Business Oberösterreich 2025 KW44
47 Prozent beträgt die durchschnittliche Abgabenquote auf Arbeit in Österreich
BUSINESS
alen Sicherungssystemen, die in Ös terreich international als Vorzeige modell gelten. Krankenversicherung, Pension, Arbeitslosenunterstützung und Familienleistungen werden durch die Abgaben finanziert und gewährleisten eine Absicherung, die in Ländern mit niedrigerer Belastung so nicht existiert. Der demografische Wandel n den USA etwa kann ein Krank heitsfall schnell zur finanziellen Katastrophe werden, wenn keine ausreichende private Versicherung besteht. In Österreich dagegen ist die medizinische Versorgung für alle gesichert, unabhängig vom Einkommen. Auch das Pensions system bietet eine vergleichsweise hohe Sicherheit, auch wenn es ange sichts des demografischen Wandels und stetig wachsenden zunehmend unter Druck gerät, da immer mehr ältere Menschen einer schrumpfen den Zahl an Erwerbstätigen gegen überstehen, wie die aktuell geführte Diskussion über die Anpassung der Pensionen für das Jahr 2026 zeigt. n
Progressive Lohnsteuer In Österreich ist also der sogenannte Tax Wedge – also die Lücke zwischen den Arbeitskosten für den Arbeitge ber und dem Nettolohn des Arbeit nehmers – besonders groß. Das liegt vor allem daran, dass die Finanzie rung des österreichischen Sozialstaa tes weitgehend über Abgaben auf Arbeit erfolgt. Arbeitnehmer führen vom Bruttolohn knapp 18 Prozent an Sozialversicherungsbeiträgen ab, Arbeitgeber zahlen zusätzlich über 22 Prozent. Hinzu kommt die pro gressive Lohnsteuer, die ab einem bestimmten Einkommen stufenweise von 20 auf bis zu 55 Prozent steigt. Geringere Wertschöpfung Sehen sich Unternehmen im interna tionalen Vergleich mit hohen Perso nalkosten konfrontiert, kann dies ein klarer Standortnachteil sein. Gerade für kleine und mittlere Betriebe in arbeitsintensiven Branchen bedeu tet dies eine große Hürde, da jeder zusätzliche Mitarbeiter einen erheb lichen Fixkostenblock auslöst. Auch bei der Entscheidung internationaler Konzerne, wo sie ihre Produktions- oder Dienstleistungsstandorte ansie deln, spielen die Lohnnebenkosten eine zentrale Rolle. Denn eine hohe Lohnquote bedeutet, dass ein gerin gerer Anteil der Bruttowertschöp fung bei den Unternehmen verbleibt. Rückgang bei Investitionen Gabriel Felbermayr, Direktor des österreichischen Institutes für Wirt schaftsforschung (WIFO), weist dar auf hin, dass nur mehr rund 30 Pro zent der generierten Wertschöpfung bei Unternehmen verbleiben, und zwar vor Abschreibungen und Zin sen. Dementsprechend lagen auch die Unternehmensgewinne und Ein kommen aus selbstständiger Tätig keit im Jahr 2024 um 7,6 Prozent unter dem Vorjahreswert. Die gesunkenen
Betriebsüberschüsse in Kombination mit hohen Arbeitskosten und einer schwachen Nachfrage haben zu ei nem deutlichen Rückgang bei den Investitionen geführt und schmälern damit die zukünftige Wettbewerbs fähigkeit. Besonders betroffen sind Branchen mit geringer Kapitalin tensität, die kaum Spielraum für Rationalisierungen haben. Lang fristig droht dadurch nicht nur eine Schwächung des Unternehmenssek tors, sondern auch ein Rückgang bei Innovationen, Beschäftigung und damit letztlich beim gesamtwirt schaftlichen Wachstum. Sozialsystem wird finanziert Doch die hohen Lohnnebenkosten haben auch klare Vorteile, die nicht übersehen werden dürfen. Sie sind die Basis für ein dichtes Netz an sozi-
HOHE LOHNNEBEN- KOSTEN IN ÖSTERREICH
Lohnnebenkosten im Vergleich Anteil an den gesamten Arbeitskosten in Prozent.
Steueranteil im Vergleich Steuern und Abgaben in Prozent der Arbeitskosten.
Österreich
EU-27
Deutschland
Belgien
Österreich
Finnland
Slowakei
26,6 % 24,8 % 23,3 %
52,7 % 47,2 % 43,5 % 41,6 %
Quelle: Eurostat
Quelle: OECD
48 | WEEKEND BUSINESS
Made with FlippingBook. PDF to flipbook with ease