit umzugehen. Wir müssen wieder unter scheiden, was uns direkt betrifft und was nicht. Was verstehen Sie unter unternehmerischem Erfolg? Herz: Erfolg ist mehr als Zah len. Es geht darum, stabile
Strukturen zu schaffen, in denen Mitarbeiter wachsen können. Unternehmertum ist kein Einbahnweg. Es lebt vom Miteinander. Moderne Unternehmen teilen Verant wortung zwischen Chef und Team. Wie wichtig ist es, dass Mitarbeiter sich mit der Firmenphilosophie identi fizieren können? Herz: Sehr wichtig. Eine Fir menphilosophie bedeutet, dass man sich im Unterneh men wohlfühlt und Entwick lungsmöglichkeiten sieht. Es
FOTOS: CHRIS ZENZ
„Wir brauchen weniger Bürokratie und mehr Eigenverantwortung. Der Staat kann nicht alles richten. Das ist auf Dauer nicht finanzierbar.“
Andreas Herz über die wirtschaftliche Lage
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