Weekend Karriere Salzburg 2025 KW45

SCHULE, LEHRE & KARRIERE

W arum willst du denn jetzt das machen...? – Mama versteht plötz lich die Welt und ihr Kind nicht mehr. Papa sitzt daneben und schüttelt nur noch den Kopf. Schullaufbahn, späterer Berufswunsch, erste Weichenstellungen am Karriereweg: Themen, die in vielen Familien die Wogen hochgehen lassen. Teenager, die mit ihren Ideen und Wün schen auf Verständnis und Unterstüt zung gehofft haben, finden sich plötzlich zwischen den Fronten. Freude weicht Frust – und Unsicherheit. Umso mehr, wenn der Vertrauenslehrer womöglich auch noch mit weiteren Ratschlägen der Diskussion eine zusätzliche Dynamik verleiht. „Eltern, Lehrkräfte und Kinder nehmen Fähigkeiten und Potenziale aus unterschiedlichen Perspektiven wahr“, erklärt Julia Holzer, Bildungspsycholo gin an der Universität Wien. Lehrkräfte sehen Leistungen im Unterricht, Eltern das Verhalten zuhause. Jugendliche selbst orientieren sich an Idolen und entwickeln eigene Interessen. In solchen

Situationen sei es wichtig, die verschie denen Perspektiven ernst zu nehmen, so der Appell der Expertin. Gerade junge Menschen profitieren davon, wenn sie

erleben, dass Erwachsene sich Gedan ken machen. Die Vertrauensbasis bildet die „Grundlage für gemeinsam überleg te nächste Schritte“. Reden, bevor es kracht. Entschei dend sei, Konflikte früh anzusprechen. „Kommunikation darf nicht erst dann stattfinden, wenn es schon ein Problem gibt“, so Holzer. Regelmäßiger Aus tausch zwischen Eltern und Schule schafft Vertrauen und verhindert, dass Spannungen entstehen. Schwierige Ge spräche sollten gut vorbereitet sein, mit klarem Fokus auf das Wohl des Kindes. „Schulpsychologen oder Beratungsstel len können zusätzlich helfen.“ Mitreden statt schweigen. Vor allem aber sollten Jugendliche selbst einbezogen werden. „Wenn Gespräche das Kind be treffen, sollten sie auch mit ihm geführt werden“, so Holzer. Das stärke das Selbst wertgefühl und zeige: Die eigene Meinung zählt. Für Schülerinnen und Schüler heißt das: Klar sagen, was einem wichtig ist, und keine Angst haben, Fragen zu stellen. Laut

„Wichtig ist, gemeinsam offen über Erwartungen, Wünsche und Möglichkeiten zu sprechen, bevor Missverständnisse entstehen.“

Julia Holzer Bildungspsychologin, Uni Wien

TEAMSACHE n Berufsorientierung: Es ist wichtig, gemein sam mit Kindern und Jugendlichen ihre Interessen und Stärken zu entdecken. So lässt sich erkennen, was ihnen Freude macht. Ziel ist es, viele verschiedene Bildungswege sichtbar zu machen. Prakti sche Erfahrungen helfen dabei, herauszu finden, was wirklich zu ihnen passt. n Famile einbeziehen: Eltern prägen den Bildungsweg ihrer Kinder. Damit sie unter stützen können, brauchen auch sie Infos über das Bildungssystem, Ausbildungs wege und Berufsmöglichkeiten. Vorurteile, etwa gegenüber der Lehre, gilt es abzu bauen. Es führen viele Wege zu Karriere, Studium oder Selbstständigkeit. n Nachbarschaft und lokale Unternehmen ein binden: Vorbilder, Praktika und Einblicke in Berufe aus dem Umfeld bereichern. Loka le Betriebe können zusätzlich Know-how einbringen und Jugendliche gezielt beim Einstieg ins Berufsleben unterstützen.

FOTOS: ISTOCK.COM/VIKTORIA KURPAS, STEFAN KNITTEL

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