Weekend Family Business Wien 2026 KW16

FINANZEN

Wir sind in der Lage, bei der Herstellung von Kunst eine gewis se Rolle zu spie len. Aber Relevanz funktioniert nur international.

Es ist die Kunst, die reich macht, nicht das Geld. Dennoch könnte keine größere Galerie allein vom österreichi schen Markt leben.

THADDAEUS ROPAC Galerist, Salzburg

URSULA KRINZINGER Galeristin, Wien

Markttrends als in der konsequenten Ent wicklung künstlerischer Positionen über längere Zeiträume“, sagt Schwarzwälder. Etwa auch jener von Maria Lassnig, deren Marktwert durch Retrospektiven gewal tig gestiegen ist. Der Globalisierer Thaddaeus Ropac wiederum wollte zunächst selbst Künstler werden, war Assistent von Joseph Beuys – eine Schlüs selerfahrung. Mit 23 eröffnete er seine Galerie in Salzburg. Knapp fünf Jahrzehn te später betreibt er ein Netzwerk mit Standorten in Paris, London und Seoul – gerade der asiatische Markt boomt. Ropacs Modell ist das des globalen Händ lers: Er folgt den Sammlern, erschließt neue Märkte und vertritt Künstler, deren Werke regelmäßig zweistellige Millionen preise erzielen. Wie eben die „Fat Car“- Skulpturen Erwin Wurms. „Wenn du heute relevant sein willst, musst du inter national präsentieren“, sagt Ropac. Und legt noch eins drauf. „Wir sind in der Lage, bei der Herstellung von Kunst eine gewisse Rolle zu spielen.“ Der Galerist als

ren mit einem radikalen Ansatz: Sie setzte auf Performancekunst, Konzept kunst und … Frauen. Alles Bereiche, die damals kaum verkäuflich waren. Krin zingers Geschäftsmodell waren also per sönliche Überzeugung und langer Atem. „Es ist die Kunst und der Umgang mit ihr, die reich machen, nicht das Geld.“ Aber schon auch ein bisserl. Denn mit der Zeit verschob sich das System und Museen begannen, genau diese Kunstfor men zu sammeln und auszustellen: Heu te profitieren Künstlerinnen wie Marina Abramović von dieser Entwicklung – ihre Werke erzielen sechsstellige Preise, ihre Ausstellungen sind globale Ereignisse. Mit sehr regionalem Motor: Denn Krinzinger arbeitet mit ihrem Sohn Thomas zusam men, er führt Programm und Geschäft strategisch weiter. Ohne dicke Lippe, aber mit einem sanften Lächeln. n

und Kulturarbeit nach Wien und über nahm 1978 die Galerie. Sie steht, wenn man so möchte, für ein Prinzip der insi tutionellen Verankerung. Mantra: Wenn ein Künstler im Museum bleibt, bleibt

Kurzfristige Markt trends? Nein, es geht um Wertkonstanten, um die Entwicklung von langfristigen künstle- rischen Positionen.

Milliarden Dollar setzt der globale Kunstmarkt pro Jahr nach dem Superstar-Prinzip um: Ein Prozent der Künstler macht 40 Prozent des Umsatzes. 65

ROSEMARIE SCHWARZWÄLDER Galeristin, Wien

er auch auf dem Markt. Wie etwa Franz West, dessen Werke heute in Welthäu sern wie dem Museum of Modern Art in New York City oder der Tate Modern in London vertreten sind und Prei se von bis zu fünf Millionen US-Dol lar erreichen. „Die Wertkonstanten unse rer Arbeit liegen weniger in kurzfristigen

Mitgestalter, stark! Die Radikale

„Keine der größeren Galerien könnte allein vom österreichischen Markt leben“, sagt Ursula Krinzinger. Sie grün dete ihre Wiener Galerie vor 55 Jah

FOTOS: ZITAT UNTEN: SIMON CASETTI. ZITAT BILD OBEN: NEUMAYR/CHRISTIAN LEOPOLD/WWW.NEUMAYR.CC, ZITAT OBEN: IRINA GAVRICH

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