Weekend Family Business Wien 2026 KW16

MANAGEMENT

Drittel der Gründer aus Unter nehmerfamilien hatten schon früh engen Kontakt zu anderen Unternehmern. Bei Gründern aus Arbeiter- oder Beamtenfamilien sind es nur 14 Prozent. Interes santerweise unterscheidet man sich beim Thema „Ehrgeiz“ kaum. Hat jemand erst einmal gegrün det, denkt er meist groß. So wol len – unabhängig des familiären Backgrounds – zwischen 64 und 70 Prozent der Gründer ihr Unter nehmen langfristig über einen Exit verkaufen, etwa durch einen Bör sengang oder eine Übernahme. Außerdem würden, unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund, neun von zehn Gründern erneut ein Startup gründen. Der Unter schied liegt also nicht im Mind set – sondern in den Ressourcen. Verkürzte Wege Ressourcen wie das schnöde Geld. Der Zugang zur Finanzierung von jungen Unternehmen ist der wohl gravierendste Unterschied, der von der sozialen Herkunft bestimmt ist. Gründer aus Unternehmer

familien erhalten nämlich häufiger (63 %) Risikokapital. Bei Gründern aus Arbeiterfamilien sind das nur 46 Prozent. Und auch der Personal stand hängt davon ab. Während Startups von Gründern aus Unter nehmerfamilien im Schnitt rund 24 Beschäftigte haben, sind in Startups aus Arbeiterfamilien durchschnittlich nur etwa zehn Personen beschäftigt. Netzwer ke, Erfahrung und Vertrauen wir ken in der Investorenwelt eben wie eine Eintrittskarte. Für die Studien autoren sind diese Erkenntnisse weniger eine soziale als eine wirt schaftliche Frage. Es geht um unge

JULIA SCHEERER Senior Project Manager Bertels mann Stiftung

FAMILY BUSINESS: Welche Ausgangsthese hatten Sie für Ihre Studie? Julia Scheerer: Wir sahen nicht nur, dass Ärzte Ärzte „produzieren“ oder Juristen Juristen, sondern eben „Unternehmer produzieren Unternehmer“

nutzte Innovationskraft. Ihre Conclusio: „Wir verschenken erhebliches Potenzial, wenn wir das Thema ‚Startup-Grün dung‘ nicht noch brei ter gesellschaftlich ver ankern.“ Denn, so die Studie, viele potenzielle

auch Unternehmer Unternehmer. Die These lag daher auf der Hand, dass der Gründungs erfolg von der Familienprägung abhängt. Men schen, welche die

Ist es das Narrativ des bösen Kapitalisten, oder ist es jenes von jemandem, der sich selbst ver wirklicht, Arbeitsplätze schafft und Lösungen anbietet?

Gründer kämen erst gar nicht auf die Idee, ein Unternehmen zu star ten – schlicht weil ihnen die Vor bilder fehlen. n

se Prägung nicht haben, sind aber genauso erfolgreich, nur ist deren Weg länger und steiniger. Sie müssen sich Zugänge zu Netzwerken erst erarbeiten. Was kann man aus der Studie für die Gesell schaft ableiten? Wenn wir mehr Gründer haben wollen, müssen wir die Zugangsbarrieren zum Gründungsökosystem her absetzen. Dazu braucht es Role Models, die klar sagen: „Ich habe mir das erarbeitet.“ Das ist eine Aufgabe für die Gesellschaft und den Staat. Gleichzeitig muss sich auch die geldgebende Seite hinterfragen. Grundsätz lich leben wir in einem meritokratischen System. Wer mehr Leistung bringt, verdient mehr. Das halten wir als Gesellschaft aus. Aber was ist, wenn wir spüren, dass sich Leistung nicht mehr lohnt, weil eben Back ground und Co. wichtiger sind? Dann haben wir ein gesellschaftliches Problem. Wir müssen uns fragen, welche Prinzipien wir als Gesellschaft haben. Wie können wir künftig mehr Durchlässigkeit ermögli chen? Nicht durch eine Diskussion über Erbschafts steuern, sondern darüber, wie man durch ehrliche Arbeit zu Wohlstand kommen kann. Es ist viel im Wandel, etwa das Narrativ, das angestellte Beschäfti gung Sicherheit bietet, aber auch das Bild von Unter nehmern, die in der Gesellschaft gezeichnet werden. Ist es das Narrativ des bösen Kapitalisten, oder ist es jenes von jemandem, der sich selbst verwirklicht, Arbeitsplätze schafft und Lösungen anbietet?

Michael Mayr (r.) ist Co-Founder und COO von Silana, einem Startup, das hochinnovative Nähroboter entwickelt. Er stammt aus der Modefamilie Mayr (Fussl Modestraße).

FOTOS: LINKS: SILANA. INTERVIEW: BERTELSMANN STIFTUNG

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