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GANZ SCHÖN CHAOTISCH
TEXT: ANDREA SCHRÖDER
MEHR IST MEHR. Der Wohnstil „Intentional Clutter“ („Planvolles Durcheinander“) vereint Kontraste zu einem harmonischen Ganzen. Sein Motto: verspielt statt streng. W er sich beim Einrichten nicht festlegen will, hat im Mix & Match („Eklek tizismus“) seinen Seelen neten Chaos. Anstatt sich auf wenige Statement-Pieces zu beschränken, werden Schichten aufeinander gelegt und gestapelt, ob Kunstwerke, Vasen, Bücher, Decken oder Kissen. Der Trick: „Gruppieren statt verteilen“, rät Tho mas Broom-Hughes vom britischen Li festyle-Label Petersham Nurseries. So entstehen verschiedene Deko-Inseln, die trotz ihrer Fülle Ruhe ausstrahlen.
verwandten gefunden. Hier trifft Alt auf Neu, Boho auf Mid-Century, Souvenir auf Sammlerstück. Was auf den ersten Blick wie ein unkontrolliertes Durchei nander wirkt, folgt in Wahrheit einem Rezept. Die fein abgestimmtem Zutaten: persönliche Gegenstände, die Entschei dung für einen bestimmten Stil und ein spielerischer Umgang mit Farben und Materialien. Das Zuhause wird zur Büh ne – für Geschichten, Erinnerungen und die eigene Persönlichkeit. Nicht für jeden Anders als Designkonzepte, die Har monie durch Gleichheit erzeugen – Beispiele: alles in Weiß oder ein Bad ganz aus Marmor –, setzt der Stilmix auf bewusste Reibung. Ein viktoriani scher Ohrensessel neben einem Sofa aus den 70ern? Warum nicht. Wichtig ist, dass sich die Kontraste gegenseitig zum Leuchten bringen. So entsteht ein Dialog, der Emotionen auslöst. Bei so manchem auch Ablehnung: Ordnungs liebende Minimalisten werden sich in so einer Umbegung eher unwohl fühlen. Schichtweise Cluttercore (noch so ein Instagram-Aus druck) feiert die Schönheit des geord
Wohnen als Selbstausdruck Es ist dieser scheinbare Widerspruch zwischen Chaos und Ornung, der Cluttercore zum neuen Liebling der Interior-Szene macht. Nicht perfekt, aber persönlich. Nicht leer, sondern lebendig. Die „Beautiful Mess“ ist kein ästhetischer Zufall, sondern Ausdruck einer Sehnsucht nach einem Zuhause, das sich wie ein Tagebuch aus Objekten lesen lässt. Geliebte Souvenirs Textilien aus Südamerika, Skulpturen aus Afrika, japanische Keramik oder skandinavische Möbel – der globale Stil spiegelt nicht nur Reiselust wider, sondern auch kulturelle Offenheit. Und: Eklektizismus ist kein neues Phänomen. Schon die alten Griechen verstanden darunter die bewusste Auswahl ver schiedener Ideen und Stile. Ikonen wie Eileen Gray oder später Karl Lagerfeld interpretierten das Prinzip im 20.
Harmonisch, aber nicht langweilig. Farben und Lacke: Farrow & Ball.
FOTOS: FARROW & BALL.
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