Weekend Magazin Wien 2026 KW06

HOFFNUNGEN FÜR ÖSTERREICH

Annemarie Moser-Pröll und Franz Klammer. Früher hatten Sportler eine identitätsstiftende Funktion für Österreich als Land. Das ist heute kein Thema mehr.

wurde 1968 von einer zwei felhaften Zeitnehmung der Olympiasieg entrissen und 1972 wurde er wegen eines minimalen Verstoßes gegen das Amateurstatut ausge schlossen – das waren echte Staatsaffären. So ist auch zu erklären, dass Franz Klam mers Triumph in Innsbruck 1976 ein zentrales rot-weiß rotes Ereignis weit über den Sport hinaus war. Diese Stell vertreterfunktion ist mit der Zeit verloren gegangen. Zersplitterung Damals gab es eine einzige, für alle gültige Öffentlichkeit: zwei TV-Sender, drei Radio sender, ein paar Zeitungen. Aber kein Internet und kein Social Media, wo jede noch so kleine Bubble ihre eigenen Stars hat. „Die meisten mei ner Studenten haben gar kei nen Fernseher“, so Marschik, der an der Universität Wien lehrt, „und Sportler vermark ten sich seit 20 Jahren ver mehrt selbst.“ In der Zeit von Sailer und Schranz war das Privatleben tabu, danach wurden etwa der stets ju gendhafte Bauernsohn Andi Goldberger oder der erdige Seriensieger Hermann Maier als Persönlichkeiten präsen tiert, nicht nur als Sportler. Selbst wer sich nicht dafür interessierte, kannte sie. Das galt auch für ausländische Sportler wie Tennis-Para

Anna Gasser. Die Big-Air- Olympiasiegerin von 2018 und 2022 geht in Livigno auf den Olympia-Hattrick los, den noch niemand aus Österreich geschafft hat.

Aufmerksamkeit, daher wer den sie aufgebauscht. Wie in der Politik, wenn vor Wahlen selbst ein großer Abstand in Umfragen als Kopf-an-Kopf Rennen verkauft wird.“ Inflation Und, um auf Olympia zurück zukommen: Als sich Franz Klammer vor 50 Jahren ver goldete, gab es 37 Medaillen entscheidungen. Heuer sind es 116! Weil jede Sportart mit noch mehr Disziplinen um Sendezeit buhlt, bleibt für jede einzelne immer weniger Raum für Sichtbarkeit – und Raum für echte Stars. V

diesvogel Andre Agassi oder Ski-Showman Alberto Tom ba. „Wer etwas Außerge wöhnliches zu bieten hat, bleibt länger im Gedächtnis“, erklärt Matthias Marschik. Dasselbe Phänomen betrifft auch Popstars oder Schau spieler. Und zwar weltweit. Rivalitäten Eine Ausnahme gibt es aber: Duelle zweier Sportgrößen auf Augenhöhe! Messi gegen Ronaldo, Nadal gegen Djoko vic, Hamilton gegen Verstap pen – für Marschik hat das auch mit Medienlogik zu tun: „Solche Zweikämpfe bringen

Julia Scheib. Die Riesensla- lom-Seriensiegerin dieses Winters ist die größte Me daillenhoffnung bei den ÖSV-Alpinen. Oder viel leicht sogar die einzige …

ANZAHL DER olympischen Bewerbe

Stefan Kraft. Seit 12 Jahren Weltklasse, Allzeitrekord an Weltcuppunkten: Kraft ist in Predazzo ein Medaillenkan didat – und ein netter Typ, der nicht polarisiert.

2026

1976

Biathlon Bob/Rodeln Curling Eiskunstlauf Eishockey Eisschnellauf Short Track Ski Alpin Skibergsteigen Ski Freestyle Ski Nordisch Snowboard

11 12

2 5 – 4 1 9 – 6

3 5 2 14 9 10 3 15

Andi Goldberger. Weniger als die Hälfte von Krafts Siegen, „nur“ vier Jahre an der abso luten Spitze – aber Goldi war als ewig junger Lausbub und Partylöwe eine echte Kultfigur.

– – 10 – 37

21 11

116

FOTOS: ICONS: DILEN_UA/ISTOCK/GETTY IMAGES, STEFAN KRAFT: IMAGO/TT/FREDRIK SANDBERG, ANDI GOLDBERGER: GEPA PICTURES/ERICH SPIESS, KLAMMER/PRÖLL: GEPA PICTURES/HELMUT FOHRINGER, JULIA SCHEIB: GEPA PICTURES / CHRISTIAN MOSER, ANNS GASSER: RED BULL CONTENT POOL/MARKUS BERGER

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