Weekend Magazin Oberösterreich 2025 KW42

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INTERVIEW

SCHAUSPIELER SIMON SCHWARZ „Geht’s noch?“ MUT ZUM AUFSTAND. Simon Schwarz ist von Österreichs Bühnen und Bildschirmen nicht mehr wegzudenken. Mit seinem ersten Buch „Geht’s noch?“ will der 54-Jährige Gräben zuschütten. Von Marcel Toifl

B ühne, Podcast, Kabarett: War um jetzt auch noch ein Buch? Schwarz: Das ist tatsächlich eher Zufall gewesen und aus dem Podcast mit Manuel Rubey entstanden. Ich finde, es gibt ja wirklich genug Schauspieler und Kabarettisten, die eine Biografie schrei ben, und wenn sie keine schreiben, dann Koch- oder Yogabücher. Wenn jemand wie Philipp Hochmair narzisstisch über sich selbst schreiben will, ist das sein gu tes Recht. Mein Anliegen ist einfach ein anderes. Es gibt Themen, die mich wirk lich interessieren – Umwelt, Generatio nen, Gesellschaftspolitik, Aktivismus.

Du bist ein politischer Mensch, hast dich aber nie in einer Partei enga giert. Warum? Schwarz: Mein Wunsch ist eine außerpar lamentarische Opposition, die sich einig über Empathie in Umweltthemen ist. Mei ne Mutter hat mich da stark geprägt. Sie hat „Mütter gegen Atomkraft“ mitgegrün det, hat bei Kreisky verhandelt, war in Hainburg, war bei der Gründung der Grü nen dabei. Sie hat die Chance auf ihre Kar riere geopfert, weil sie eine bessere Zu kunft für ihre Kinder haben wollte. Zyni kerin ist sie keine geworden, aber ich habe volles Verständnis dafür, dass sie bei der „Wenn dir jemand die Wurstsemmel weg nimmt, dann musst du reagieren.“ Simon Schwarz über den Schulhof aktuellen Weltlage sehr verzweifelt ist und wenig Hoffnung hat. Deine Mutter hat dich stark geprägt, wie bist du zu der ADHS Diagnose gekommen? Schwarz: Ich saß in einem Wohnwagen, las einen Zeitungsartikel und erkannte

mich plötzlich wieder. Ich musste mich richtig zusammenreißen, um nicht loszu heulen. Dann habe ich beschlossen, es vom Arzt austesten zu lassen. Die Diag nose erklärt vieles. Inwieweit hattest du das Gefühl, dich behaupten zu müssen? Schwarz: Ich habe mich oft benachteiligt gefühlt, weil ich vieles nicht wusste. Man hat mir als Kind eingeredet: „Du bist einfach deppert.“ Viele meiner Be kannten warfen ständig mit Fremdwör tern um sich. Ich selbst bin in einer Um gebung aufgewachsen, in der man sich am Schulhof geprügelt hat. Wenn dir je mand die Wurstsemmel wegnimmt, dann musst du reagieren. Ich verstehe mittlerweile intellektuell vieles, aber ich habe auch erlebt, wie hart Realität sein kann. Irgendwann habe ich gemerkt: Ich weiß mehr, als ich dachte. Ich habe ein fach einen anderen Zugang. Glaubst du, wenn man dein ADHS früher erkannt hätte, wäre dein Leben anders verlaufen? Schwarz: Ich glaube, es wäre anders ge wesen. Die Möglichkeit einer weiterfüh renden Schule gab es für mich nicht. Eine Lehre ist ja nichts Schlechtes. Heu te ist jeder froh, wenn er einen Handwer ker findet. Ich hatte einen großartigen Lehrer in der Hauptschule, der an mich geglaubt hat. Wenn er damals gewusst hätte, wie man mir helfen kann, wäre vielleicht alles anders gelaufen. Vielleicht hätte ich irgendwas studiert und wäre ein mitelmäßig interessanter, gebildeter Typ geworden. Dass es ist wie es ist ist aber nichts Schlimmes. Ich bin froh, dass mein Weg so war, wie er war. V

Preisträger. 2019 gewann Simon Schwarz die Romy in der Kategorie „Bester Produzent“ für den Kinofilm „Zerschlag mein Herz“.

FOTO: WIRLPHOTO

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