Pflege Oberösterreich KW11 2026
Pflege u Betreuung u Vorsorge
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Eine Pflegekraft zu brauchen, wird oft als demütigend empfunden. Das ist normal! Wenn man aufeinander zugeht, kann daraus aber auch Freundschaft entstehen.
Die Pflege ändert sich. Und irgendwann ist der Moment da, an dem man die Pflege alleine bzw. im familiären Umfeld ein fach nicht mehr stemmen kann. Wenn eine Pflegekraft ins Haus kommt, ist das für die Betroffe nen zwar objektiv eineVerbesse rung. Subjektiv wird es aber sehr oft als harter Schlag emp funden, als Niederlage – und ja, natürlich auch als Eingriff in die Privatsphäre der eigenen vier Wände. Man wird nun nicht mehr von den eigenen Kindern umsorgt, sondern von Fremden. Aber wer sagt, dass aus dieser fremden Person nicht ein Freund werden kann? Wenn diese ge wisse Offenheit da ist, so schwer sie auch sein mag – dann kann man zumindest dieser Änderung etwas Gutes abgewinnen. u
mit ihm. Pflege darf nicht zur Entmündigung werden.
Freundeskreise können kleiner werden, spontane Freizeit wird rar. Nicht selten entstehen Span nungen in Familien – über Zu ständigkeiten, finanzielle Fragen oder den richtigen Zeitpunkt für externe Unterstützung, etwa eine 24-Stunden-Betreuung. Of fene Gespräche und klare Ab sprachen beugen Konflikten vor. Der Alltag ändert sich. All tag braucht Struktur. Feste Zei ten, wiederkehrende Rituale und angepasste Aktivitäten – ein Spaziergang, gemeinsames Kochen, Musik hören – geben Halt. Ebenso wichtig ist das Be obachten: Veränderungen in Stimmung, Verhalten oder kör perlichem Zustand sollten ernst genommen und ärztlich abge klärt werden.
Gespräche ändern sich. Klare Sätze helfen, ebenso Blickkontakt und eine freund liche, zugewandte Haltung. He rablassende Vereinfachungen oder „Babysprache“ hingegen kränken. Wer zuhört, erfährt mehr als nur Bedürfnisse – nämlich Biografien, Prägungen, Ängste. Diese Geschichten schaffen Sicherheit in einer Le bensphase, die sonst stark von Verlust geprägt ist. Verantwortung ändert sich. Pflege hat aber auch soziale Fol gen. Beziehungen verschieben sich, Rollen drehen sich um: Aus Kindern werden Verantwortli che, aus Partnern Pflegende.
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