Weekend Magazin Salzburg 2026 KW17

CHRISTIAN STRUBER Wer hilft den Helfenden ?

WENN PFLEGE ZUR BELASTUNG WIRD. Sie pflegen, trösten, organisieren – oft rund um die Uhr und meist im Verborgenen: pflegende Angehörige. Christian Struber, Präsident des Hilfswerks Salzburg, spricht über die Herausforderungen, über notwendige Entlastung und darüber, warum es jetzt konkrete Unterstützung und mehr gesellschaftliche Anerkennung braucht.

H err Struber, wie sieht der Alltag pflegender Angehöri ger aus und wie viele Men schen betrifft das in Salzburg? Christian Struber: Im Bundesland bezie hen derzeit rund 27.000 Menschen Pfle gegeld. Über 22.000 werden zuhause be treut, meist von Angehörigen. Der All tag ist sehr unterschiedlich, aber eines ist immer gleich: Auch wenn professio nelle Hilfe durch Hauskrankenpflege oder Haushaltshilfe vorhanden ist, bleibt für die Angehörigen oft viel zu tun. Es geht um ständige Begleitung, emotiona le Unterstützung, Organisation – und das jeden Tag. Umso wichtiger sind An gebote zur Entlastung.

Was möchten Sie Menschen sagen, die selbst jemanden pflegen – und sich vielleicht überfordert fühlen? Struber: Viele haben Angst, irgendwann körperlich oder emotional nicht mehr weiterzukönnen. Suchen Sie sich früh zeitig Unterstützung! Viele zögern lange und holen Hilfe erst dann, wenn sie schon völlig erschöpft sind. Es ist keine Schwäche, um Hilfe zu bitten. Ganz im Gegenteil: Nur mit Begleitung und Ent lastung kann es gelingen, Pflege lang fristig zu Hause zu ermöglichen. Diese Unterstützung kostet Geld. Wie wird sie finanziert – und wo reichen öffentliche Mittel nicht aus?

Struber: Es gibt eine Vielzahl von Ange boten, die durch öffentliche Mittel des Landes oder der Gemeinden unterstützt werden – was sehr wichtig ist. Aber es gibt auch Bereiche, in denen wir auf Spenden angewiesen sind, etwa bei „Es sen auf Rädern“. Um die Kosten niedrig zu halten, braucht es zusätzliches En gagement aus der Bevölkerung. Wie wichtig sind Spenden für das Hilfswerk Salzburg – und was pas siert mit diesen Geldern konkret? Struber: Spenden sind für uns unver zichtbar. Wir benötigen jährlich rund 200.000 Euro, um Angebote wie „Essen auf Rädern“ aufrechtzuerhalten. Auch Projekte zur Unterstützung von Allein erzieher:innen in der Kinderbetreuung werden so finanziert. Jeder Euro hilft di rekt Menschen in unserer Region. Oft dort, wo sonst niemand helfen kann. An alle, die helfen möchten – was kann man konkret tun? Christian Struber: Wir erleben eine Gene ration, die in Pension geht und vol ler Energie steckt. Gelingt es,

„Es ist wichtig, konkrete Hilfe anzubieten und anzunehmen, bevor es zu spät ist.“ Christian Struber, Präsident Hilfswerk Salzburg

Das ist eine große Verantwortung – körperlich und emotional. Was sind die größten Belastungen? Struber: Aus meiner Erfahrung ist es be sonders bei demenziellen Erkrankun gen sehr herausfordernd. Denn dabei verändert sich der Mensch in seinem Verhalten, in seinen Antworten und Reaktionen – manchmal so sehr, dass man das Gefühl hat, jemanden ganz Neues vor sich zu haben. Das zu ak zeptieren, ist für viele Angehörige besonders schwer.

diese Menschen für freiwilliges Engagement zu gewinnen, ist das ein großer Gewinn. Ob als Fahrerin für „Essen auf Rädern“ oder im Besuchs dienst in Pflegeheimen – die Möglichkeiten sind viel fältig. Und man bekommt unglaublich viel zurück: Freude, Dankbarkeit und Menschlichkeit. V

FOTOS: HILFSWERK SALZBURG/NEUMAYR

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