Business Vorarlberg 2025 KW44

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Boschan: Wir sind heute ein hoch in ternationalisiertes Haus. Während frü her ein Großteil der Umsätze im Inland erwirtschaftet wurde, stammen heute rund 85 % unserer Handelsumsätze aus dem Ausland, generiert durch global tätige Institute wie Morgan Stanley, J.P. Morgan oder Goldman Sachs. Diese Entwicklung zeigt klar unseren Weg: Internationalisierung. Wir wollen die beste Bühne für österreichische Unter nehmen bieten – und das nicht nur im heimischen Umfeld, sondern im welt weiten Börsenrampenlicht. Daneben setzen wir auch auf Diversifizierung. Aktienhandel und Listings sind nicht die einzigen wichtigen Umsatztreiber. Auch Datenvertrieb, IT-Services und ein starkes Wertpapier-Verwahrge schäft zählen heute dazu. n Einen Sonderstatus nimmt die Wie ner Börse ein. Sie gehört zu etwa je zur Hälfte börsennotierten österrei chischen Unternehmen wie OMV oder Verbund und heimischen Ban ken wie Erste Group oder UniCredit Bank Austria. „Die Wiener Börse ist bereits heute in ein sehr internationales Netzwerk eingebunden“, sagt Wiener Börse-Chef Christoph Boschan im Interview. Die Prager Börse ist Teil des Unternehmens, darüber hinaus stellt Wien den Börsen in Laibach, Budapest und Zagreb ihre Handels- infrastruktur zur Verfügung. „Ich denke, dass sich auch für die Wiener Börsen auf Sicht die Frage stellen wird, ob man in einem Verbund nicht besser aufgehoben wäre. Für uns Fondsma nager ist das alles nicht so relevant. Wir wollen einfach die Aktien liquide handeln mit geringen Kosten – egal wer die Eigentümer der Börse sind“, sagt Alois Wögerbauer. n

Der Börsenverbund Euronext will die Börse Athen übernehmen. Ist so ein Szenario auch für die Wie ner Börse denkbar? Christoph Boschan: Strategische Zukunftsoptionen werden in allen Dimensionen regelmäßig mit den Ei gentümern diskutiert. Was ich sagen kann: Die Wiener Börse ist bereits heu te in ein sehr internationales Netzwerk eingebunden. Die Prager Börse ist Teil unserer Gruppe und wir stellen dar über hinaus den Börsen in Laibach, Budapest und Zagreb unsere Han delsinfrastruktur zur Verfügung und konsolidieren elf Märkte auf unserer Dateninfrastruktur. In jenem Bereich, in dem Größe zählt – nämlich Handels technologie – setzen wir konsequent auf weltweit führende Partner wie die Chancen für Anleger Börsen zu betreiben ist inzwischen also selbst zu einem lukrativen Ge schäftsmodell geworden, von dem auch Anleger profitieren können. Allein der Aktienkurs der LSE Group wuchs in den letzten 25 Jahren stär ker als der FTSE 100, der wichtigste Index der Londoner Börse. „Es ist tat sächlich viel zu wenig bekannt, dass man auch in die Aktien der Börsen betreiber investieren kann; viele sind langjährige echte Erfolgsstorys. Das liegt an den immer weiter steigenden Handelsvolumina, es liegt aber vor allem auch daran, dass die Börsenun ternehmen auch große Datenanbieter sind; wir kennen das aus dem eige Anlegern gekauft werden. Die Hong Kong Exchanges and Clearing Limi ted (kurz: HKEX) ist selbst seit 2000 börsennotiert und gehört zu den wert vollsten Unternehmen in ganz Asien.

nen Haus. Alle Indexdetails, die man verwenden will, sind zu kaufen – und die Lizenzgebühren sind für die An bieter recht attraktiv“, erklärt Alois Wögerbauer, Geschäftsführer der 3 Banken-Generali Investment-GmbH und einer der profiliertesten Fonds manager des Landes. Vor der Jahr tausendwende waren die Aktionä re eines Börsenplatzes oft auch die Anteilseigner der Börse selbst. Viele Börsen, wie etwa die NYSE oder die Frankfurter Wertpapierbörse, wur den ursprünglich als Mitgliederor ganisationen gegründet. Die Mit glieder – oft Banken, Brokerhäuser oder Händler – besaßen Anteile an der Börse und hatten damit sowohl Einfluss auf deren Betrieb als auch wirtschaftliche Vorteile. Sonderfall Wiener Börse Inzwischen gilt das Börsen-Monopo ly: Fressen oder gefressen werden.

„WIR SIND EIN HOCH INTER NATIONALISIERTES HAUS“

Christoph Boschan, Vorstandsvorsitzender der Börsengruppe Wien und Prag

Euronext, die Deutsche Börse oder die Nasdaq. Derzeit haben wir die Deut sche Börse als Partner. Wie haben sich die Geschäfte der Wiener Börse seit ihrer Privatisie rung vor 25 Jahren entwickelt?

FOTO: WIENER BÖRSE/DANIEL HINTERRAMSKOGLER

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