Weekend Magazin Wien 2025 KW47
WIEN INSIDE
Eine runde Sache. Im Oktober hat der Gemeinderat die Kreislauf wirtschafts-Strategie verabschie det: Darin sind 33 Maßnahmen definiert – vom Bauen über die Beschaffung bis zur Gesundheit. Stadtrat Jürgen Czernohorszky: „Wir setzen die Hebel an.“ Aus guten Vorsätzen sollen messbare Ergebnisse werden. Viele Firmen fürchten dennoch, dass Mehrkosten auf sie zukommen. Czernohorszky: Mit der nun im Gemein derat beschlossenen Strategie schaffen wir ganz im Gegenteil Sicherheit – in Planungs- wie Finanzierungsfragen. Und das über mehrere Regierungsperioden hinweg. Wenn jetzt klar ist, dass reparier bare, rückbaubare und energiearme Lö sungen gefragt sind, rechnet sich die In vestition. Kreislaufwirtschaft stabilisiert Lieferketten, reduziert Materialrisiken und eröffnet neue Geschäftsmodelle, die sich auf Wartung, Sharing, Aufbereitung spezialisieren. Wien ist hier stark: Wir kümmern uns als einzige Millionenstadt selbst um den gesamten Abfallkreislauf. Allein dieses Know-how von Biogas bis Hochleistungsrecycling bringt Innova
auf eine bewährte Kombination, nämlich Angebote und Anreize. Und: Kreislauf wirtschaft muss nicht kompliziert sein. Reparaturboni, Leih- und Tauschmodelle, gut sichtbare Sammel- und Rückgabesys teme sind die nutzerfreundliche Basis. Wir möchten konkrete Vorteile im Alltag aufzeigen, vom gesparten Euro bis zum komfortableren Service. Wichtig ist, wie schon erwähnt, das Vorbild der Stadt: Wenn Wien bei Möbeln, IT oder Leuch ten auf langlebige Systeme setzt – Stich wort „Wiener Leuchte“ mit austauschba ren Modulen –, versteht man sofort, was Kreislauf heißt. Das hat auch eine gesell schaftspolitische Dimension: Wir wollen, dass die Wienerinnen und Wiener den Wert der Dinge neu entdecken. Das stärkt auch die Brieftasche.
„Die Kreislaufwirt schaft schafft neue Werte und bringt auch mehr Wertschätzung füreinander.“ Czernohorszky: Wir werden den Mate rialfußabdruck halbiert haben, bauen um statt ab, nutzen Energie und Stoffe mehrfach und stärken mit jedem öf fentlichen Euro regionale Betriebe. Das Ergebnis: eine höhere Lebensqualität, eine robustere Wirtschaft und weniger Abhängigkeit. In welchem Bereich sind Sie privat schon bereit für Veränderungen – und wo tun Sie sich noch schwer? Czernohorszky: Ich liebe es, beim Kochen aus Resten Neues zu machen. Schwerer tue ich mir bei Kleidungsreparaturen (lä chelt) – da lerne ich noch. Was gut funk tioniert, sind Tauschgemeinschaften im Familien- und Freundeskreis. V Jürgen Czernohorszky über Mehrwert tion, Aufträge und Green Jobs – und wird international nachgefragt. Wenn alles nach Plan aufgeht: Wie sieht Wien dann in 15 Jahren aus?
Rudolf Grüner (links) und Weekend Wien-Geschäftsführer Richard Mauer lechner im Gespräch mit dem Stadtrat.
FOTOS: ALEXANDER FELTEN
WEEKEND MAGAZIN | 15
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