Weekend Magazin Tirol 2025 KW10
STORYS
KARL MARKOVICS
„Ich habe keine Helden und glaube nicht daran“ PERSÖNLICHES. Karl Markovics gehört zu den vielseitigsten Künstlern Österreichs. Im Interview spricht der 61-jährige Schauspieler über Grundprinzipien, das Leben und den Tod sowie über die Bedeutung seiner Familie für seinen beruflichen Erfolg. Von Andreas Hamedinger
S ie sind Schauspieler, Drehbuchautor, Re gisseur und vieles mehr. Wie kann man so vielseitig sein? Markovics: Indem man sich für mehr als nur eine Sache interessiert. Man kann aber auch sagen: Spielen, Schrei ben, Regieführen gehören so eng zusammen, dass es nahe liegend ist, sich mit allen dreien zu beschäftigen. Es hat aber auch große Vorteile (Sy nergien). Der Drehbuchautor arbeitet für den Regisseur in mir vor und beide für den Schauspieler. Sie haben unlängst das Buch „Nachtflug“ von An toine de Saint-Exupéry als Hörspiel vertont. In dem Werk geht es unter anderen um Helden: Wer ist Ihr per sönlicher Held Markovics: Ich habe keine Helden und glaube nicht dar an. Schon das klassische Hel denideal war eine Schimäre, ein Wunschtraum – eben ein Ideal. Liest man die Illias, wird einem schon nach weni gen Zeilen klar, mit wie viel Blut Heldentum in der Regel erkauft wird und wie viel Glück oft im Spiel ist, dass eine Heldentat nicht eine Un menschenhandlung wurde.
ist“. Beschäftigt Sie der Tod? Wie gehen Sie damit um? Markovics: Der Tod ist das Gegenteil von allem. Und ge nauso wenig, wie ich das All beschreiben kann, kann ich den Tod beschreiben. Je älter ich werde, desto näher rückt er mir ins Bewusstsein. Ich weiß, dass es ihn gibt. Ich weiß, dass ich eines Tages sterben werde.
Wie sollten wir unsere Zeit nutzen? Hätten Sie ei nen persönlichen Rat schlag? Markovics: Wie, das kann ich für andere Menschen nicht sagen. Wichtig ist, dass man das Leben in jeder Sekunde nutzen sollte. V
Der eigentliche Held in der Erzählung „Nachtflug“ ist auch nicht der Pilot Fabien, sondern Rivière, der Leiter der Postfluglinie. Er muss sich damit auseinandersetzen, ob er bereit ist, notfalls einen Pi loten zu opfern, um eine „hö here Ordnung“ zu wahren und den Glauben an eine „größere Sache“. Rivière hin terfragt sich ständig und da mit auch die Idee des Helden
„Meine Familie macht mein Leben wertvoll. Ohne sie wäre ich nicht der
Mensch, der ich bin. Karl Markovics, Schauspieler
Was macht das Leben wertvoll? Vergeuden wir es nicht, vergeuden Sie es? Markovics: Meine Frau und meine Kinder machen mein Leben wertvoll. Ohne sie wäre ich nicht der Mensch, der ich geworden bin. Ebenso meine Arbeit und der Glaube an das Gute im Menschen.
an sich. Letzten Endes ent scheidet er sich dafür – wie immer im Leben: Weil es sich rechnet. Der Titel des aktuellen Programms des Streich quartett Sonare – mit dem sich auch unterwegs sind – ist „Wenn es so weit
Markovics goes Hollywood Die Hauptrolle des Salomon Sorowitsch in Stefan Ruzowitzkys Film „Die Fälscher“ war Markovics’ größter internationaler Erfolg.
FOTO: MORITZ SCHELL
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