Weekend Magazin Tirol 2025 KW10

STORYS

SHORT TALK

KUNST

Leistungen in Kultur und Literatur erfüllen Österreicher mit Stolz. Zum Beispiel jene des Malers Gustav Klimt.

Markus Hadler Soziologe Universität Graz Nationalstolz

Österreicher im Ernstfall selbst zur Waffe greifen. Identitätsträger: Kunst & Sport Worauf sind die Österreicher besonders stolz? Die Antwort ist klar: Leistungen in Kunst und Literatur (85 %), Erfolge im Sport (83 %) und wirt schaftliche Errungenschaften (76 %). Kaum jemand scheut sich davor, das auch zu zei gen – man denke etwa an die vielen geschwungenen Fah nen bei der Ski-WM in Saal bach. Auch die bewegte Lan desgeschichte erfüllt immer hin zwei Drittel mit Stolz. Zurückhaltung in Politik Doch ein Blick in die Politik trübt das Bild: In Sa

eine starke Verbundenheit mit der Heimat. 74 Prozent der Befragten könnten sich nicht vorstellen, in einem an deren Land zu leben. „Inter national liegt Österreich da mit im Mittelfeld. Zum Ver gleich: In den USA sind es etwa 90 Prozent, womit sie weltweit an der Spitze liegen“, erläutert Hadler. Parallel dazu wächst die Sorge um die kul turelle Identität. Mehr als die Hälfte spricht sich dafür aus, die Zuwanderung leicht oder deutlich zu reduzieren. Doch wenn es um die Verteidigung des Landes geht, wird die Sache plötzlich heikel. Laut einer Studie des Austrian Foreign Policy Panel Project (Universität Innsbruck, 2024) würden nur 14 Prozent der

Trauen sich Österreicher, auf ihr Land stolz zu sein? Ja, durchaus. Die meisten Menschen in Österreich haben kein Problem damit, Stolz für ihr Land zu empfinden. Der Stolz ist aber weniger politisch, sondern sportlich, kulturell und geografisch ge prägt. Nur eine kleine Minderheit gibt an, dass es Dinge im heutigen Österreich gibt, für die sie sich schämen. Hier wurden Beispiele wie schlechte Leistungen der Regierung, aber auch ein auslän derfeindlicher Diskurs bestimmter politischer Parteien genannt. Betrachtet man Umfragen zu der Frage, was ei nen „richtigen Österreicher“ ausmacht, zeigt sich ein klarer Wandel in den letzten 40 Jahren. Früher wurden Abstammung, Religion und Her kunft stärker betont, während heute Merkmale wie Rechtschaffenheit und das Einhalten von Gesetzen an Bedeutung gewonnen haben. Das zeigt, dass der Begriff von nationaler Identität in Österreich zunehmend auf gemeinsamen Leis tungen statt auf Herkunft basiert. Worauf sind Sie persönlich stolz? Als Sozialforscher kann ich besonders stolz auf die bahnbrechende Marienthal-Studie von Marie Jahoda, Paul Felix Lazarsfeld und Hans Zeisel aus den 1930er-Jahren sein, die neue Maßstäbe in der empirischen Sozialforschung setzte und bis heute international anerkannt ist. Auch nach ihrer erzwungenen Emigration prägten diese drei österreichischen Wissenschaftler die Sozialpsy chologie, Meinungsforschung und empirische Soziologie nachhaltig. Wird der Nationalstolz in Österreich abnehmen oder gibt es Anzeichen für eine Trendwende?

WIRTSCHAFT

Während wirtschaftliche Errungenschaften geschätzt werden, ist das in der Politik weniger der Fall.

FOTOS: KLIMT: BELVEDERE, WIEN, OMV: MAURITIUS IMAGES/CHROMORANGE/ERNST WEINGARTNER, MARKUS HADLER: SBESS/WOLF

WEEKEND MAGAZIN | 11

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