Weekend Magazin Wien Blickpunkt Wien und Umgebung 2025 KW24

WIEN INSIDE

Institution. Die Münze Österreich verarbeitet an ihrem Standort Am Heumarkt 1 jährlich 50 bis 70 Tonnen Gold und 200 bis 700 Tonnen Silber. Etwa 60 bis 70 Prozent des verarbeiteten Goldes stammen aus Recycling, der Rest aus südamerikanischen Minen. Die Münze beschäftigt fünf Künstler, die Münzmotive per Hand in Gipsplatten gravieren. Als weltweite Innova tion wurden hier korrosionsbeständige Kupfermünzen mit Aluminiumoxid-Beschichtung entwickelt. Handels wissenschaftler Gerhard Starsich (64) ist seit Juli 2011 Generaldirektor der Münze Österreich AG.

Gulden und Kronen. Die neue Anlage kann das alles. An einem Tag prägt und verpackt sie Dukaten und dann zwei Tage lang Philharmoniker. Das hat uns sehr geholfen, die Produktion effizienter zu gestalten. Was sind neben der technischen Seite die gesellschaftlichen Themen, die Sie umtreiben? Starsich: Mir bedeuten Leistung und der Zusammenhalt der Gesellschaft sehr viel. Ich finde, in Österreich müssen wir wieder dahin kommen, dass wir sagen: Wenn es uns allen gut gehen soll, dann müssen alle dabei mithelfen. Das geht nicht, wenn sich die Gesellschaft immer weiter spaltet. Und das Thema Bildung ist zuletzt leider stark in den Hinter grund geraten. Dass ein Schüler, eine Schülerin nach der vierten Klasse Volks schule nicht wirklich lesen oder rechnen

konnte – das gab es früher nur in Aus nahmefällen. Das ist heute ganz anders. Die Oesterreichische Nationalbank, un ser Eigentümer, hat sich das Thema fi

sich einfach nicht auskennen. Durch mehr Finanzbildung könnten solche Fehlentscheidungen vermieden werden. Wir empfehlen unseren Kunden zum Beispiel, maximal 10 bis 15 Prozent ihres Vermö gens in Gold anzulegen. Es sollte nur ein Teil eines ausgewogenen Portfolios sein. Was kann die Münze konkret dazu beitragen, die Gesellschaft ein wenig besser zu machen? Starsich: Durch unsere Transparenz in der Kommunikation und Aufklärung über unsere Produkte und Märkte wol len wir die Menschen mündiger ma chen. Statt auf den Staat oder Unter nehmen zu warten, müssen wir wieder mehr Eigeninitiative und Leistungsbe reitschaft in der Gesellschaft fördern. Nur so können wir gemeinsam die He rausforderungen meistern. Was mich am meisten an der Münze fasziniert …? Starsich: … ist dieses Zusammenspiel zwi schen Hightech und Tradition. Den Be trieb gibt es seit seiner Gründung durch die Babenberger im Jahr 1194. Heute sind wir wahrscheinlich die modernste Münz stätte der Welt. Das ist ein interessantes Spannungsfeld. V Der Klassiker Wiener Philharmoni ker aus einer Unze (31,1035 Gramm) Feingold ist eine der begehrtesten Anlagemünzen weltweit.

„Wenn es uns allen gut gehen soll, dann müssen auch wirklich alle dabei mithelfen.“ Gerhard Starsich ruft zu Solidarität auf.

nanzielle Bildung ganz besonders auf die Fahnen geheftet. Ich halte das persönlich für sehr wichtig – nicht nur für unser Geschäft, sondern generell. Warum ist gerade finanzielles Wissen so wichtig? Starsich: Viele Menschen lassen sich auf windige Finanzangebote ein, weil sie

FOTOS: MÜNZE ÖSTERREICH

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