Weekend Magazin Vorarlberg 2025 KW35

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Um der Lichtverschmutzung zu entkommen, muss man weit nach oben. Dieses Bild entstand im Bregenzerwald.

W eißt du, wieviel Sternlein stehen? Als der evangeli sche Pfarrer und Dichter Wil helm Hey vor fast 200 Jahren in seinem Wiegenlied diese Frage stellte, waren es mehrere Tau send. Doch heute funkelt in Regionen wie dem Vorarlber ger Rheintal – einem der am dichtesten besiedelten Gebiete Österreichs – nur noch ein Bruchteil der besungenen Sternlein am Firmament. Bes tenfalls 400 Sterne sind hier sichtbar, in Ballungszentren wie Bregenz nur wenige Dut zend. Will man den Sternen himmel in all seiner Pracht ge nießen, muss man sich in hö here Regionen begeben. In den Bergen des Bregenzerwalds oder der Silvretta leuchten bis zu 3000 Sterne am Himmels zelt. Hier trifft man Udo Peter, Obmann der Vorarlberger Amateur Astronomen, der mit seinem Teleskop die Wunder des Weltalls erkundet. Denn künstliche Beleuchtung er schwert nicht nur Romanti kern den Blick auf die Sterne,

Beobachtungsbedingungen herrschen, etwa die Silvretta, das Verwall oder Teile des Arl bergs und Bregenzerwalds.“ Neue Straßenbeleuchtungen, die ihr Licht nur nach unten abstrahlen oder die Beleuch tung ab Mitternacht via Bewe gungsmelder einschalten hät

sie beeinträchtigt auch die Ar beit von Astronomen. „Vorarl berg ist zweigeteilt“, erklärt Udo Peter. „Zwischen Bregenz und Feldkirch ist die Lichtver schmutzung hoch. Im Süden gibt es aber dünn besiedelte Seitentäler und Bergpässe bis zu 2000 Meter Höhe, wo beste

ten die Situation verbessert. Um das Dunkel der Nacht aber wirklich zu erhalten, würde sich Udo Peter ein „Dark Sky Reserve“, also ein Sternenhim mel-Reservat, wünschen, wie es aktuell im Dreiländereck Steiermark, Ober- und Nieder österreich angedacht wird, wo

AUSWIRKUNGEN DURCH LICHT- VERSCHMUTZUNG IN VORARLBERG

n Insekten (80 % der Schmetterlings arten sind nachtaktiv) werden von künstlichen Lichtquellen angelockt, was zu erhöhter Sterblichkeit, einem Rückgang der Bestäubertätigkeit und dem Verlust von Insekten als Nahrungsquelle führen kann.

n Vögel werden durch Lichtglocken in ihrer nächtlichen Orientierung gestört; Singvögel beginnen in beleuchteten Gebieten früher zu singen, was Energie kostet. n Künstliche Beleuchtung beeinflusst das Wachstum und den Laubabwurf von Pflanzen, was das Risiko von Frostschäden erhöht. n Menschen weisen bei ständiger nächtlicher künstlicher Beleuchtung eine verringerte Melatoninproduktion auf, was Schlafqualität und Immun system beeinträchtigen kann.

n Fledermäuse und weitere lichtscheue Arten meiden beleuchtete Bereiche.

n Amphibien werden bereits bei geringer Helligkeit in ihrer

Orientierung beeinträchtigt - mit lebensbedrohlichen Konsequenzen.

14 | WEEKEND MAGAZIN

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