Weekend Magazin Wien 2026 KW09
SOCIETY
Stellen Sie sich abschlie ßend bitte vor, wir schrei ben das Jahr 2040. Was könnte Thema Ihres neuen Bestsellers sein? Elsberg: (lacht) Wenn ich das wüsste, wäre ich sehr reich! KI wohl nicht, das wird Alltag sein. Ich denke, Umweltthe matiken werden die Mensch heit noch massiv beschäfti gen. Ob Klimaaspekte oder Artensterben, das wird so viel mehr an Wucht und Dynamik gewinnen, dass man nicht daran vorbeikommt. Genauso wie gesellschaftliche Un gleichheiten. Und in 150 Jah ren müssen wir uns womög lich mit dem Rückgang der Menschheit beschäftigen. Das klingt nach Stoff für einen Elsberg-Thriller … Elsberg: Wir wissen bereits, dass China bis Ende des Jahr hunderts seine Bevölkerung halbieren wird, sofern nicht unvorhergesehene Wunder geschehen. Europa wird bis dahin auch stark schrumpfen, ohne Einwanderung um etwa ein Drittel. Danach wird nach heutigen Berechnungen die gesamte Weltbevölkerung massiv schrumpfen. Da sind wir dann bei Science-Fiction, und das schreibe ich ja nicht (grinst). V Marc Elsberg. Der gebürtige Wiener (59) zählt zu den erfolgreichs ten Bestsellerautoren Österreichs. Sein Spezial gebiet: Science-Thriller und Dystopien. Internatio nal bekannt wurde Elsberg mit „Blackout“ (2012), seither schrieb er sechs weitere Bücher.
Nutzen Sie KI beim Schreiben Ihrer Bücher? Elsberg: Beim Schreiben nicht, da KI erstaunlicher
es gäbe noch unzählige wei tere Beispiele. Die Frage ist nur, wann Kipppunkte im großen Maß erreicht werden und zu einer globalen Bedro hung werden. Man könnte meinen, der Menschen hat einen Hang zur Selbstzerstörung … Elsberg: Das glaube ich nicht. Manchmal sind es einfach auch blöde Zufälle, bei denen man die Auswirkungen noch nicht kennt. Dennoch haben wir mittlerweile kein Wis sens-, sondern ein Kommu nikationsproblem. Das Wis sen haben wir seit Jahrzehn ten, wir wollen es aber nicht wissen und sind zu bequem, um anders zu handeln. In Zeiten von Social Media, in denen jeder seine eigene Sichtweise ständig bestätigt bekommt, wird das noch schwieriger. Ausreden zu fin den ist oft leichter, als Aus wege zu gehen. Deshalb ist die Hauptfigur in Eden auch jemand, der mit Kommuni kation zu tun hat. In Eden spielt künstliche Intelligenz eine Rolle. Wie stehen Sie persönlich dazu – Fluch oder Segen? Elsberg: Beides, es kommt da rauf an, wie wir damit umge
hen. Momentan wird KI oft zu unkritisch gehypt, und wir laufen Gefahr, dass sie ähn lich wie das Internet zur
„Wir sind der Asteroid, und wenn wir nicht aufpassen, dann werden wir auch die Dinosaurier.“ Marc Elsberg über die Rolle des Menschen in der Natur
weise noch immer nicht strukturieren kann. Bei län geren Texten liefert sie nur Mittelmaß, vergisst Details und verliert den Faden. Ich müsste fünfmal drüberge hen, das ist nicht effizient. Ich nutze KI zur Recherche, da beschleunigt sie wirklich einiges, oder als Sparrings partner, um meine eigenen Gedanken zu präzisieren. Ich könnte ChatGPT also keinen echten „Elsberg“ verfassen lassen? Elsberg: Sie können es ja pro bieren, funktioniert nicht. Zum Glück für mich! Kürzere Texte wie E-Mails oder Artikel kann es scheinbar ganz gut. Bei langen Texten bekommt es die Komplexität aber noch nicht hin. Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis wir Autoren überflüssig werden.
Machtkonzentration in den Händen weniger führt, die das dann auch missbrauchen können. Wir müssen uns fra gen, wie wir diese Technolo gie regulieren und mit neuen Infrastrukturen umgehen.
FOTOS: LUKAS ILGNER
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