Weekend Magazin Oberösterrech 2025 KW35

OBERÖSTERREICH INSIDE

CHRISTIAN DÖRFEL „Pfle g e ist ein

Beruf mit Zukunft!“ INTERVIEW. Der oberösterreichische Sozial-Landesrat spricht darüber, wie die Pflege zukunftsfit gemacht werden kann, mit welcher Motivation sich Menschen für Sozialberufe entscheiden und die Rolle der Integration in diesem Berufsfeld. Von Philipp Eitzinger

D ie Menschen werden immer äl ter – das ist gut, treibt aber auch den Bedarf an leistbarem Pflegepersonal nach oben? Dörfel: Mit unserer Strategie „Pflege 2040“ wollen wir sicherstellen, dass gute Pflege für den Einzelnen leistbar und für die öffentliche Hand finanzierbar ist. Ein Teil der Betreuung wird ehrenamt lich oder in den Familien abgedeckt, aber das alleine reicht nicht. Wir brau chen einfach mehr Pflegepersonal. Hier setzt „Pflege 2040“ an? Dörfel: Die Fachkräftegewinnung ist eine der drei Säulen von „Pflege 2040“, die an deren beiden betreffen die Unterstüt zung der Sozialhilfeverbände und die „Betreuungsarchitektur 2040“ , bei der ergänzende Modelle zu Mobilen Diens ten und stationärer Pflege entwickelt werden. Der Trend beim Personal ist gut, letztes Jahr ist auch die Pflegelehre ge startet. Wir haben 438 Personen mehr zur Verfügung als noch vor zwei Jahren, in Summe betreuen rund 10.000 Fachkräfte 23.000 Personen über Mobile Dienste sowie im Jahreskreislauf 18.000 Personen in Heimen.

Wie motiviert man junge – oder älte re – Menschen für die Pflege? Dörfel: Es gibt immer mehr Personen, die auch als Umsteiger eine Pflegeausbildung starten. Die schauen sich ihr Leben an und fragen sich: Warum mache ich, was ich bisher gemacht habe? Hat etwas an deres für mich mehr Sinn? Diesen Zu gang hat die junge Generation sehr stark. Die Jungen sind extrem leistungsbereit – wenn sie überzeugt sind, etwas Sinnvol les zu tun. Bei Berufsmessen stürmen sie

die Stände der Sozialberufe, weil sie wis sen, dass Pflege ein Beruf mit Zukunft ist. Pflegeberufe gelten dabei als klassi sche Frauen-Jobs. Wie bekommt man mehr Männer in Sozialberufe? Dörfel: Es ist leider wirklich so, dass Beru fe, die mit Menschen zu tun haben, in erster Linie weiblich konnotiert sind. Wir setzen darauf, etwa über den Zivildienst Männer für die Pflege begeistern und Karrierewege vorzeichnen zu können. „Junge Menschen sind extrem leistungsbereit, engagiert und bereit, sehr hart zu arbeiten – wenn sie davon überzeugt sind, dabei etwas Sinnvolles zu tun. Christian Dörfel, Sozial-Landesrat OÖ

Kann eine Pflegeausbildung auch die Integration fördern? Dörfel: Ganz sicher und es sind ja in vielen Heimen 40 bis 50 Prozent der Pflegefachkräfte Zuwanderer, ohne die geht es sowieso nicht. Wir sto ßen da auch auf großes Interesse. Sie müssen nur Deutsch können – und in diesem Fall muss auch der Dialekt vermittelt werden, um alte Menschen zu verstehen. Oft gibt es in den Heimen Dialekt kurse für Pflegekräfte, auch wir bieten solche an. V

Landesrat. Christian Dörfel (64, ÖVP) ist seit einem Jahr oberösterreichischer Landesrat für Soziales, Integration und Jugend.

FOTO: FOTO DOSTAL

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