Weekend Magazin Salzburg 2025 KW42
ALLTAGSHELDEN
WOLFGANG FÜRWEGER „Verwalten allein reicht nicht“ NEUER SOZIALLANDESRAT. Zwei Jahrzehnte lang war er als Journalist tätig, danach zeichnete er für die Unternehmenskommunikation der Salzburger Landeskliniken (SALK) verantwortlich. Seit 1. Oktober gestaltet Wolfgang Fürweger nun die Politik aktiv mit. Von Simone Reitmeier G ab es für Sie ein prägendes Erleb nis, um den Sprung in die Politik zu wagen? „Dort, wo es sinnvoll ist, sollen Men schen betreut werden – und das ist meistens in ihrem gewohnten Umfeld.“ Wolfgang Fürweger über das Sozialwesen
Fürweger: An erster Stelle steht Wertschätzung. Der Beruf muss attraktiver wer den – und das beginnt be reits bei den Berufsbezeich nungen. Niemand käme auf die Idee, einen Tischler le benslang als Assistent zu ti tulieren. Wertschätzung ist die neue Währung im Sozia len. Daneben geht es um bes sere Rahmenbedingungen und um Karrierewege, die Entwicklung und Aufstieg er möglichen. Blick in die Zukunft: Wor an soll man am Ende Ih rer Amtszeit erkennen, dass Sie ein erfolgreicher Soziallandesrat waren? Fürweger: Wenn es gelingt, dass Menschen länger zu Hause gut betreut werden können, dass Pflegeberufe an Attraktivität gewonnen ha ben und dass kein Kind am Beginn seines Lebens durchs Raster fällt, dann habe ich meine Aufgabe erfüllt. V
Fürweger: Ja. Mit meiner ers ten Ehefrau habe ich Krisen pflege gemacht und Babys in ihren ersten Tagen und Wo chen betreut. Das erste Kind war nur wenige Tage alt, als wir es von der Geburtensta tion abgeholt haben. Diese Erfahrung hat mich tief be wegt und geprägt. Sie hat mir gezeigt, dass Soziales und Gesundheit nicht zu trennen sind und dass die Unterstüt zung am Beginn des Lebens entscheidend ist. Wo sehen Sie aktuell die dringendsten Bau stellen in der Sozial politik Salzburgs? Fürweger: Das größte Thema ist die Sicherung des Sozialwesens für die Zukunft. Wir müssen das System so gestalten, dass wir den heutigen Stan dard auch in 15 Jahren noch
Werden Sie den Sparkurs in Ihrem Ressort fortset zen oder haben Sie andere Visionen? Werden Sie eher verwalten oder gestalten? Fürweger: Verwalten allein reicht nicht. Mein Anspruch ist es, aktiv zu gestalten. Na türlich müssen wir sorgsam mit den Mitteln umgehen, aber der Fokus liegt auf klu gen Investitionen in Zu kunftsbereiche: Digitalisie rung, ambulante Versorgung, Early Life Care. Es geht dar um, Strukturen zu schaffen, die langfristig funktionieren und finanzierbar bleiben. Mit welchen Maßnahmen werden Sie dem Personal mangel im Pflegebereich entgegenwirken?
gewährleisten können. Die Strategie lautet: digital vor ambulant vor stationär. Das bedeutet, dass wir die Versor gung so weit wie möglich nach Hause bringen, mit Un terstützung durch digitale Lö sungen und den Ausbau von ambulanten Strukturen.
Zielstrebig. Wolfgang Fürweger (FPÖ) ist 1971 in Wels geboren und studierte in Salzburg Politikwissenschaft, Publizistik und Russisch. Der Wahl-Salzburger hat drei Töchter und ist außerdem Milizoffizier beim Österreichischen Bundesheer.
FOTO: DOM KAMPER
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