Weekend Magazin Pinzgau 2025 KW42
STOLZ AUF PINZGAU
BEWEGUNG, ERNÄHRUNG, GEMEINSCHAFT. Okinawas Über-100-Jährige zeigen, wie man gesund alt wird – und was Österreich davon lernen kann. Von Yunus Emre Kurt Okinawa: Wo das Alter Kraft hat
D ie Inhaberin von Da heim Altern in Saal felden, Dr. Zelmira Nickel, besuchte die japani sche Insel Okinawa – be kannt für ihre außergewöhn lich hohe Lebenserwartung und Fitness im Alter. Ihre Be obachtungen zeigen, worin die Unterschiede zu unserer Gesellschaft liegen und wie sich diese Erkenntnisse in die Arbeit mit Senioren übertra gen lassen. Bewegung im Alltag In Okinawa ist Bewegung Teil des Lebens. Häuser sind bewusst nicht barrie refrei – Treppen, Schwel len und Futons fördern Muskelkraft und Gleichge wicht. Hilfsmittel wie
Natürliche Balance Ob beim Aufstehen, im Garten oder beim Radfah ren – Gleichgewicht ent steht durch alltägliche Akti vitäten. Bewegung ist Teil des Lebens, kein Trainings programm. In Österreich wird Bewegung meist in Form von Therapie oder Training angeboten. Diese sind wertvoll, können je doch die natürliche Bewe weiß man noch, wofür es sich lohnt, morgens auf zustehen.” Dr. Zelmira Nickel Inhaberin Daheim Altern Saalfelden „Das Ikigai-Prinzip: Auch mit 100 Jahren
gung des Alltags kaum er setzen. Ernährung als Ritual Das Essen folgt klaren Prinzipien: frische Zuta ten, viel Gemüse, Fisch, Reis und die charakteristi sche lila Süßkartoffel. Zu cker und Fertiggerichte sind selten. Entscheidend ist das Prinzip Hara Hachi Bu – gegessen wird nur bis zu 80 Prozent Sättigung. „Diese Esskultur führt zu Normalgewicht, stabiler Gesundheit und hoher Vi talität“, so Dr. Nickel. In Österreich dagegen tragen Überernährung und Fer tigprodukte wesentlich zu Krankheiten und Erschöp fung bei.
Treppenlifte oder Pflege betten werden erst einge setzt, wenn es wirklich notwendig ist. In Öster reich hingegen werden Barrierefreiheit und Tech nik stark gefördert. „Das gibt Sicherheit, nimmt den Menschen aber oft die täg lichen Bewegungsanreize – und führt nicht selten zu früherer Immobilität“, schildert Dr. Nickel.
Dr. Zelmira Nickel besuchte Okinawa und beobachtete, wie Bewegung, Gemein schaft und Sinn das Altern prägen.
FOTOS: FOTO JELINEK; PRIVAT
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