Weekend Family Business Wien 2026 KW16

WIRTSCHAFT

verhält es sich beim Kostenfaktor Arbeit: In Österreich sind die Lohnstück kosten in den vergangenen zwei Jah ren deutlich schneller gestiegen als im Eurozonen-Durchschnitt – um gut zehn Prozentpunkte. Die befürchte te Deindustrialisierung ist laut Rübig bereits in vollem Gange. Die gesamte Automobilbranche verlagert massiv ins Ausland, vor allem nach Osten, wo die Arbeitskosten niedriger sind. „Lang fristig bleiben wir als Standort nur wett bewerbsfähig, wenn wir bei den Ener giekosten mithalten können“, warnt der Unternehmer. „Sonst droht der Verlust dieser wichtigen Industrie.“ „Wir werden wegtransformiert“ Wegen der hohen Transportkosten für Stahl galt im Wärmebehandlungs geschäft lange ein Umkreis von 200 Kilo metern als wirtschaftlich sinnvoll. Dieser Radius hat sich jedoch durch die wachsende Schere bei den Produk tionskosten zwischen Österreich und Osteuropa deutlich erweitert. Auf träge, die am heimischen Standort nicht mehr lukrativ sind, werden zunehmend ins slowakische Prievidza verlagert, wo Rübig seit 2005 ein Werk betreibt. Länder wie Polen, Ungarn, Tschechien

Deutsche Autoindustrie verlagert Produktion nach China und in den Osten: Ola Källenius, CEO Mercedes-Benz, Stuttgart.

Bernd Rübig hat 2023 die Geschäfts führung der Holding von seinem Vater Günther Rübig übernommen. Sein Onkel ist der langjährige EU-Abge ordnete Paul Rübig. In der Automobil industrie lässt sich der massive Preis kampf von Österreich aus kaum noch mitgehen. Stattdessen konzentriert sich Rübig verstärkt auf die Luftfahrtbranche. „Dort benötigen wir hoch qualifizier tes Personal, um die anspruchsvolle Produktion sicherstellen zu können. Als global tätiger Zulieferer sind wir in diesem Sektor gut vernetzt und bau en das Geschäft aktuell massiv aus.“ Löchriges EU-Regelwerk In Österreich fließt derzeit kaum noch Geld in Investitionen, sagt Rübig. „Solan ge sich die Rahmenbedingungen nicht spürbar verbessern, wird sich daran nichts ändern. Als Unternehmer trage ich schließlich Verantwortung für meine Mitarbeiter und deren Familien. Ich kann nicht an der wirtschaftlichen Realität vor beiagieren.“ Um dem entgegenzuwirken, hat das Unternehmen am Standort Wels massive Effizienzsteigerungen und Ein sparungen umgesetzt – insbesondere im Energiebereich konnten in den vergange nen Jahren erhebliche Fortschritte erzielt werden. „Wir setzen in der Härtebehand lung einige Gasöfen ein. Leider wird auch das durch die CO₂-Bepreisung immer teurer. Der Strom ist jedoch unser größ ter Energiekostentreiber in dieser Spar

te. Das ist entscheidend für das Geschäft, denn die Stromkosten bestimmen, wo wir die Fertigung in Zukunft ansiedeln werden.“ Paradoxerweise profitiert Rübig als stromintensives Unternehmen der zeit nicht von der Strompreiskompensa tion (SAG). Nur rund 40 Unternehmen – vorwiegend aus der Stahl-, Chemie- und Kunststoffbranche – stehen auf der För derliste. „Die Kriterien dafür stammen aus EU-Recht, auf das die Politik verweist. Wir fallen als Unternehmen nicht unter die se Vorgaben, obwohl wir ebenfalls einen hohen Stromverbrauch haben. Das trifft auch auf andere stromintensive Firmen zu – hier scheint es Lücken im europäischen Regelwerk zu geben“, resümiert der Unter nehmer. Die aktuelle Strompreiskompen sation läuft 2026 aus. Ab 2027 kommt der geplante Industriestrompreis mit einem Arbeitspreis von 50 Euro pro Megawatt stunde (entspricht 5 Cent/kWh). „Hier gehen wir davon aus, dass unser Unter nehmen darunterfallen wird. Das ist aber noch nicht final geklärt“, sagt Rübig. Auf die Frage, ob er von den zuletzt prä sentierten Maßnahmen der Bundes regierung enttäuscht sei, antwortet er: „Enttäuscht war ich nicht, weil ich von vornherein keine großen Erwartungen hatte. Das Ergebnis entspricht genau meinen Befürchtungen. Ich kenne kaum noch Unternehmer, die in diese Regie rung irgendeine Hoffnung setzen. Wir werden uns die Lösungen wohl selbst erarbeiten müssen.“ n

Ich kenne kaum noch Unternehmer, die in diese Regierung irgendeine Hoff nung setzen. Wir werden uns die Lösungen wohl selbst erarbeiten müssen.

BERND RÜBIG Geschäftsführer Rübig Gruppe, Wels

oder die Slowakei profitieren massiv von dieser schleichenden Abwanderung der heimischen Industrie. „Die Trans formation der Automobilindustrie bedeutet für uns vor allem eines: Wir werden wegtransformiert“, sagt Rübig. „Die Aufträge und Arbeitsplätze, die damit verbunden sind, verlagern sich zunehmend in andere Regionen. Das ist für uns ein schmerzhafter Prozess.“

FOTO: APA-IMAGES / REUTERS / ANGELIKA WARMUTH

1/2026 | FAMILY BUSINESS | 35

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