Weekend Family Business Wien 2026 KW16

THEMA

Der Dienstantritt der Martha Schultz: Die Herren applau dieren brav, die Chefin registriert‘s mit Wohlgefallen.

EU-Kommission, Round Table zum Thema ‚Büro kratie‘. Sagt ein österreichischer Unternehmer: ,Unsere Com pliance-Abteilung sitzt vor Ihnen, das bin ich!“ – Das hat einigen dort die Augen geöffnet.

MARTHA SCHULTZ über bürokratische Bürden im Alltag

1

BÜROKRATIE-ABBAU Der typische Familien- betrieb hat keine Rechts- abteilung und kein Com

als Wirtschaftskammer wägen ständig ab, was unseren Mitgliedern Nutzen bringt und wo wir Wege vereinfachen können. KOSTEN SENKEN

umzusetzen sind, für das einzelne Unter nehmen aber eine riesige Erleichterung wären. Generell gilt: Bürokratieabbau ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Wir sehen uns da in der Rolle des Tempo machers – auch wenn das heißt, lästig sein zu müssen. KMU-FILTER FÜR NEUE GESETZE neue EU-Vorschrift zusätzliche Beratungskosten. Wie kann die Wirtschaftskammer verhindern, dass internationale Regulierung kleine Betriebe erdrückt? Der bereits erwähnte Grundsatz „Think Small First“ gilt ganz besonders für Brüs sel. Aber wir haben auch ein nationales Aufgabenheft: Es darf absolut kein „Gold Plating“ mehr bei der Umsetzung von EU-Vorgaben in Österreich geben. Denn das schadet der Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe. Die Bundesregierung arbeitet gerade am zweiten Bürokratie Abbaupaket. Wir bringen uns hier inten 3 Für einen Familienbe- trieb bedeutet fast jede

2

pliance-Team. Welche Spielarten der Bürokratie müssen eingebremst werden, damit Unternehmer wie der mehr Zeit für ihr eigentliches Business haben? Und: Wo sind Sie als erfolgreiche Seilbahn-Unterneh merin bereits selbst an die Grenzen der Kammer-Bürokratie gestoßen? Martha Schultz: Die EU-Kommission hat im Vorjahr mehrere Round Tables zum Thema „Bürokratie“ organisiert. Dabei saß – neben Lufthansa und anderen großen Unternehmen – auch der Eigen tümer eines KMU aus Niederösterreich am Tisch. Seine Aussage „Unsere Com pliance-Abteilung sitzt vor Ihnen: Das bin ich!“ hat einigen die Augen geöffnet. Des halb ist das Prinzip „Think Small First“ so wichtig: Regelungen dürfen nicht mit Großkonzernen im Kopf entworfen wer den – sie müssen für KMU funktionieren. Denn sie machen mehr als 99 Prozent der europäischen Unternehmen aus. Auch wir

Viele KMU sagen: Die größten Belastungen sind nicht Steuern,

sondern Lohnnebenkosten und Personalbürokratie. Wo sehen Sie konkret Entlastungspotenzial – und wie machen Sie der Regierung Druck, Absichtserklärungen tat sächlich zu realisieren? Das stimmt. Etwa zwei Drittel der Büro kratiekosten kommen aus den Bereichen Buchführung/Bilanzierung, Steuern/ Abgaben und Personalwesen. Hier gibt es viel Potenzial für Entlastungen. Die Anhebung der Buchführungsgrenzen, die im ersten Bürokratie-Paket vorgese hen ist, war ein erster Schritt. Wir for dern auch höhere Schwellenwerte für die Umsatzsteuervoranmeldung – die se wurden seit 2011 nicht angepasst. Es gibt noch viele weitere Beispiele für mögliche Vereinfachungen, die einfach

FOTO: APA-IMAGES / APA / HANS KLAUS TECHT

8 | FAMILY BUSINESS | 1/2026

Made with FlippingBook. PDF to flipbook with ease