Weekend Magazin Steiermark 2025 KW37
URS HARNIK Publikum statt Arroganz
HERZBLUT. Seit 2019 führt Urs Harnik mit Stefan Moser die Komödie Graz mit einer Auslastung von 94 Prozent. Im Gespräch erzählt er von Leichtigkeit als Haltung, prominenten Gästen und der Kunst, Theater neu zu denken. Von Robert Eichenauer D u hast mehrere berufliche Hüte auf. Wie kam es dazu, dass einer nun auf dem Garderobenständer einer Theater bühne hängt?
Bühnenmensch. Urs Harnik ist verheiratet und Vater zweier erwach sener Kinder. An der Seite von Stefan Moser hat er die Komödie Graz zu dem gemacht, was sie heute ist: eine Bühne, die sich der Kunst des Humors verschrieben hat. Mehr als 30.000 Besucher pro Jahr und eine Auslastung von 94 Prozent unter streichen das.
Harnik: Ich stehe seit meinem zwölften Lebensjahr auf der Bühne. Diese Leiden schaft hat mich nie losgelassen. 2019 ha ben wir gesagt: Wir gründen ein Thea ter, das im besten Sinn des Wortes un terhält. Uns ging es darum, dem grauen Alltag etwas entgegenzusetzen. In der klassischen Hochkultur wird oft das Kri tische, Zerstörerische betont. Wie würdest du heute die Identität der Komödie Graz beschreiben? Harnik: Unser Motto lautet: Wir widmen unser Herzblut einem Genre, das Leich tigkeit ernst nimmt. Leichtigkeit heißt nicht Belustigung oder Oberflächlich keit, sondern Ermutigung. Es gelingt euch immer wieder, große Namen wie Max Simonischek, Christoph Grissemann, Erwin Stein hauer oder Wencke Myhre zu enga gieren. Wie ist das möglich? Harnik: Wir haben uns im deutschspra chigen Raum einen guten Namen erar beitet. Das spricht sich herum. Wir be handeln Künstler wertschätzend – das ist nicht selbstverständlich. Inzwischen ist die Komödie Graz auch Bühne für Kabarett und Mu sik. Entfernt ihr euch damit nicht vom Theater? Harnik: Im Gegenteil. Es ist eine be wusste Strategie, ein Cross-over-Projekt.
Wird Kultur in Österreich über- oder unterfördert? Harnik: Kulturförderung ist elementar. Aber man sollte mehr das konkrete Tun fördern und weniger Selbstfin dungsprozesse oder Overhead-Struk turen. Oft wird am Publikum vorbei gearbeitet. Wir treten in gewisser Weise auch gegen die Arroganz des Kulturbetriebs an. Wohin soll sich die Komödie Graz entwickeln? Harnik: Wir wollen Kooperationen mit anderen Häusern verstärken. Außer dem möchten wir unsere Position im deutschsprachigen Raum ausbauen. Besucher aus Deutschland reisen be reits an. Unsere Kleinheit ist dabei ein Vorteil – sie macht uns flexibel und nahbar. V WEEKEND MAGAZIN | 15
Theater, Kabarett und Musik befruchten einander. Dadurch erreichen wir auch unterschiedliche Publikumsgruppen. Wie schwer ist es, ein Theater dieser Größe kommerziell zu führen? Harnik: Der öffentliche Zuschuss liegt bei weniger als einem Euro pro verkaufte Karte. Bei anderen Theatern sind es meh rere Hundert. Unser Projekt funktioniert durch Herzblut und Begeisterung. „Man sollte mehr das konkrete Tun fördern und weniger Selbst- findungsprozesse oder Overhead-Strukturen.“ Urs Harnik über Kulturförderung in Österreich
FOTO: KOMÖDIE GRAZ
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