Weekend Magazin Tirol 2026 KW09

STORYS

Oscar-Indikator: Die großen Abräumer der Golden Globes. Mehr auf weekend.at/ gewinner-globes

TIMOTHÉE CHALAMET Reif für den Oscar

In der Verfassung gibt es Posten, für die eine politisch gesteuerte Beset zung explizit vor gesehen ist. Peter Filzmaier Politikwissenschaftler

STARPORTRÄT. Der Hollywood-Prinz, der König werden will. Kein Schauspieler war mit 30 Jahren öfter für einen Oscar als bester Hauptdarsteller nominiert als Timothée Chalamet. Ob am 15. März endlich die Krönung folgt? Von S. Eder

W enn in Hollywood über die diesjäh rigen Oscarpreis träger spekuliert wird, fällt ein Name besonders häufig: Timothée Chalamet. Spätes tens seit dem Gewinn des Golden Globes gilt der

30-Jährige als Favorit in der Kategorie „Bester Hauptdar steller“. Sein größter Konkur rent? Ausgerechnet Leonardo DiCaprio. Seit Jahren wird der Shootingstar der Branche mit der 51-jährigen Film größe verglichen. Was neben dem Frauenschwarm-Image vor allem am ähnlichen Wer degang liegt. Beide schafften mit starken Charakterdarstel lungen in jungen Jahren den Durchbruch. Chalamet war 2018 mit gerade erst 22 Jah ren erstmals für den Aca demy Award nominiert. So sehr ihm die Verglei

met bestimmt verzichten: Sein diesjähriger Konkurrent brauchte vier Nominierun gen, bis er 2016 den ersten und bislang einzigen Oscar als Hauptdarsteller erhielt. Timmy ging im Vorjahr zum zweiten Mal leer aus – und hofft, am 15. März nun end lich seinen Namen zu hören, wenn es heißt: „The Oscar goes to …“ Ambitionierte Ziele Dass er zu den Großen der Filmbranche zählen möch te, war dem Lockenkopf früh klar. Als Sohn einer Broadwaytänzerin, Neffe eines Filmemachers und Enkel eines Drehbuchautors wurde ihm das Rampen

licht-Gen quasi in die Wie ge gelegt. Sein Karriereweg verlief klassisch: Schulthea ter, Off-Bühnen, kurze Auf tritte in TV-Serien. 2014 spielt er den ersten Kinofilm (Interstellar). Der Film, der alles verändert hat Seine Rolle als sensibler Elio Perlman in „Call Me By Your Name“ (2017) brachte schließlich den Durchbruch. Seither reißen sich die Filme macher um das junge Talent, Kritiker überschlagen sich mit Lob. Doch Auszeichnun gen? Bis 2026 Fehlanzeige. Ein Fakt, der den New Yorker extrem wurmen dürfte. Im merhin gilt er als einer der ehrgeizigsten Schauspieler seiner Generation, lernte für seine Rollen unter anderem Italienisch und Mundharmo nika. Zur Vorbereitung auf den aktuellen Oscaranwärter „Marty Supreme“ trug er über Wochen Kontaktlinsen, die sein Sehvermögen ein schränkten. Im Film kämpft er als talentierter Tischtennis spieler um den Aufstieg in den Sportolymp. Eine Rolle, die er vielleicht gerade des halb so überzeugend spielt, weil der Kampf um Anerken nung auch sein eigener ist. V

Enormer Aufwand Gleichzeitig betont Ennser-­ Jedenastik, dass nicht alle Details erforscht sind. In vie len anderen Bereichen – etwa Schulen, Justiz oder Po lizei – gibt es bislang keine vergleichbaren Untersuchun gen. Ein Grund dafür sei der enorme Rechercheaufwand: Tausende Lebensläufe müss ten geprüft, frühere Funk tionen rekonstruiert und parteipolitische Verbindun gen nachvollzogen werden. Auch informelle Netzwerke, persönliche Empfehlungen oder interne Entscheidungs

