Weekend Magazin Steiermark 2026 KW27
STEIERMARK INSIDE
Der Engagierte. Michael Sacherer, geboren 1983 in Wien, maturierte 2001 an der HIB Liebenau und promovierte 2009 an der Med Uni Graz. Am dortigen LKH-Univ.-Klinikum absolvierte er seine Ausbildung zum Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie. Neben seiner medizinischen Tätigkeit engagiert er sich stark standespolitisch: Er ist Präsident der Ärztekammer für Steiermark, Finanzreferent der ÖÄK und Betriebsratsvorsitzender.
– was steht ganz oben auf der Hausaufgabe? Sacherer: Auf Bundesebene muss die Primärversorgung in den Kassenordinationen massiv gestärkt werden, um die Spitäler zu entlasten. Verlieren tun wir das Spiel im Spital, aber ge- winnen können wir es nur im niedergelassenen Be reich. Auf Landesebene wie derum muss die Zentrums medizin, also Spitzenmedi zin an großen Standorten wie dem Uniklinikum oder in Leoben, gestärkt wer- den. Komplexe Eingriffe wie Herzklappenoperatio nen müssen auch in der Steiermark auf Top-Niveau stattfinden, damit die Pa tienten dafür nicht nach Wien fahren müssen. V
der Kinder nur drei Tage die Woche eine Kassenstelle, dann muss die ÖGK flexi bler werden. Uns ist ein Kas senarzt an drei Tagen lieber als gar keiner. Zwei Ärzte sollten sich eine Stelle un kompliziert teilen können. Ein weiteres Problem sind überlastete Spitalsambu lanzen. Viele Patienten ge hen wegen Bagatellen ins Krankenhaus statt zum praktischen Arzt. Müsste man den Zugang ohne Überweisung nicht einfach sperren oder eine Ambu lanzgebühr einführen? Sacherer: Als Spitalsarzt sage ich ehrlich: In mancher Hinsicht wäre eine Ambu lanzgebühr zur Lenkung sinnvoll. Aber sie birgt die Gefahr, dass eine echte Zwei-Klassen-Medizin ent steht, weil 50 Euro dem ei nen egal sind, dem anderen aber das Geld fürs Essen fehlt. Ich setze daher voll auf Aufklärung und Patienten bildung. Ein Besuch in der Ambulanz kostet das System im Durchschnitt das Vierfa che eines Hausarztbesuchs. Dabei zeigen Studien, dass 30 bis 60 Prozent der Pa tienten in der Notaufnahme beim Hausarzt gleichwertig oder sogar besser aufgeho
ben wären. Der Hausarzt kennt den Patienten oft über Jahre, während in der Am bulanz jedes Mal ein anderer Arzt steht.
In der Arztpraxis kann sofort die lebensrettende Notfall medikation gespritzt wer den. Dafür sind Ärzte sechs Jahre im Studium und sechs
„Der Hausarzt kennt den Patienten oft über Jahre, während in der Ambulanz jedes Mal ein anderer Arzt steht.“
Michael Sacherer über die Qualität der Primärversorgung
Ein Aufregerthema in der Ärzteschaft ist das Impfen in Apotheken. Warum wehren Sie sich dagegen? Sacherer: Eine Studie aus Norddeutschland zeigt, dass das Impfen in Apotheken kaum einen Effekt hat. Dort ließen sich von 1.000 Perso nen gerade einmal fünf in Apotheken impfen. Es ist also eher eine Nebelgranate. Hinzu kommt die Sicherheit: Impfungen sind extrem si cher, aber wenn es in sehr seltenen Fällen zu einer schweren, akuten allergi schen Reaktion kommt, ver sagt der Kreislauf im Sekun dentakt. Nach drei Minuten ohne Sauerstoff erleidet das Gehirn irreversible Schäden. Bis der Notarzt eintrifft, ver gehen meist zehn Minuten.
Jahre im Spital ausgebildet worden. Das lässt sich nicht durch einen Zwei-Wochen enden-Kurs ersetzen. Zum Schluss: Wenn Sie ei nen dringenden Wunsch an die Politik richten könnten
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FOTOS: CHRIS ZENZ
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