Weekend Magazin Wien 2025 KW47
INTERVIEW
Schönen Guten Abend. In seinem erst dritten Solopro gramm antwortet Florian Scheuba mit viel Witz auf die Wahnsinnig keiten der Gegenwart. Für ihn bleibt das „Lachen die beste Form der Notwehr“. Dazu holt er aktuelle wie bereits verblichene Figuren aus dem Politbetrieb zu sich ins Scheinwerferlicht. Termine unter www.florianscheuba.com
Wo erreichen Ihre Botschaften noch am besten das Publikum? Scheuba: Auf der Bühne. Da gelingt es am unmittelbarsten. Das Medium Fern sehen funktioniert längst nicht mehr als gemeinsamer Nenner, Podcasts sind fein, aber allein die Bretter bleiben letzter Ort bedingungsloser Freiheit. Erleben Sie auch Hoffnung? Scheuba: Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin kein Pessimist: Ich begegne selbst verständlich auch klugen und engagierten jungen Menschen. Dass die alle nur noch TikTok schauen und nichts in der Birne haben, ist einfach nicht wahr. Auch der Ruck, der endlich durch die politische Landschaft gegangen ist, freut mich. Kor ruptionsaffären werden juristisch aufge arbeitet, Transparenz rückt vor. Langsam und sehr mühsam, aber es passiert wirk lich. Wenn wir alle wachsam bleiben. Weiterer Bühnenstoff ist wohl vor- programmiert. Scheuba: Davon gehe ich fix aus: Ich will auch mit „60 plus“ royale Modenschau be treiben: Wenn keiner mehr schreit, dass der Kaiser nackt ist – freut sich nur der Kaiser. Und alles bleibt beim Alten. V
heißt es: „Kein Bier für die anderen“ – und dann machen sie das Bier teurer. Dieses Denken zersetzt Solidarität. Ich versuche
Scheuba: Die digitalen Warlords sind am Ruder, beschleunigen und belohnen Em pörung. Reichweite ersetzt Recherche. Für klassische Medien ist das ökono misch verheerend, für die Debattenkultur toxisch. Deshalb plädiere ich für Medien kompetenz als Schulfach. Man muss Quellen prüfen lernen – Satire inklusive, weil auch sie missbraucht wird, um Lü gen im Nachhinein zu tarnen. Wobei die Brandstifter auch immer gewissenloser werden. Sie sagen, der Populismus alter Schule sei in seine sadistische Variante ge- kippt. Haben Sie ein Beispiel für mich? Scheuba: Früher versprachen die klassi schen Populisten „Freibier für alle“, heute
„Früher versprachen die klassischen Popu listen ‚Freibier für alle‘, heute heißt es:
‚Kein Bier für die anderen!‘“
Scheuba über Sado-Populismus
dagegenzuhalten, indem ich aufzeige, wel che kleine Klientel von der Spaltung pro fitiert und wie der große Rest verliert.
Sucht wieder die Nähe zu seinem Publikum: Florian Scheuba nimmt erneut den satirischen Kampf mit Autoritäten auf.
FOTOS: CHRISTIAN HEREDIA, MARIJA KANIZAJ
WEEKEND MAGAZIN | 59
Made with FlippingBook Digital Proposal Maker