Weekend Family Business Wien 2026 KW16
WIRTSCHAFT
Prozent aller Unternehmen tun sich schwer, neue Mitarbeiter zu finden. Zwei von fünf Unter- nehmen haben dadurch Umsatzeinbußen. 73
Demografie geht nicht weg
lemlösungskompetenz, Kreativität und menschliches Urteilsvermögen.“ Tätigkei ten mit hoher sozialer Interaktion, hand werkliche Berufe sowie Jobs der grünen Transformation bleiben ebenso zukunfts sicher. „Wer KI als Werkzeug nutzt und praktische Fähigkeiten einbringt, bleibt langfristig gefragt.“ Fähigkeiten, die in der Dualen Akademie vermittelt werden. Damit wird AHS-Maturanten, Umstei gern und Schulabbrechern eine praxis orientierte Ausbildung von zwei bis drei Jahren in 13 zukunftsorientierten Beru fen, primär in IT, Technik und Logistik, ermöglicht. Vor acht Jahren gegründet, verbindet die Akademie Praxis und The orie. Mit dem von der WKOÖ initiierten Instrument „konnte der Anteil an Matu ranten in der Lehre gesteigert werden“. Dallamaßl ist sich aber sicher, dass „die se Modelle keinesfalls die reguläre Leh re ersetzen. Ziel ist es vielmehr, zusätzli che Zugänge und Optionen zu schaffen“. Kleinteiligere Ausbildungsmodule So wie bei der Dualen Akademie erfordert eine erfolgreiche Bekämpfung des Fach kräftemangels neue und innovative Bil dungsmodelle. Manfred Bauer, CEO von Expertis, sieht den Schlüssel daher in einer modulareren Strategie: „Dass das Erlernte sofort angewandt werden kann und sofort gültig ist.“ Die einzelnen Module können zu einem großen Ganzen kombiniert wer
„Mangelberufe in den Bereichen Wirt schaftsprüfung oder Steuerberatung wird KI nicht kurzfristig ersetzen, aber es wird rascher gehen, als man glaubt, denn KI kann gewisse Tätigkeiten sub stituieren“, führt Erich Lehner, EY Private Lead, aus. Eine Entspannung der allgemeinen Man gelsituation sei jedenfalls hoch notwen dig, denn „34 Prozent aller Unternehmen geben an, der Fachkräftemangel sei noch vor dem wirtschaftlichen Abschwung (27 %) die aktuell größte Gefahr für sie“. Und für den Experten ist klar, dass „wir trotz schwächelnder Konjunktur den Fach kräftemangel nicht loswerden. Demografie geht nicht weg“. Dazu wollen „24 Prozent der Unternehmen den Arbeitskräftebedarf steigern, nur 13Prozent wollen reduzie ren“. In den Branchen Soziales und Wis senschaft (30%), Tourismus (31%) und Finanzsektor (30%) ist der Bedarf an neu en Mitarbeitern am höchsten. Beim Bau gewerbe, Transport, bei Verkehr und Ener gie „ist die Bilanz negativ, sprich, es werden Mitarbeiter abgebaut“. Besonders erfreu lich: „Die Beschäftigung im Mittelstand sollte um ca. 0,4 Prozent steigen – eine Trendumkehr.“ Woher nehmen? Fast drei Viertel (73 %) aller Unterneh men tun sich dabei schwer, neue Mitar beiter zu finden. Bei jedem zweiten mittel ständischen Betrieb bleiben daher derzeit ausgeschriebene Stellen unbesetzt. „Am schwierigsten ist es in der Produktion, gefolgt von Marketing und Vertrieb.“ Die Folgen sind verheerend: „Zwei von fünf Unternehmen haben dadurch Umsatz einbußen.“ Und weil es schwieriger ist, passende Leute zu finden, steigen die Rekrutierungskosten – im Schnitt um 8,9 Prozent. Auch hier sind die Grün de bekannt – Lehner rechnet vor: „Der Hauptgrund ist die mangelnde Bereit schaft zur Vollzeit (46 %), danach folgen mangelnde Qualifikation (37 %) und die Attraktivität des Berufsfeldes (26 %).“ KI kein Allerheilmittel Was kann die Politik nun tun, um die Lücken zu füllen und das wichtigste Wachstumshemmnis zu beseitigen? „Ein
wichtiger Hebel wäre es, Vollzeit attrak tiver zu gestalten.“ Dazu soll die Bildung noch stärker gefördert werden. „Wir sind international sehr weit vorne und brau chen uns nicht zu verstecken, aber wir müssen die Anstrengungen ausweiten.“ 50 Prozent der Unternehmen unterstüt zen diese Forderungen, ebenso wie die Förderung der betrieblichen Aus- und Weiterbildung (34%) sowie Maßnahmen zur gezielten Zuwanderung (27%). Unter nehmen helfen sich aber auch selbst. Die „Top-3-Maßnahmen“ wären: „Investitio nen in Aus- und Weiterbildung (53%), Flexibilisierung der Arbeitszeiten (44 %) sowie Angebote von attraktiven Zusatz leistungen und Benefits (44 %)“. Und schließlich fragte EY bei den Unterneh men nach, ob KI den Fachkräftemangel abfedern könne. „10 Prozent meinen ja – dort wird sie bereits eingesetzt –, 20 Pro zent nennen sie hilfreich – dort wird sie noch nicht eingesetzt.“
34 Prozent aller Unternehmen geben an, dass der Fachkräftemangel noch vor dem wirtschaftlichen Abschwung (27 %) die aktuell größte Gefahr für sie ist.
ERICH LEHNER EY Private Lead
„In and out“-Liste Friedrich Dallamaßl, Direktor-Stv. der Wirtschaftskammer OÖ, wird beim Thema „KI“ konkreter: „Durch KI und Automatisierung verlieren klassi sche Berufsbilder an Bedeutung, wäh rend spezialisierte Rollen mit Fach kompetenz zunehmen. Gefragt bleiben jedenfalls analytisches Denken, Prob
den. „Sie sollen kleinteiliger und damit auch flexibler sein.“ Und es stellt sich das Thema der zielgerichteten Qualifikation. „Die Leute fallen nicht vom Himmel“, so Erich Lehner. Es wird also auch von der Gesellschaft abhängen, wie wir jun ge Leute so qualifizieren, dass die ihnen vermittelten Fähigkeiten künftige Lücken schließen werden. n
FOTOS: FREISTELLER: WAKOLBINGER, GROSS: ISTOCK.CM/ NUTTHASETH VANCHAICHANA, ZITAT: EY
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