Weekend Magazin Wien 2025 KW42
LEBENSART
ALLERHEILIGEN. Am Grab übernachten, mit den Toten durch die Straßen tanzen, zu seinen Liebsten im Unterwasserfriedhof tauchen und eine Kuh oder Bierflasche als Sarg – hätten Sie geahnt, wie unterschiedlich die Welt mit dem Tod umgeht? Von Conny Engl Weltweite Bräuche & Rituale
Ü bergroße Skelett-Figuren, kunstvoll geschminkte Gesichter, prächtige Kos tüme und jede Menge bunte Totenköpfe – kaum ein Land zelebriert den „Tag der Toten“ so spektakulär wie Mexiko. Gleich drei Tage lang – von 31. Oktober bis 2. November – prägen geschmückte Altäre (ofrendas), ausgelassene Umzüge, Musik und Tanz das Land. Während in unseren Breitengraden oft Trauer und Stille dominieren, feiern Millionen La teinamerikaner beim „Día de los Muer tos“ laut, bunt und fröhlich die Rückkehr der Ahnen. Kein Wunder, dass die UN ESCO das Ritual zum immateriellen Kulturerbe erklärt hat.
Wenn Laternen die Seelen leiten Auch in Japan glaubt man, dass die Geister der Verstorbenen zurückkom men. Beim buddhistischen Obon-Fest im Sommer entzünden Familien Later nen vor ihren Häusern, um die Ahnen willkommen zu heißen. Höhepunkt sind die Bon-Odori-Tänze: Menschen tanzen auf Straßen und Plätzen im Kreis, beglei tet von Trommeln und Musik. Zum Ab schied setzen sie Papierlaternen auf Flüsse oder lassen sie ins Meer treiben – leuchtende Botschaften, die die Seelen sanft zurück ins Jenseits geleiten sollen. Wenn Geld verbrannt wird Beim Qingming-Fest im April gedenken Millionen Chinesen ihrer Verstorbenen,
indem sie Gräber säubern, Blumen und Speisen niederlegen und „Geistergeld“ aus Papier verbrennen, damit es den Ah nen in der anderen Welt an nichts fehlt. Doch der Tag ist mehr als nur Trauer: Fa milien picknicken, Kinder lassen bunte Drachen steigen – und verwandeln das Gedenken in ein fröhliches Frühlingsfest. Wenn Tote tanzen In Madagaskar spielen Musik und Tanz ebenfalls eine zentrale Rolle – allerdings in einer Tradition, die für europäische Augen fast unglaublich wirkt: Bei der „Famadihana“, der „Drehung der Kno chen“, holen Familien die Gebeine ihrer Ahnen alle paar Jahre aus den Gräbern, hüllen sie in frische Tücher und
Auch in Österreich wird den Toten immer kreativer gedacht. Mehr lesen unter weekend.at/ bestattung-alternativen
MEXIKO
Wenn die Straßen zu leuchten beginnen: Beim Día de los Muertos verwandeln Kostüme, Masken, Musik und Tanz das Land in eine bunte Bühne – ein rauschendes Fest zu Ehren der Ahnen.
FOTOS: BEMALTE FRAU MIT BLUMENKRANZ+HG: KI-GENERIERTES BILD BY ADOBE FIREFLY/ADOBE INC.
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