Business Wien 2025 KW44
BUSINESS
W
er einen Blick in die Vor standsetagen großer internationaler Unter
krisenfester und langfristig profita bler. Eine McKinsey-Analyse zeigt, dass Betriebe mit hoher Diversität weltweit eine um 39 Prozent hö here Wahrscheinlichkeit haben, überdurchschnittlich profitabel zu sein. In Europa liegt dieser Diver sitätsbonus sogar bei 62 Prozent. Es mag floskelhaft klingen, doch ge meinsam sind wir Geschlechter nach weislich stärker: Gemischte Teams treffen laut verschiedenster Statisti ken ausgewogenere Entscheidungen, agieren weniger risikobehaftet und sind innovationsfreudiger. Homoge ne Gruppen – ob nur Männer oder nur Frauen – verstärken die jewei ligen Tendenzen: Männer gehen zu hohe Risiken ein, Frauen vermeiden diese zu stark. Gemeinsam gleichen sich diese Extreme aus. Auch das Kiel Institut für Weltwirtschaft fand her aus, dass Unternehmen von der Auf lösung starrer Geschlechternormen profitieren. Mehr Vielfalt im Team bringt bessere Entscheidungsprozes se, mehr Kreativität und nachhalti geren Unternehmenserfolg. Welche Maßnahmen sind nötig, um Frauen in Wirtschaft und Poli tik zu stärken? A. Reinagl: Wir brauchen mehr Transparenz bei der Vergabe von Positionen. Entscheidungen für Führungspositionen sollten immer nach Fähigkeiten und nicht nach per sönlichen Befindlichkeiten getroffen werden – leider ist das in Österreich noch nicht überall Praxis. Welchen Rat würden Sie jungen Frauen geben ? A. Reinagl: Das Wichtigste ist Mut! Wenn eine Chance kommt, muss sie genutzt werden. n
Mit gutem Beispiel vorangehen Auch die Praxiserfahrungen erfolg reicher Führungskräfte sprechen für einen Ausgleich der Geschlechter in der Führungsebene. So bezeichnet Alexandra Reinagl, CEO bei den Wiener Linien, „Mixed Teams“ als ideale Kombination. Und auch Hote lierin Christine Stock ist überzeugt, dass Diversität das wahre unter nehmerische Erfolgsgeheimnis ist. Sie selbst hat äußerst gute Erfahrung mit weiblichen Führungskräften ge macht. Im familiengeführten Tiroler 5-Sterne-Ressort arbeiten tatsächlich mehr Frauen in der Führung als Männer. „Das ist das Ergebnis von Vertrauen in weibliche Führungs kräfte und gebotenen Entwicklungs chancen“, so Christine Stock. Braucht es Quoten? Bei dieser Frage spalten sich die Mei nungen. Fakt ist: Frauen wollen mit Leistung und ihren Fähigkeiten über zeugen und Jobs nicht nur auf Grund ihres Geschlechts zugesprochen bekommen. Fakt ist aber auch:
nehmen wirft, wird zwar unter schiedlichste Gesichter, Kulturen und Altersgruppen sehen – doch vorwiegend männliche. Diversität am Konferenztisch? Die sucht man vergeblich. Auch hierzulande. Ös terreichs Führungsriegen sind nach wie vor männlich geprägt: Nur 13,8 Prozent der Geschäftsführungen in den Top-200-Unternehmen sind mit Frauen besetzt, wie aktuelle Zahlen des Frauenministeriums (Jänner 2025) zeigen. Zwar haben Quoten regelungen im Aufsichtsrat zuletzt für mehr Bewegung gesorgt, in der operativen Verantwortung bleibt das Bild jedoch einseitig. Warum Diversität Sinn macht Zahlreiche Studien belegen, dass Vielfalt im Management kein „Nice-to-have“ ist, sondern den wirtschaftlichen Erfolg maßgeblich steigert. Unternehmen mit gemisch ten Führungsteams sind innovativer, Führen Frauen Ihrer Meinung nach tatsächlich anders? A. Reinagl: Das ist schwer zu pauscha lisieren. Ich würde sagen, dass Frauen oft mehr Empathie zeigen, was durch aus Vorteile hat. Manchmal ist jedoch ein strikt rationaler Ansatz die bessere Lösung. Daher sind aus meiner Sicht „Mixed Teams“ – also Teams aus Frauen und Männern – die ideale Kombination. A. Reinagl: Direkt habe ich solche nie erlebt. Problematisch sind jedoch die nicht immer offensichtlichen Männer netzwerke, die es Frauen nach wie vor erschweren, in Top-Führungspositio nen oder Kontrollfunktionen einzustei gen. Stattdessen kommen häufig die gleichen Akteure zum Zug. Stoßen Sie im Arbeitsalltag auf Vorurteile?
FOTO: WIENER LINIEN, ISTOCK.COM/ PISHIT
Alexandra Reinagl CEO, Wiener Linien
FOTOS: XXXXXXXXX
WEEKEND BUSINESS | 59
Made with FlippingBook Annual report maker