Weekend Magazin Steiermark 2025 KW04

STEIERMARK INSIDE

Regierer mit Rückenwind. Stefan Hermann (FPÖ) wurde am 28. Juni 1985 in Bruck an der Mur geboren. Der Jurist ist verheiratet und Vater zweier Kinder. Seit 18. De- zember 2024 ist er als Landesrat für die Bereiche Bildung, Jugend und Regionalentwicklung zuständig. Zuvor war er seit 2015 Vizebürger meister von Feldkirchen, ein Amt, das er zur Amtsübernahme niederlegte.

Pausenhöfen hat zuletzt für Aufregung gesorgt. Können Sie das nachvollziehen? Hermann: Ich bin der festen Überzeugung, dass Kinder die Sprache am besten lernen, wenn sie gesprochen wird. Nicht nur im Unterricht, son dern auch mit den Kameraden am Pausenhof. Es sollte selbst verständlich sein, dass man in der Schule Deutsch spricht,

bar sind. Erhoffen Sie sich Rückenwind durch eine blau geführte Bundesregierung? Hermann: Natürlich ist es einfa cher, wenn man direkte An sprechpartner auf Bundes ebene hat. Unabhängig davon ist es wichtig, dass die Bundes länder ihre Rolle einnehmen und Forderungen aktiv ein mahnen. Mit Mario Kunasek als Landeshauptmann haben wir jemanden, der dies konse quent tun wird. Bei unserer Regierungsklausur am 31. Jän ner werden wir erste konkrete Maßnahmen des Regierungs programms terminisieren und ein Forderungspaket an Wien senden. Kritiker werfen der FPÖ oft vor, Probleme nur aufzu zeigen, aber keine Lösungen zu bieten. Gibt es konkrete Projekte, die diesem Vorwurf entgegenwirken? Hermann: Unser Regierungs programm umfasst über 130 Seiten, eine Detailtiefe, die es bisher in Österreich nicht gab. Beispiele sind etwa die Einführung einer Bezahlkarte für Menschen in der Grund versorgung, die Abschaffung der Landesrundfunkabgabe und die Umsetzung eines neu en Verkehrskonzepts. Die geplante Einführung einer Deutschpflicht auf

Dies soll in den Schul- und Hausordnungen festgehalten werden. Die Umsetzung liegt dann bei den Schulen. Ein weiteres Vorhaben ist die Einführung von Vor schulklassen. Wie soll das ablaufen? Hermann: Im letzten Kinder gartenjahr soll eine verpflich tende Sprachstandserhebung

Kindern, sondern entlastet auch die Lehrkräfte. Wie wirkt sich das auf die Integration der Kinder aus? Hermann: Aktuell sind in der Steiermark rund 20 Prozent der Kinder in der ersten Klas se als außerordentliche Schü ler gemeldet, weil sie nicht ein mal rudimentäre Sprach kenntnisse besitzen. Diese Kinder können dem Unter richt nicht folgen und werden auch nicht bewertet. Die ent scheidende Frage ist: Wie soll so Integration gelingen? Gar nicht. Mit gezieltem Deutsch förderunterricht sollen die Kinder auf den Regelschulbe trieb vorbereitet werden. Ihr Ressort umfasst auch die Regionalentwicklung. Wie wollen Sie die Gemeinden unterstützen? Hermann: Unser Ziel ist es, Ge meinden von Anfang an bei Projekten zu begleiten, sei es beim Bau eines Kindergartens oder anderer Infrastruktur. Das Ressort Regionalentwick lung stellt sicher, dass Raum planung, Bedarfsanalysen und Finanzierungsfragen effizient koordiniert werden. Ange sichts der angespannten Fi nanzlage von Bund, Ländern und Gemeinden ist diese pro fessionelle Unterstützung ent scheidend. V

„Wie soll Integration gelingen, wenn Kinder dem Unterricht nicht folgen können? Gar nicht.“ Stefan Hermann über die Notwendigkeit von Vorschulklassen

wenn man in Österreich in die Schule geht. Wir müssen den Schulen die rechtlichen Grundlagen geben, Deutsch als verbindliche Sprache auf Pausenhöfen durchzusetzen.

erfolgen. Kinder mit mangeln den Deutschkenntnissen wer den dann in Vorschulklassen gezielt gefördert, bevor sie in den Regelschulbetrieb wech seln. Das hilft nicht nur den

Neo-Landesrat Hermann im Interview: „Ausreichende Sprachkenntnisse sind der Schlüssel zur Integration.“

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