Weekend Family Business Burgenland/Niederösterreich 2026 KW38

WIRTSCHAFT

Kurt Joseph Zalto, gehüllt in existenzialis tisches Schwarz, hält seine jüngste Kreation „Josephine“ prüfend gegen das Licht – wie in einem Bühnenstück von Shakespeare.

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einen Großteil meines Lebens mit der Frage verbracht, wie ein Glas beschaffen sein muss, damit es dem Wein wirklich die Bühne überlässt“, sagt Zalto zu FAMILY BUSINESS. „Der entscheidende Schritt war für mich, alles zu reduzieren, was zwi schen dem Wein und unseren Sin nen steht: zu viel Material, unnöti ges Gewicht, optische Unruhe oder Formen, die sich selbst wichtiger nehmen als der Inhalt.“ Im Kos mos der außergewöhnlichen Glas bläser unterwirft sich die Form dem Geruchs- und Geschmackssinn – muss aber zur optischen Abrun dung dennoch gute Figur machen. Nicht umsonst trägt Kurt Josefs jüngste Serie einen Frauennamen – „Josephine“ – und soll zudem die Trinkkultur auf neuen „Fuß“ und „Stiel“ stellen, wie der Glasbläser sagt. Wieder einmal. Globales Luxusgeschäft Denn begonnen hat alles schon viel früher, in Kufstein bei der Familie Riedel. Schon Claus J. Riedel über höhte in den 1970er -Jahren das gemeine Weinglas – indem er es diversifizierte: Riesling, Pinot Noir oder Bordeaux, jedem edlen Trop fen sein eigenes, noch edleres Glas. Mittlerweile ist daraus ein globa les Luxusgeschäft geworden. Rie del setzt jährlich an die 400 Milli onen Euro um, rund 50 Millionen

maschinell gefertigte Gläser pro Jahr verlassen den Betrieb, die Marken „Nachtmann“ und „Spie gelau“ gehören neben der Manu faktursparte ebenso zum Kon zern. Und Frontmann Maximilian Riedel ist so etwas wie der Glas Glam in Person: „Für einen Nagel brauchst du einen Hammer, für Wein ein Riedel-Glas“, zitiert ihn der „New Yorker“. Als Zalto sei ne erste Glut schürte, waren Rie del-Gläser bereits State of the Art. Die göttliche Nase Dass Kurt Josef Zalto, Jahrgang 1961, aus Alt-Nagelberg, Gemeinde Brand-Nagelberg, Bezirk Gmünd, überhaupt zum Herausforderer des Weltmarktführers werden konnte, verdankt er zumindest indirekt dem lieben Gott: namentlich dem katho lischen Pfarrer Hans Denk aus Alb rechtsberg im südlichen Waldvier tel, der sich über Jahrzehnte hinweg zu einer der schillerndsten Figuren der Wein-Adabei-Szene entwickelt hatte. „Der Wein symbolisiert den göttlichen Anteil am liturgischen Geschehen“, predigte Denk. Kern botschaft seines Credos: „Wein ist nicht nur Getränk, sondern Mys terium des Lebens.“ Und der volks tümliche Wein-Missionar – die Gruppenfotos mit den Winzerkö niginnen füllen Archive – wollte nichts lieber, als für dieses Mysteri

Ein Standbild wie aus einem Büh nendrama: Der Held ist in exis tenzialistisches Schwarz gewandet, sein Blick fixiert ein Rotweinglas mit sanft nach innen gezogenem Schwung im unteren Bereich des Kelchs. Das ist die sogenannte Taille – sie beeinflusst die Weinströmung beim Schwenken, Aromen werden freigesetzt und konzentriert. Die Wölbung erzeugt aber auch Licht brechungen und lässt das flüssige Rot so lebendiger wirken. Zudem wird es gezielter an die zartesten Zonen der Zunge gespült. Willkom men in der bizarren Wunderwelt der Premium-Weingläser, irgend wo zwischen perfektionsgetrieben und verklärt. Das Glas als Bühne Der Mann im Zentrum dieser dunklen fotografischen Inszenie rung heißt Kurt Josef Zalto und stellt sein Wirken, wie unschwer zu erkennen ist, in den Dienst einer bedeutsamen Mission: „Ich habe

Als ich das Unternehmen verließ, blieben neben meinen Gesellschafts anteilen auch die eingebrachten

Marken- und Designrechte zurück.

KURT JOSEF ZALTO bedauert heute seine Entscheidung und steht im Rechtsstreit.

FOTO: JOSEPHINENHÜTTE

8 | FAMILY BUSINESS | 3/2026

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