Weekend Family Business Burgenland/Niederösterreich 2026 KW38

WIRTSCHAFT

Zalto mortale Der eigentliche Bruch zwischen Zalto und dem Glas, das seinen Namen trägt, entstand so: Als die Nachfrage nach den neuen „Denk’Art“-Gläsern explodier te, geriet auch das Unternehmen unter Druck. Produktionsprobleme, Kapital bedarf, Wachstum – aus der handwerk lichen Success-Story wurde ein Fall für krisenfeste Betriebswirte. Und so hol te Glaskönig Kurt Josef vom Waldviertel, der übrigens von venezianischen Glasblä sern abstammt, im Jahr 2006 Investoren ins Unternehmen: Martin Hinterleitner und Josef Karner kamen aus der Schlum berger-Welt, sie wussten genau, wie man Unternehmen am Prickeln hält. Und Zal to war der Mann für die Entwürfe und mit dem Namen, der bald weltbekannt werden sollte. „Wir gründeten ein Unter nehmen, in das ich Design- und Marken rechte einbrachte. Rückblickend war das eine Entscheidung, die ich sehr bedau re“, sagt Kurt Josef Zalto heute. Denn drei Jahre nach dem ersten Prost folgte ein Scherbengericht: Zalto, der Mann, schied aus Zalto, der Firma, aus und erhielt im Rahmen eines Vergleichs 80.000 Euro. Nur: „Als ich das Unternehmen verließ, blieben neben meinen Gesellschaftsan teilen auch die eingebrachten Marken- und Designrechte zurück“, rekapituliert er. Und dann der zentrale Satz: „Daraus

um ein Glas zu entwickeln … eines, das es sammle und entfalte, ihm so bedingungs los diene wie er selbst seinem Herrn. Kur zes Amen und samtig langer Abgang. Wer hat‘s erfunden? Das Joint Venture zwischen Hans, dem Gottesmann, und Kurt, dem Glasbläser, begann 2002. Zalto brachte bereitwillig sei ne Entwürfe ein, Hochwürden testete und probierte selbstlos. So entstand Stück für Stück „Zalto Denk’Art“, die Glas-Serie, vor der selbst die schimmernden Riedels den Tirolerhut zogen. Zu Recht, denn Denk und Zalto ließen sich bei der Proportio nierung ihrer Gläser sogar von den „kos mischen Erdwinkeln“ inspirieren – jenem 24., 48. und 72.Grad, die sich aus der Nei gung der Erdachse ableiten. Doch selbst das ist eine Frage des Blickwinkels, denn die heutige Zalto Glas GmbH erzählt die selbe Geschichte anders. Geschäftsführer Christoph Hinterleitner vertritt die Auf fassung, Denk allein sei der geistige Vater der himmlischen Glasform gewesen. Auf Anfrage von FAMILY BUSINESS, in der er sich zur Sache an sich nicht äußern will, bestätigt Hinterleitner jedoch, dass da ein Tonband mit Denks Stimme existiere, auf dem dieser eine Satz falle: „Der Zalto hat das Wenigste dazu beigetragen.“ Doch der trinkfeste Pfarrer ist längst verewigt und wird so posthum zu einer Art Kronzeuge.

habe ich gelernt, wie wichtig es ist, kreati ve Arbeit, persönliche Identität und unter nehmerische Strukturen sehr klar vonei nander zu trennen.“ Glasklar in diesem Fall. Denn Kurt Josef Zalto gab nicht nur eine Firma auf. Er verlor die wirtschaftli che Kontrolle über den eigenen Namen – denn der war nun Teil jener Marke, jenes Unternehmens, das er verlassen hat te. 2019 begann er noch einmal von vor ne, bastelte aus den Scherben seines Ver mächtnisses als Designer und Mitinhaber der Münchner Josephinenhütte eine neue Karriere samt neuen Gläsern – die er, der alleinige Schöpfer, jedoch zu Beginn leicht fertig mit „Zalto“ benamst hatte. Nun gut, laut Geburtsurkunde und Reisepass heißt er nun mal so, könnte man sagen. Doch auch die Marke, an der er keine Rechte mehr hat, heißt so. Wer „Zalto Glas“ goo gelte, landete im Rausch der Algorithmen öfter als erlaubt bei der Josephinenhüt te – für die neuen Zalto-Hausherren mit ihrer Jahresproduktion von 500.000 Glä sern war das ein geschäftsschädigender Affront. Und so entschied letztendlich ein Scherbengericht: Kurt Josef Zalto darf einem Glas, das er eigenhändig herstellt, zwar seinen Namen als Kreator beifügen. Ganz einfach nach sich selbst benennen darf er es aber nicht. Und so trägt sei ne „Josephine“ – das Glas mit der sanft geschwungenen Taille – offiziell auch keinen echten Familiennamen, sondern ist, nur ganz nebenbei und beiläufig, mit „designed by Kurt Josef Zalto“ gekenn zeichnet. Weinpfarrer, schau oba! n Pfarrer Hans Denk (†76) aus Albrechtsberg im südlichen Waldviertel gilt als kreativer Kopf und Namensgeber der weltberühmten „Denk’Art“-Glas Serie aus dem Hause Zalto.

Riedel als Marktführer und Pionier moderner Glaskultur: Geführt wird das Tiroler Unternehmen in 11. Generation von Maximilian Riedel.

FOTOS: OBEN: ZALTO GLAS. UNTEN: RIEDL

3/2026 | FAMILY BUSINESS | 9

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