Weekend Family Business Burgenland/Niederösterreich 2026 KW16

WIRTSCHAFT

der Gäste: „Bei uns im Haus sind viele besonders sensible Leute, die sagen, dass bei uns eine sehr gute Energie herrscht. Das freut mich besonders, denn das beweist, dass in den letzten fast 700 Jahren vie les richtig gemacht wurde.“ Familiengeheimnisse Doch was ist das Geheimnis die ser erstaunlichen Langlebigkeit all der hier genannten Beispiele? Was ist ihr gemeinsamer Nen ner? Wirtschaftshistoriker nen nen mehrere Faktoren. Erstens: Geduld statt kurzfristiger Rendi te. Familienunternehmen denken oft in Generationen, nicht in Quartalen. Zweitens: radikale Anpassungsfähigkeit. Selbst tau sendjährige Firmen haben ihre Geschäftsmodelle immer wieder modernisiert – sei es durch neue Bauweisen, Tourismusan gebote oder schießlich Digita lisierung. Drittens: klare Werte und Identität. Gerade japanische Traditionsbetriebe sehen sich weniger als Profitmaschine, son dern als Hüter eines Handwerks oder kulturellen Erbes. Bemer kenswert ist dabei, dass viele dieser Unternehmen Krisen überstanden

MICHAELA GMACHL Inhaberin Romantik Spa Hotel Elixhauser Wirt

„Man muss neugierig bleiben“

FAMILY BUSINESS: Ist es eigentlich ein Vor teil, der älteste Familienbetrieb Österreichs zu sein, oder ist die damit verbundene Ver antwortung auch manchmal erdrückend? Michaela Gmachl: Es ist beides. Es ist toll, wenn man das Unternehmen ausbauen und Ideen umset zen kann, aber mit einem Startup ist man logischer weise risikobereiter als mit einem fast 700 Jahre alten Betrieb. Da ist man dann doch ein wenig vorsichti ger. Dennoch muss man neugierig bleiben. Stillstand kann man sich nicht erlauben. Ein großer Knackpunkt bei Familienbetrieben ist die Übergabe. Wie wurde bzw. wie wird das vielleicht einmal bei Ihnen gehandhabt? Gastronomie und Unternehmertum wurden uns wohl in die Wiege gelegt. Meine große Tochter ist 22, hat die Hotelfachschule besucht und studiert nun Tourismusmanagement mit Aufenthalten in Barcelo na und Tokio, und ein halbes Jahr hat sie in New York gearbeitet. Auch meine zweite Tochter (18) ist in der

Linie vom Zimmerverkauf, denn ein volles Hotel bedeutet ein vol les Restaurant.“ Und das Haus ist oft voll, denn Michaela Gmachl investierte, nachdem sie 2005 das Haus übernahm, vier Jahre spä ter in stattliche Wellness-Anla gen. Die Kombination aus famili är geführtem 74-Zimmer-Betrieb, guter Küche und Entspannung kommt an. Die Gmachls haben sich damit ein treues Stammpub likum auch im Business-Segment erarbeitet. Von Elixhausen bis nach Princeton Überhaupt arbeitet die Fami lie gerne und viel, so wie Felix Gmachl, Geschäftsführer von Österreichs ältester Weißbier brauerei „Die Weisse“ in Salz burg, oder Claire Gmachl, Phy sikerin und Professorin an der Princeton Universität. „Meine mittlere Schwester ist Tierärztin und betreibt den Pferdestall, einer meiner Cousins hat eine Zimme rei.“ Eine so große Familie „ist nicht immer einfach, weil man eine große Aufgabe hat. Auch für Partner, die dazukommen, kann das belastend sein“. Den noch sei es „etwas sehr Wertvol les“. Wertvoll wie das Feedback Seit fast 700 Jahren sind die Gmachls samt Vorfahren lei denschaftliche Gastgeber. Das Geschäftsmodell musste stets angepasst werden, vor allem in den vergangenen Jahren.

haben, die ganze Wirt schaftssysteme hinweg gefegt haben: Feudalis mus, Industrialisierung, Weltkriege, Finanz krisen, künstliche Intel ligenz. Ihre Existenz beweist, dass Nachhal tigkeit im Wirtschafts

Tourismusschu le und mein Sohn Paul (13) hilft aus, auch wenn er nicht müsste. Das ist absolut nicht selbstverständ lich. Sie machen es, weil sie es ger

Mit einem Startup ist man logischerweise risikobereiter als mit einem fast 700 Jahre alten Betrieb. Da ist man dann doch ein wenig vorsichtiger.

sinn mehr bedeutet als Umwelt berichte – nämlich institutionelle Resilienz über Generationen hin weg. Familienbetriebe sind daher oft die Konterkarierung von Star tups oder Konzernen, und doch liegt wohl gerade darin die wich tigste Lektion: Während Silicon-­ Valley-Unternehmen vom schnel len „Exit“ träumen, denken die ältesten Familienbetriebe der Welt an die nächste(n) Generation(en) – Stichwort: Enkelfitness. n

ne machen. Das muss man natürlich vorleben. Gleich zeitig zwinge ich niemanden. Wenn meine drei Kinder nicht mögen, wird es eine andere Lösung geben. Bei Generationenübergaben wird oft viel falsch gemacht. Es ist nicht mein Ansatz, bis 80 herumzurennen, weil ich glaube, nicht ersetzbar zu sein. Das war auch nicht der Ansatz meiner Eltern. Jede Generation hat eigene Ideen, und die Welt dreht sich gerade so schnell, dass ich mit 51 schon dranbleiben muss bei dem, was mei ne Kinder mir erzählen. Gleichzeitig braucht es Dis ziplin, sich auch zurücknehmen zu können. So gerne ich im Hotel bin, ist gerade dieses „Zurücknehmen“ das Geheimnis von dauerhaftem Erfolg.

FOTOS: RICHAD SCHABETSBERGER

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