„lebenslang“ binden, als Mit glied bei den Naturfreunden oder dem Alpenverein wer den Netzwerke gesponnen, die sich im Laufe des Lebens auszahlen werden. Für Poli tikwissenschaftler Peter Filz maier muss man beim The ma Postenbesetzung diffe renzieren: „In der Verfassung gibt es Posten, für die eine politisch gesteuerte Beset zung explizit vorgesehen ist – etwa bei dem Präsidenten des Verfassungsgerichtsho fes. Bei anderen Postenver gaben ist eine politische Ein flussnahme problematisch, wenn auch nicht per se un demokratisch. Schließlich re präsentieren Interessenver tretungen auch einen Teil der Bevölkerung.“ Starker Einfluss Nach einer Untersuchung von Universitätsprofessor Laurenz Ennser-Jedenastik lassen sich parteipolitische Muster besonders in staats nahen Unternehmen beob achten. Ennser-Jedenastik hat untersucht, wie die Be setzung von Aufsichtsräten

prozesse spielten dabei oft eine Rolle und seien nur schwer transparent zu ma chen. Für einzelne Projekte sei das möglich, flächende ckend aber kaum zu realisie ren, zumal dafür Zeit und Personal in erheblichem Aus maß notwendig wären. Subtile Werbung Das in Österreich vorhande ne Netzwerk der Macht zahlt sich am Ende meist aus: Denn wer es einmal nach oben geschafft hat, der zeigt sich häufig „dankbar“. Sei es bei einem Auftritt im TV, bei einem Zeitungsin terview oder bei einer inter nationalen Konferenz – mit Argumenten, mögen sie stimmen oder nicht, wird Werbung für die eigene Sa che, die eigenen Interessen gemacht. Oft geschieht das subtil, zwischen den Zeilen, durch gezielte Platzierungen und wohlwollende Formu lierungen. Persönliche Kon takte und strategische Alli anzen verstärken diesen Ef fekt zusätzlich und sichern Einfluss. V

und Geschäftsführungen in bundeseigenen Kapitalgesell schaften funktioniert. Das zentrale Ergebnis: „Die Re gierungsbeteiligung im Bund hat einen deutlichen Einfluss darauf, wie stark parteinahe Personen in diesen Gremien vertreten sind“, erklärt Enn ser-Jedenastik. Besonders sichtbar wird dieses Muster bei Regierungswechseln: Verlässt eine Partei die Re gierung, sinkt der Anteil ihr nahestehender Personen in entsprechenden Funktionen. Kommt eine neue Partei hin zu, steigt dieser Anteil.

che mit DiCaprio schmeicheln: Auf eine Parallele möchte Chala

FOTO: VINCENZO LANDI/IPA/ABACAPRESS.COM/VIENNAREPORT

n Geboren wurde Timothée am 27. Dezember 1995 in New York City. n Dank seines Vaters besitzt er auch die französische Staatsbürgerschaft. n Seit April 2023 ist er mit Reality-TV Star Kylie Jenner liiert. Zuvor war er mit den Töchtern von Madonna und Johnny Depp zusammen. n Mit seinen mutigen, extravaganten Outfits zieht er am roten Teppich die Blicke auf sich. Kurz vorgestellt

25.000 LOBBYISTEN EINFLUSSNAHME. Zwar ist das Lobbying großer Konzerne in Österreich nicht mit jenem System vergleichbar, das in den USA betrieben wird. Dort geben Unternehmen jährlich mehrere Milliarden Dol lar für politische Einflussnahme aus. Einflussnahme auf politische Entscheidungen durch die Wirtschaft ist auch innerhalb der EU längst zur Normalität ge worden. Allein in Brüssel sind laut Schätzungen rund 25.000 Lobbyisten tätig. Damit zählt die EU-Haupt stadt zu den weltweit wichtigsten Zentren politi scher Interessenvertretung.

FOTO: LEFTERIS_/ISTOCK/GETTY IMAGES; FFILZMAIER:„A&W“

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