Weekend Family Business Wien 2026 KW16
MANAGEMENT
Hertz wurde 1918 als erste Autover mietung der Welt in den USA gegründet. Seit 1982, also seit über 40 Jahren, ist die Rienhoff GmbH Franchisenehmer in Österreich.
Familienbetrieb mit Her(t)z
Autovermietung. Während die Branche von internationalen Konzernen geprägt ist, setzt Hertz Österreich auf Familie. Wir haben mit Vater und Sohn Udo und Michael Rienhoff über Franchising, Wettbewerb und Wandel in der Mobilität gesprochen. | INTERVIEW: SIMONE REITMEIER |
H
ertz ist ein globaler Konzern, die Rienhoff GmbH ist Franchise nehmer in Österreich und Slowenien. Welche Freiheiten haben Sie am lokalen Markt? Udo Rienhoff: Wir nutzen natürlich den Markennamen und müssen nach außen als Hertz auftreten, haben aber viele Freiheiten. Wir wählen Standorte selbst aus, entscheiden über unsere Fahrzeuge, Mitarbeiter sowie Kunden und die Bear beitung des österreichischen Marktes. Natürlich gibt es Corporate-Vorgaben beim Auftritt, aber auch das Marketing gestalten wir weitgehend selbst. Welche Rolle spielen Firmenkunden in Ihrem Geschäftsmodell? Udo Rienhoff: Der B2B-Bereich macht bei uns etwa 40 Prozent aus und ist sehr wichtig, da er ein Grundrauschen ins Geschäft bringt. Touristen kommen sai sonal, Firmenkunden haben wir das gan ze Jahr über. Hier kommt uns zugute, dass wir als Franchisenehmer sehr frei agieren können und näher am Kunden sind. Gleichzeitig arbeiten wir als Fami lienunternehmen für den eigenen Erfolg
– nicht für einen Konzern. Dadurch nehmen wir Qualität, Service und Kun denzufriedenheit besonders ernst. Wo liegt für Unternehmer der wirt schaftliche Vorteil, wenn sie auf flexible Mietlösungen statt auf einen eigenen Fuhrpark setzen? Udo Rienhoff: In der Flexibilität. Gera de bei Probezeiten oder schwankendem Mitarbeiterbedarf ist das ein Thema, mit Mietlösungen lassen sich Spitzen gut abdecken. Dazu kommt, dass man keine langfristige Belastung in der Bilanz hat, die Mietwagenrechnung ist ein klarer Kosten faktor und kann abgeschrieben werden. Michael Rienhoff: Die Kosten sind sehr gut skalierbar und Unternehmen sparen sich das gesamte Fuhrparkmanagement im Haus. Wir übernehmen im Endef fekt alles, was dazugehört, also Service, Reifenmanagement, Fahrzeugtausch und die Abstimmung mit den Fahrern. Homeoffice, hybride Arbeit, weni ger planbare Reisetätigkeit: Wie verändert sich die Nachfrage? Michael Rienhoff: Seit der Corona Pandemie spüren wir deutlich, dass die
Nachfrage bei Firmenkunden gesun ken ist und Geschäftsreisen kurzfristi ger geworden sind. Die Vorlaufzeiten bei Reservierungen werden immer kür zer, wir sprechen mittlerweile oft nur noch von zwei bis drei Tagen. Gleich zeitig sehen wir aber auch, dass sich das Geschäft wieder etwas erholt und per sönlicher Kontakt wieder wichtig wird. Wie weit ist Elektromobilität im Unternehmensalltag angekommen und wo hakt es in der Praxis noch? Udo Rienhoff: Im allgemeinen Unterneh mensalltag ist E-Mobilität angekommen, im Alltag einer Autovermietung bislang nicht. In der Kurzzeitvermietung gibt es nach wie vor nur sehr geringe Nachfrage. Michael Rienhoff: Wir haben 1.700 Fahr zeuge, davon sind nur etwa 30 E-Autos. Das zentrale Problem ist der Faktor Zeit. Weder ein Urlauber noch ein Geschäfts reisender möchte sich mit Infrastruktur, Ladezeiten und Reichweiten beschäfti gen. Dazu kommt noch die undurchsich tige Preisgestaltung vieler verschiedener Anbieter bei den Ladestationen. Solange es dafür keine Lösungen gibt, ist E-Mobi lität in der Autovermietung schwierig. n
FOTOS: HERTZ ÖSTERREICH
1/2026 | FAMILY BUSINESS | 79
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