Weekend Family Business Wien 2026 KW16
MANAGEMENT
Das Geschäftsführer-Duo Andreas Schmidel und
Susanne Rieß kann einen kürzli chen Großauftrag nach Südkorea verbuchen – mit Edelweiß-Dekor.
V
mehr, sich ihre Geschichte näher anzu sehen. Wir reisen nach Ybbsitz, wo alles begann und auch heute noch der Sitz des Unternehmens ist. Dort wurde 1550 als „sub eben apud tanzstatt“ eine Pfannen schmiede erstmalig urkundlich erwähnt. 1690 kommt das Unternehmen in Fami
kraftwerke und kann so die Elektroöfen ökonomisch betreiben, aus denen Pro dukte in über 300 Formen und in allen erdenklichen Farben kommen. Produkte, die früher wohl in jeder Küche in Öster reich zu finden waren und jetzt wieder vermehrt zu finden sind, denn: „Seit der Corona-Zeit haben wir einen sehr starken Boom erlebt“, erzählt Geschäfts führer Andreas Schmidel. Ein Boom der mit neuem Gesundheitsbewusstsein zu tun hat: „Früher wurde in Kupfer- oder Eisengeschirr gekocht. Dadurch gelang ten Giftstoffe ins Essen. Emaille wurde daher als Gesundheitsgeschirr erfunden. Es ist schnitt- und kratzfest, geschmacks- und geruchsneutral. Es ist härter als Eisen, hat aber dieselben Eigenschaften wie gute Wärmeleitung – und es ist magnetisch, was bei modernen Induktionsöfen nötig ist.“ Edelweiß für Südkorea Susanne Rieß, geschäftsführende Gesell schafterin, sieht das Comeback ihrer Pro dukte auch dem Zeitgeist geschuldet: „Man sieht, dass das Pendel wieder zurückschwingt. Man besinnt sich wie der auf Gemeinschaft und Familie. Das Kochen spielt dabei eine große Rolle. Aktuell gibt es wieder einen Trend zum Fermentieren, auch hier passt Emaille perfekt, da es säurebeständig ist.“ Geschirr aus Emaille in den klassischen Pastell farben passt in diese Pendelbewegung wie selten etwas. Schmidel: „Wir gehen natür lich auch mit der Zeit. Wir bekamen Ô
ieles kommt wieder, was einst weg war – die Vinyl platte, weite Jeans, die ana loge Fotografie, der Voku
hila oder das Brickerl. Hersteller Eskimo gab 2025 bekannt, dass der Eis-Klassiker, der seit 1973 im Programm ist, auf grund fallender Nachfrage aus dem Sor timent genommen wird. Ein Aufschrei ging durchs Land und entfesselte eine Fangemeinde, die ein Comeback im Februar 2026 erwirkte. Comebacks wie Emaille-Geschirr, das streng genommen zwar nie weg war, aber in den vergangen Jahren boomt wie zu Großmutters Zei ten. „Schuld“ daran ist kein kurzer viraler Hype, sondern eine ganze Reihe an prominenten Köchen und TV-Stars von Sarah Wiener bis Silvia Schneider, welche den Gesundheitsaspekt des Geschirrs in den Mittelpunkt stellten und damit den Namen „Riess“ – denn wer von Emaille spricht, spricht von Riess. Deonym = Uhu statt Kleber Dafür gibt es einen Begriff: „Deonym“. So wie Kräuterlimonade mit Almdudler gleichgesetzt wird, ein kleiner faltbarer Schirm schlichtweg Knirps genannt wird oder der Druckkochtopf als Kelo mat bekannt ist. Drei Beispiele aus österreichischen Familienbetrieben. Familie Klein almdudlert, Familie Dopp ler spannt den Knirps auf und Familie Riess kocht im Kelomat. Riess? Ja, die „Emaille-Familie“ Riess ist seit 2001 auch Inhaber von Kelomat. Ein Grund
Es könnte jeder eine ganz neue Fabrik auf die grüne Wiese stellen und doch kein Emaille Geschirr produzieren, weil das spezielle Know-how fehlt.
ANDREAS SCHMIDEL Geschäftsführer Riess KELOmat
lienbesitz und bekommt 1801, als Johann Riess aus Steyr auf den „Hof und Gut der Tanzstatt mit den Hämmern“ einheira tet, seinen (Marken-)Namen. Seit 1922 werden an diesem Ort Emaille-Produkte hergestellt. Die Wiederentdeckung von Emaille Doch was ist Emaille überhaupt? Der tiefgezogene Stahlkern (Topf, Pfanne, …) wird in Emaille-Schlicker, eine dick flüssige Masse, getaucht und bei 810 bis 850 Grad Hitze ausgehärtet. Ein energie intensiver Vorgang. Doch die Familie Riess hat schon lange vorgesorgt. Das Unternehmen besitzt vier eigene Wasser
FOTOS: RIESS KELOMAT
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