Weekend Family Business Wien 2026 KW16

WIRTSCHAFT

Die große Flucht Abwanderung. Firmenlenker verlassen sich nicht mehr auf die Politik und handeln selbst. Sie stellen sich neu auf und investieren im Osten Europas oder in China. Die steigenden Kosten in Österreich lassen sich nicht mehr durch Qualitätsvorteile wettmachen. | TEXT: KLAUS SCHOBESBERGER |

Z

asiatischen Verhältnisse in Deutschland, müssen aber bei Energie, Steuern und Arbeitskosten wieder in eine Richtung gehen, dass sich Unternehmertum und Investitionen in Deutschland lohnen“, gab er dieser Tage dem Hamburger Nachrich tenmagazin „Der Spiegel“ zu Protokoll. Österreich als Negativ-Weltmeister Wels ist in kleinerem Maßstab wie Stutt gart ein wirtschaftlicher Hotspot mit starken Branchen- und Technologiefüh rern, zu denen auch die international tätige Rübig Gruppe zählt. Gegründet 1946, hat sich das Familienunternehmen zu einem Hightech-Zulieferer im Bereich der Luftfahrt-, Automobil-Industrie und Medizintechnik entwickelt. Mit

wischen Stuttgart und Wels liegen rund fünf Fahrstun den mit dem Auto. Den noch kämpfen die Unter

550 Mitarbeitern und einem Jahresum satz von 75 Millionen Euro gehört der Mittelständler zu den großen Playern der Stadt. Jahrzehntelang ging es par allel zur deutschen Automobilindustrie aufwärts. Jetzt heißt es: Rien ne va plus – nichts geht mehr! Der Befund von Fir menchef Bernd Rübig klingt dabei sehr ähnlich wie jener von Ola Källenius: „Wir können bei der Energie nichts mehr aus gleichen, denn Strom ist überall gleich teuer. Die Produktivität pro Kopf sinkt in Österreich seit Jahren, während die Lohnstückkosten massiv ansteigen. Hier sind wir Weltmeister im negativen Sinn. Das lässt sich nicht mehr durch Quali tätsvorteile wettmachen.“ Deindustrialisierung in vollem Gange Die Industrie-Bundesländer Oberös terreich und Steiermark waren von der Energiepreis-Explosion 2022, die fast ganz Europa erfasst hat, besonders stark betroffen. Rübig zählt mit seiner Schmie de- und Härtetechnik am Standort Wels zu den größten Strom- und Gasver brauchern – was die Kosten massiv in die Höhe getrieben hat. Bei bestehen den Verträgen konnte das Unterneh men die gestiegenen Preise nicht wei tergeben und musste daher erhebliche Einbußen hinnehmen. „2021 lagen wir noch bei 39 Euro pro Megawattstunde“, rechnet Rübig vor. „Aktuell sind es je nach Marktlage das Drei- bis Sechsfache. Zwar heißt es oft, Deutschland habe die höchsten Strompreise – doch über das Gesamtjahr betrachtet liegt Österreich um rund 15 Prozent darüber.“ Ähnlich

nehmen dort und hier mit erstaunlich ähnlichen Problemen – auch wenn das eine ein bekannter Weltkonzern und das andere ein echter Hidden Champion ist. Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender von Mercedes-Benz, stemmt sich gegen den Niedergang seines Konzerns, baut not gedrungen in Deutschland Arbeitskräfte ab und in Europas Osten und China auf. Die Gründe: teure Energie und eine der höchsten Arbeitskosten der Welt. „Jahre lang haben wir das mit gesteigerter Pro duktion wettmachen können. Nun sind wir an einen Punkt gekommen, an dem das nicht mehr reicht. Wir wollen keine

Die Aufträge und Arbeitsplätze, die damit ver bunden sind, verlagern sich zunehmend in andere Regionen. Das ist für uns ein schmerz- hafter Prozess.

„Langfristig bleiben wir als Standort nur wettbewerbsfähig, wenn wir bei den Energiekosten mithalten können“, sagt Bernd Rübig, CEO der Rübig Gruppe in Wels.

BERND RÜBIG Geschäftsführer Rübig Gruppe, Wels

FOTO: RÜBIG

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