Weekend Family Business Burgenland/Niederösterreich 2026 KW38
WIRTSCHAFT
Cybersecurity darf keine Frage der Unternehmensgrö ße sein. Ein KMU verfügt nicht über die Ressourcen großer Konzerne, ist aber genauso gefährdet. Die Angriffsschwelle ist extrem niedrig.
MARTIN RESEL stv. Vorstandsvorsitzender, A1
F
amily Business: Herr Resel, wie weit sind Österreichs KMU bei der Digitalisierung?
Wie groß schätzen Sie die Gefahr durch Cyberangriffe ein? Auch mittelständische und kleine Betriebe sind heute attraktive Angriffs ziele, gerade wenn sie Teil internatio naler Lieferketten sind. Durch auto matisierte und KI-gestützte Attacken wird es zudem immer einfacher, Unter nehmen anzugreifen. Wie groß die Abhängigkeit ist, zeigt eine Studie: 77 Prozent der Betriebe gaben an, sich im Security- und Cloud-Bereich stark oder sehr stark von ausländischen Akteuren abhängig zu fühlen. Der erste Schritt ist daher Awareness, danach braucht es professionelle Schutzkonzepte. Ein KMU muss kein Cybersecurity-Spezialist sein, sollte sich aber Unterstützung holen. Apropos: A1 ist längst mehr als ein Telekomunternehmen. Früher haben wir Filialen vor allem mit Breitband versorgt. Heute geht es um die gesamte digitale Filiale, von der Inf rastruktur über Sicherheit und Cloud bis zur Einbindung neuer Anwendun gen. Genau dort liegen unsere Stärken und dort entwickeln wir unser Ange bot laufend weiter. Die Anforderungen der Kunden werden immer individuel ler. Deshalb investieren wir gezielt in den Ausbau unserer Kompetenzen im Bereich maßgeschneiderter Lösungen. Wo sehen Sie bei den Rahmenbe dingungen noch Handlungsbedarf? Ich plädiere für mehr Innovationspart nerschaften zwischen öffentlicher Hand,
Wirtschaft, Fachhochschulen und For schung. Ausbildung sollte stärker an dem ausgerichtet sein, was Unterneh men brauchen. Gleichzeitig kann die öffentliche Hand über ihre Beschaffung Innovation beschleunigen und heimi sche Wertschöpfung stärken. Andere EU-Länder sind hier teilweise weiter. Warum hinkt Österreich eigentlich beim Glasfaserausbau hinterher? Wir haben mit 5G eine sehr gute mobi le Versorgung, bei Glasfaser stehen wir aber erst bei knapp über 50 Pro zent der Haushalte. Der Ausbau ist bei uns zwei bis drei Mal so teuer wie im EU-Schnitt, vor allem wegen des Tief baus. Dazu kommen lange Genehmi gungen und zu wenig Abstimmung. Wir brauchen mehr Baukoordination, end lich einen Tiefbauatlas und schnellere Verfahren. Und bei der Förderung soll ten wir stärker dort ansetzen, wo Haus halte und Unternehmen einen Anschluss tatsächlich nutzen. n FACHKRÄFTE IM FOKUS Im Wettbewerb um IT-Fachkräfte setzt A1 auf Lehrlingsausbildung, Koopera tionen mit HTLs und Fachhochschulen sowie gezielte Zukäufe kleinerer Unter nehmen. Das Business Delivery Center soll deutlich wachsen, zusätzlich greift A1 verstärkt auf Ressourcen innerhalb der Gruppe zurück.
Martin Resel: Die Innovationskraft ist da, doch oft fehlen die nötigen Ressourcen. Österreich erreicht beim Digital Inten sity Index ( Anm. d. Red.: Kennzahl zum Digitalisierungsgrad von Betrieben ) rund 75 Prozent, das EU-Ziel für 2030 beträgt allerdings 90 Prozent. Dazu kommen Büro kratie, hohe Kosten und Fachkräfteman gel. Der Mitbewerb sitzt heute oft nicht im Nachbarort, sondern auf einer digi talen Plattform in den USA oder China. Die größten digitalen Hebel sehen Sie… … erstens bei der Kundenschnittstelle: Die Customer Experience muss so ein fach sein, wie es die Menschen von gro ßen Plattformen gewohnt sind. Zweitens in den internen Prozessen: Dokumenten management, E-Mail-Analyse und Pro zessautomatisierung können hier viel Pro duktivität bringen. Unternehmen experimentieren mit KI, entsteht schon echter Mehrwert? Noch werden viele KI-Anwendungen wie Copilot oder Chatbots punktuell ein gesetzt. Der große Mehrwert entsteht erst, wenn Prozesse durchgängig gedacht und automatisiert werden. Gleichzeitig braucht es klare Regeln für den Umgang mit Daten und Tools. Bei sensiblen Daten ist eine funktionierende Governance ent scheidend.
FOTO: RENÉE DEL MISSIER
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