Weekend Family Business Wien 2026 KW16

FINANZEN

NORBERT HASLACHER CEO Frequentis AG

FAMILY BUSINESS: Wie passen langfristig agierende Familienunternehmen und Börse zusammen? Norbert Haslacher: Einige der erfolgreichsten Firmen sind familiengeführte Unternehmen, die gleichzeitig an der Börse notieren. Die Börsennotiz hat uns zusätzlichen Schub hinsichtlich Bekanntheit gegeben. Ein Börsen-Listing mit all seinen umfang reichen Regularien schafft bei Kunden, Lieferanten, Mitarbeitern und auch bei M&A-Transaktionen Ver trauen und vor allem Zutrauen. Was war die positivste Überraschung? Wir sind mit dem Börsengang in die Liga der Großen aufgestiegen. Erstmalig in der Geschichte der Frequentis werden wir als Tier-1-Technologie-Provi der für den sicherheitskritischen Bereich angeführt. Wie haben sich bei Frequentis die Schwer punkte bei F&E verschoben? Frequentis war immer schon ein forschungsintensi ves Unternehmen. In den ver gangenen fünf Jahren haben wir in Summe mehr als 100 Millio nen Euro aus eigenem Geld in Forschung & Entwicklung inves tiert. Dies sind rund sechs Pro zent des gesamten Umsatzes. Zehn Akquisitionen seit 2019 – geht es in diesem Tempo weiter? M&A ist für uns ein Dauerthema, wir haben dafür auch eine eigene Abteilung. Wir sehen uns immer intensiv nach M&A-Optionen um und analysieren 30 bis 35 Unternehmen pro Jahr. Hat sich der Planungshorizont verändert? Wir denken immer in langen Zyklen. Denn unse re Kunden sind bereits seit Jahrzehnten mit Fre quentis verbunden. Unser Fokus liegt daher auf einer nachhaltigen Entwicklung in den nächsten Jah ren. Wir sehen gute Möglichkeiten, unseren Umsatz weiter zu steigern und zusätzliche hoch qualifizier te Arbeitsplätze, auch in Österreich, zu schaffen. „Wir denken in langen Zyklen“

CEO und Gründer Attila Doğudan: Do & Co beliefert 60 Airlines mit Gourmetspeisen und peilt einen Umsatz von fünf Milliarden Euro an.

Mehrheit ab; das Konsortium um Mark Mateschitz und Ste fan Pierer übernahm das Ruder. Mit Robert Ottel nahm der ehe malige Finanzvorstand der voest alpine und erfahrener Industrie manager die Rolle des CEO ein. Solche Fälle zeigen das Span nungsfeld zwischen Familienerbe und notwendiger Modernisierung.

verbunden mit den Familien um Hans Peter Haselsteiner, Wolf gang Leitner und Attila Doğudan. Der Catering-König beliefert 60 Airlines mit Gourmetspeisen und peilt einen Umsatz von fünf Milliarden Euro an. Die Unter nehmen sind im Prime Market der Wiener Börse gelistet und im ATX Family (ATX FMLY) gebün delt. Der Index umfasst 14 Titel, bei denen Gründer oder Kernak tionäre maßgebliche Anteile zwi schen 25 und 75 Prozent kontrol lieren. Seit seiner Auflegung im Jahr 2018 verzeichnet der Index eine jährliche Performance von 5,24 Prozent. Neben Leitbetrieben wie Mayr-Melnhof und Palfinger finden sich darin auch Familien perlen wie Zumtobel, Kapsch TrafficCom … und Frequentis. Wenn Unternehmen ins Schleudern kommen Nicht jedes Familienunternehmen bleibt dauerhaft auf Kurs. Bei Rosenbauer führte der Umbau in der Aktionärsstruktur im Septem ber 2025 zum Index-Ausschluss: Um den Feuerwehrausstatter für die Zukunft abzusichern, gaben die Eigentümerfamilien ihre

Apropos Stefan Pierer: Dass man sich auch bei seiner Expansion über heben kann, beweist das Beispiel KTM. Die Pie rer Mobility AG (heu te Bajaj Mobility AG) musste den ATX Fami

Wir sind mit dem Börsengang in die Liga der Großen aufgestiegen.

ly Index im September 2025 eben falls verlassen, nachdem der indi sche Partner Bajaj die Mehrheit auf 75 Prozent aufgestockt hatte. Die Unternehmen, die im ATX Family Index verbleiben, kombi nieren idealerweise das Beste aus zwei Welten – den Zugang zum Kapitalmarkt mit einer langfris tigen Strategie. Das resultiert oft in höherer Innovationskraft, dis zipliniertem Kapitalmanagement und einer stabilen Führungskul tur, die über Quartalszahlen hin ausdenkt. n

FOTOS: INTERVIEW: THOMAS JANTZEN. OBEN: APA-IMAGES/STARPIX

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