Weekend Family Business Wien 2026 KW16

FINANZEN

Milliarden Euro soll laut Forbes das Nettovermögen (inkl. Aktien, Immobilien und anderer Assets) des Berlusconi Clans ausmachen. 6,8

Wichtige TV-Netzwerke Mit der Mehrheitsübernahme von ProSiebenSat.1 im Vorjahr kontrolliert er Europas führendes TV-Imperium. MFE hält 75,61 Prozent der Anteile an Deutschlands wichtigstem Privatsender neben RTL (Bertelsmann). Da auch Puls 4 zur ProSiebenSat.1-Gruppe gehört, reicht der Einfluss der Berlusconi-­ Dynastie nun bis tief in den österreichi schen Medienmarkt. Bei MFE selbst gibt die Familienholding Fininvest den Ton an, die Pier Silvio mit seiner Schwes ter Marina kontrolliert. Während Mari na die Holding als Präsidentin führt, treibt Pier Silvio die Expansion voran – ein eingespieltes Duo, das das Erbe des Vaters mit moderner Konzernstrategie verbindet. Berlusconi junior will mit die ser Akquisition Synergien schaffen und die Sender modernisieren, etwa durch neue Streaming-Technologien. Da das lineare Fernsehen stetig an Reichweite und Werbeeinnahmen verliert, stellt sich die Frage: Wie mächtig sind die klassi schen TV-Netzwerke im Zeitalter von YouTube, TikTok und Co. überhaupt noch? „Sehr“, ist der Medienexperte und Autor Peter Plaikner überzeugt. „Vor Ô

heute befindet sich das Medienkonglo merat im Besitz der Familie, deren Ver mögen aktuell auf 21 Milliarden US-Dol lar geschätzt wird. In seinem Testament legte der Patriarch fest, dass das Unter nehmen von einem 13-köpfigen Board of Trustees verwaltet wird. Dieses bestand aus seinen fünf Söhnen und acht famili enfremden Managern. Damit verhinder te er, dass ein einzelner Nachkomme die alleinige Kontrolle übernehmen konnte – ganz im Gegensatz zu Rupert Murdoch: Dieser trat nach 70 Jahren von der Spit ze seines 40 Milliarden US-Dollar schwe ren Medienimperiums ab und übertrug die Führung seinem ältesten Sohn Lach lan (55). Nach einem langjährigen Rechts streit wurde Lachlan zudem durch einen Vergleich zum alleinigen Erben von Fox News und weiteren Kerngeschäften ein gesetzt. Dem war ein jahrelanger Macht kampf mit seinem liberaler eingestellten Bruder James vorausgegangen. Rupert Murdoch wollte testen, wer von seinen Söhnen den nötigen Kampfgeist besaß, um dem Druck im brutalen Medienbusi ness standzuhalten. In der neuen Net flix-Serie „Dynastien: Die Murdochs“ wird Murdoch mit seinem persönlichen „Rosebud“-Moment zitiert: Er habe be fürchtet, dass seine Existenz bedeutungs los gewesen wäre, wenn er den Prozess verloren und die Stiftung nicht ganz auf Lachlan hätte zuschneiden können. James Murdoch sowie seine Schwestern Elisa beth und Prudence schieden nach dem verlorenen Erbstreit vollständig aus der Stiftung aus und erhielten im Gegenzug eine Abfindung von insgesamt 3,3 Milli arden US-Dollar. Der Medien-Politiker Was Hearst verwehrt blieb – der Einzug ins Weiße Haus –, gelang dem Mailän der Medienunternehmer Silvio Berlusco ni gleich viermal als Ministerpräsident. Seit den 1990er Jahren war „Il Cavaliere“ („Der Ritter“), wie er sich gerne nennen ließ, die prägende Figur der italienischen Politik. Mit seinem Medienimperium Mediaset beugte er wenig ritterlich staat liche Institutionen und politische Spiel regeln. Berlusconi besaß die drei größ ten privaten TV-Sender Italiens und kontrollierte als Premier zudem indirekt

die öffentlich-rechtliche RAI, womit er zeitweise bis zu 90 Prozent der nationa len TV-Landschaft beherrschte. Kriti kern gilt er als Architekt der Telekratie, die es ihm erlaubte, Gegner medial zu diskreditieren und juristische Probleme umzudeuten. Bis zu seinem Tod im Jahr 2023 blieb er politisch aktiv und stolz auf seinen immensen Immobilienbesitz. Sein ältester Sohn Pier Silvio Berlusco ni bevorzugt hingegen die Diskretion prachtvoller Villen und lebt mit seiner Familie im noblen Portofino. Er agiert leiser, aber nicht weniger zielstrebig als sein Vater: Als CEO von MediaFor Europe (MFE) baut er den Einfluss des Konzerns in Europa sukzessive aus.

DIE DICHANDS Vom Schriftsetzer zum mächtigen Medienunternehmer: Hans Dichand (†89) erwirbt 1959 mit Kurt Falk die Titelrechte der „Kronen Zeitung“. Das Konzept als volksnahes Boulevard blatt ist extrem erfolgreich. Falk verkauft 1987 seine 50-Prozent-Anteile an die deutsche WAZ-Mediengruppe (heute Funke Mediengruppe). Christoph Dichand (61), in zweiter Generation seit 2003 am Ruder, hat die „Krone“ 2025 vollständig zurückgekauft.

FOTO: APA-IMAGES / ANDREAS TISCHLER, APA-IMAGES / ACTION PRESS / CONTRAST

1/2026 | FAMILY BUSINESS | 69

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