Weekend Style 2026 KW12

E X P E R T E N Statement

würde es noch Jahrzehnte dau ern, bis Gleich stand erreicht ist – bei der Medi anlücke (Median ist der Wert in der Mitte einer Verteilung im

kommen zu niedrig ist, hilft auch das Wissen zu einer rendi testärkeren Ver anlagung kaum.“ Wer die Vermö genslücke ver kleinern will,

Bis

könnte es dauern, ehe Frauen und Männer gleichauf sind. 2090

Gegensatz zum Durchschnitt) sogar bis gegen Ende des Jahrhunderts. Für viele Frauen mit „normalem“ Ein kommen heißt das: Auf bessere Zeiten zu warten ist keine Option. Was zu tun ist. Ein Hebel liegt darin, möglichst früh regelmäßig kleine Beträge zu investieren – etwa über breit gestreute Fonds oder ETFs – und Eigentumsrechte in Partner schaften klar zu regeln. Auch eigene Pensionsansprüche konsequent ein zufordern und finanzielle Transpa renz im Haushalt herzustellen, stärkt die wirtschaftliche Eigenständigkeit. Doch Schürz warnt: „Wenn das Ein

muss deshalb breiter ansetzen: mit guten Jobs, fairen Löhnen, verläss licher Kinderbetreuung und einem starken Sozialstaat. Und letztlich geht es um mehr als bloße Zahlen. „Der Gender-Wealth-Gap ist daher nicht nur eine private Frage, sondern eine Frage gesellschaftlicher Macht verteilung“, sagt Schneebaum. „In Österreich entscheidet Besitz – noch stärker als Einkommen – über Ein fluss, unternehmerische Möglich keiten und die eigene Stellung in der Gesellschaft.“ Wer kein Vermögen aufbauen kann, bleibt langfristig verletzlicher – wirtschaftlich sowie gesellschaftlich. v

MIX AUS MASSNAHMEN

Österreich dürfte zu den Ländern mit einer hohen Vermögensungleichheit zwischen Frauen und Männern gehören. Frauen besitzen in Paar-Haushal ten entlang der gesamten Verteilung weniger Ver mögen als Männer. Viele Menschen kennen die Ein kommensschere – aber beim Vermögen ist der Unterschied noch größer. Erwerbsmerkmale erklären diesen zu einem guten Teil. Es sind Unterschiede im Arbeitseinkommen, in der Ausbildung und den Branchen, welche sich zulasten der Frauen auswirken. Wird Arbeit schlecht entlohnt, können Menschen kaum sparen. Männer sind auch eher als Unternehmer tätig. Notwendig ist ein Mix aus Maßnahmen, um die Lücke zu schließen: Es braucht gute Jobs, einen ausge bauten Sozialstaat und bessere Kinderbetreuung. l Martin Schürz Head of Economic Microdata Lab in der Research-Abteilung Oesterreichische Nationalbank

CARE-ARBEIT. Alleinerzieherinnen tragen ein besonders hohes Armutsrisiko – fehlende Rücklagen verstärken den Gender-Wealth-Gap über Generationen.

FOTOS: SPITZER, PUIU, ISTOCK.COM/KHANCHIT KHIRISUTCHALUAL/PROSTOCK-STUDIO

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