Weekend Magazin Steiermark Leibnitz 2026 KW17
STEIERMARK INSIDE
Engagiert. Alexandra Fuchsbichler ist Pharmazeutin und seit vielen Jahren in der steirischen Apothekenlandschaft tätig. Neben ihrer Arbeit als selbstständige Apothekerin engagiert sie sich in der Standespolitik und wurde 2023 als erste Frau zur Präsidentin der steirischen Apothekerkammer gewählt. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf Prävention und Weiterentwicklung der Apotheken als Gesundheitsdienstleister.
Fuchsbichler: Die Situation hat sich deutlich entspannt. Es gibt zwar immer wieder Engpässe bei einzelnen Prä paraten, aber wir haben in den letzten Jahren gelernt, sehr gut damit umzugehen. Ich bin überzeugt, dass heute niemand unversorgt eine Apotheke verlassen muss. Wie kann es grundsätzlich zu Engpässen kommen? Fuchsbichler: Die Ursachen sind vielfältig, reichen von saisonalen Schwankungen bis hin zu globalen Lieferket tenproblemen. Viele Medika mente werden sehr kosten günstig angeboten, was die Produktion in Europa weni ger attraktiv gemacht hat. Jetzt wird aber wieder stärker gegengesteuert, etwa durch Rückverlagerung von Pro Fuchsbichler: Enorm. Früher gab es kaum zusätzliche Dienstleistungen. Heute messen wir Blutdruck, bieten Tests an und haben während der Pandemie viele neue Auf gaben übernommen. Apo theken sind längst mehr als reine Ausgabestellen für Me dikamente. Sie sind vielmehr duktionskapazitäten. Hat sich die Rolle der Apotheken in den letzten Jahrzehnten verändert?
wichtige Gesundheitsdienst leister und oft erste Anlauf stelle. Dennoch gibt es Spannun gen mit der Ärzteschaft, etwa beim Thema Impfen. Fuchsbichler: Ich halte diese Gegnerschaft für nicht ziel führend. Beide Berufsgrup pen verfolgen dasselbe Ziel, nämlich die bestmögliche Versorgung der Patienten. Gerade angesichts überlaste ter Arztpraxen wäre ein Mit einander sinnvoll. In vielen
Ländern funktioniert das be reits sehr gut und bringt Vor teile für alle Beteiligten. Welche Rolle können Apo theken konkret beim Impfen spielen? Fuchsbichler: Eine sehr wich tige. Es geht nicht darum, Ärzten etwas wegzunehmen, sondern den Zugang zu er leichtern. Viele Menschen scheitern nicht an der Imp fung selbst, sondern an der Hürde, überhaupt einen Ter min zu bekommen. Wenn sie
in die Apotheke kommen, beraten werden und sich dann direkt vor Ort impfen lassen können, senkt das die se Schwelle enorm. Internati onale Beispiele zeigen, dass dadurch die Durchimpfungs rate steigt. Letztlich profitie ren alle davon, denn weniger Erkrankungen bedeuten we niger Belastung für das ge samte Gesundheitssystem. Wie sehen Sie die Zukunft des Apothekerstandes? Fuchsbichler: Ich bin über zeugt, dass Apotheken noch stärker in die Gesundheits versorgung eingebunden werden, etwa durch Teleme dizin oder unterstützende Diagnostik. Gerade im länd lichen Raum können wir eine wichtige Rolle spielen und Versorgungslücken schlie ßen. Gibt es genug Nachwuchs für die Apotheken? Fuchsbichler: Grundsätzlich ja. Viele junge Menschen stu dieren Pharmazie. Allerdings gibt es einzelne Standorte, die schwer Nachfolger fin den, oft aus strukturellen Gründen. Gleichzeitig sehen wir aber auch sehr erfolgrei che Betriebe, die sich breit aufstellen und innovative Wege gehen. V
„Viele Menschen scheitern nicht an der Impfung selbst, sondern an der Hürde, überhaupt einen Termin zu bekommen.“
Alexandra Fuchsbichler über Impfen in Apotheken
FOTOS: CHRIS ZENZ
WEEKEND MAGAZIN | 9
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