Weekend Magazin Tirol 2025 KW35
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SHORT TALK
vielen Ländern keine Gewinne – weil Einnahmen über interne Li zenzgebühren in Steueroasen ver schoben werden. Booking.com ver lagert seine Gewinne nach Irland, Meta (Facebook, Instagram) ver dient in Österreich, versteuert je doch in den Niederlanden. „Billig“ killt den Mittelstand Während österreichische Klein- und Mittelbetriebe (KMU) im Schnitt 25 % Körperschaftsteuer auf ihre Gewinne zahlen, gelingt es internationalen Großkonzernen, ihre effektive Steuerlast massiv zu senken – teils auf unter 1 %. Laut einer Studie der EU-Kommission lag die effektive Steuerquote einiger internationaler Digitalkonzerne in Europa sogar bei nur 0,7 %. Mög lich wird das durch komplexe Steu ervermeidungsmodelle mit Brief kastenfirmen, Lizenzverträgen in nerhalb des Konzerns und der Ver schiebung von Gewinnen in Nied rigsteuerländer wie Irland, Luxem burg oder die Niederlande. In Ös terreich sind rund 99,6 % aller
Das Buch vom kleinen Händler statt vom Internetgiganten. Die Piz za vom Wirt ums Eck statt vom in ternationalen Lieferservice. Es sind diese scheinbar kleinen Umwege, die große Wirkung entfalten. Das Märchen „billiger“ „Schnell. Günstig. Bequem.“ – so klingen die Versprechen der großen Online-Plattformen. Doch was auf den ersten Blick verlockend wirkt, ist bei näherem Hinsehen oft ein Trugschluss. Hinter den niedrigen Preisen stecken komplexe Steuer konstrukte, Umweltbelastung durch globale Lieferketten und ein Preis, den letztlich nicht die Kon zerne zahlen, sondern wir. Ein Blick auf die Fakten zeigt, dass Amazon jährlich hunderte Milliarden Euro Umsatz macht und dennoch nur ei nen Bruchteil davon dort an Steu ern zahlt, wo die Gewinne tatsäch lich erwirtschaftet werden – zum Beispiel in Österreich. Stattdessen landen diese Gelder über Tochter firmen in Luxemburg. Starbucks ist fast überall präsent, meldet aber in
Was kann der Kunde ändern, um den Einzelhandel wieder zu beleben? Meines Erachtens liegt das auf der Hand: Wir sollten nicht bei Amazon, Shein und Temu bestellen, sondern beim lokalen Einzelhandel. Wer das „Aussterben der Innenstädte“ beklagt, die Steuerminimierung der Großkon zerne schlecht findet, der muss auch das Seine dazu beitragen. Die Inter netriesen locken mit „Bequemlich keit“ und niedrigen Preisen. Dass das Gelieferte dann oft nicht das ist, was man wollte, nehmen Kunden in Kauf und schicken es zurück – nur um dann festzustellen, dass entweder die Rücksendung nicht möglich ist, oder der Lieferant einem das Produkt lie ber schenkt. All dies sind Symptome einer Wegwerfgesellschaft. Kann man das Kaufverhalten trotz Lockangeboten des Internets verändern? Für mich ist diese traditionelle Art des Einkaufens ein Vergnügen, das es mir sehr leicht macht, auf online-Shop ping zu verzichten. Dies umso mehr, als ich dabei oft gut und kompetent beraten werde, und wirklich das be komme, was ich will; ich keine Berge an Verpackungsmüll produziere, und ich mithelfe, ein lokales Geschäft zu erhalten, das hier in Österreich Löh ne, Mieten und Steuern zahlt, was wiederum der gesamten Gesellschaft zugutekommt. Jürgen Huber Professor an der Uni Innsbruck Einzelhandel wiederbeleben
Ohne Dienstleister und Handel würden Innenstädte erheblich an Attraktivität verlieren.
FOTOS: JÜRGEN HUBER UNIVERSITÄT INNSBRUCK, ISTOCK/MONKEYBUSINESSIMAGES
WEEKEND MAGAZIN | 19
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