Weekend Magazin Steiermark 2025 KW42

STEIERMARK INSIDE

Energetisch. Martin Graf, seit 2016 Vorstand der Energie Steiermark, verant wortet Finanzen, Controlling, Treasury, Recht, Personal und Netze. Mit 30 Jahren Branchenerfahrung prägte er den Konzern zu einem internationalen Vorzeigemodell. Werner Ressi, seit 2013 Geschäftsführer der Energie Graz, folgte Christian Purrer und übernahm Erzeugung, Vertrieb, Technik, Fernwärme und IT – u. a. entwi ckelte er das Geothermie-Projekt für Graz.

vor. Welche Rolle spielt Ihr Unternehmen dabei? Ressi: Der Aufbau einer wasserstofffähigen Netzinfra struktur ist eine europäische Aufgabe. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und eine eigene Wasserstoffgesell schaft gegründet. Graf: Das ist essenziell, denn die steirische Industrie wird mittelfristig massiv auf grü nen Wasserstoff angewiesen sein, um ihre Dekarbonisie rungsziele zu erreichen. Wir schaffen damit einen direkten Ansprechpartner für unsere Industriekunden. V

ziell. Wie bereiten Sie die historisch auf Großkraft werke ausgerichteten Netze auf die dezentrale Ein speisung von Tausenden PV-Anlagen vor? Graf: Die Netze waren früher unidirektional – vom Kraft werk zum Kunden. Jetzt müssen wir sie für eine bidi rektionale, dezentrale Ein speisung umrüsten. Wir in vestieren über die nächsten zehn Jahre in die Netze, um die steigende Zahl an Erzeu gern aufzunehmen. Ein Fo kus liegt auf der Digitalisie rung, um die Netzführung intelligent zu machen und die Stabilität zu gewährleisten. Zur effektiven Nutzung: Mittags gibt es oft eine PV-Überproduktion. Wie wollen Sie dieses Ungleich gewicht zwischen Erzeu gung und Verbrauch lösen? Graf: Hier benötigen wir dringend Load Shifting – die Verschiebung des Ver brauchs dorthin, wo der Strom gerade erzeugt wird. Das ist ein gemeinsames Ziel aller, vom Endkunden bis zur Industrie. Ressi: Die künstliche Intelli genz ist der entscheidende Hebel. Wenn ich Erzeugung und Verbrauch exakt prog

nostiziere, kann ich vermei den, kurzfristig teuren Strom als Ausgleichsenergie zukau fen zu müssen. Eine falsche Prognose kann zu enormen Kosten führen. Mit KI kön nen wir die Vorhersagequali tät der Wetterdaten und de ren Auswirkung auf Wind und PV massiv verbessern. Ein drittes wichtiges Ziel, Herr Ressi, war die Leist barkeit. Die angekündigte Strompreissenkung von 25 Prozent erforderte die aktive Zustimmung der Kunden. Warum dieser komplizierte Weg? Ressi: Das war ein rechtlich notwendiger Schritt, um uns vor Klagen zu schützen. Ös terreichweit gibt es über 100 Prozesse gegen Versorger. Nach zwei Wellen haben wir eine Zustimmungsquote von 55 Prozent erreicht. Wer nicht zugestimmt hat, erhält eine 10-prozentige Senkung. Für die Zukunft wünschen wir uns eine klare gesetzli che Regelung im neuen Elek trizitätswirtschaftsgesetz. Herr Graf, Genehmigungs verfahren bremsen den Aus bau erneuerbarer Energien oft aus. Wie gehen Sie damit um?

Graf: Wir gehen bei Projek ten wie den kürzlich geneh migten 60 Megawatt Photo voltaik teilweise ein gewisses unternehmerisches Risiko ein. Aber ohne eine klare Beschleunigung der Fristen – wie sie das Erneuerbare-­ Ausbaubeschleunigungsge setz vorsieht – wird der po litisch geforderte Ausbau nicht zeitgerecht zu schaffen sein. Abschließend zum Master plan Grüne Energie 2040. Er sieht einen massiven Ausbau von Wasserstoff

FOTOS: CHRIS ZENZ

„Ein E-Auto benötigt auf 100 Kilometern nur ein Viertel der Energie eines Benziners.“

Werner Ressi über E-Mobilität

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