Weekend Family Business Burgenland/Niederösterreich 2026 KW38
WIRTSCHAFT
Gold liegt in der Familie
Wertbeständig. Gold & Co.-Gründer Walter Hell-Höflinger spricht über sein Geschäftsmodell zwischen Goldhandel, Bewertung und Recycling, Gold als langfristige Anlage und seine Söhne als mögliche Nachfolger. | INTERVIEW: ANDREA SCHRÖDER |
F
AMILY BUSINESS: Sie stammen aus einer Unter- nehmerfamilie. Was bedeutet es Ihnen, heu
entstand die Idee, in Wien mit Gold & Co. ein seriöses Kompetenzzentrum für Edelmetalle aufzubauen. Was bietet Gold & Co. über den klassischen Goldhandel hinaus? Wir verkaufen Münzen und Barren und kaufen Schmuck, Uhren, Edelsteine sowie Bruchgold an. Wer eine Schmuck schatulle erbt, soll bei uns eine kom petente Einschätzung zu sämtlichen Stücken erhalten. Aus dieser Arbeit ent stand meine Tätigkeit als Gerichtssach verständiger für Edelmetalle und Exper te für Fälschungen sowie ein Buch ( „The Gold You Trust“, Bild oben ). Zudem wird angekauftes Bruchgold recycelt und zu neuen Barren und Münzen verarbeitet. Rund 90 Prozent unserer Verkäufe kön nen wir durch eigene Ankäufe abdecken. Viele Menschen fragen sich ange sichts des hohen Preises: Ist es bereits zu spät, Gold zu kaufen? Ob der Preis morgen steigt oder fällt, kann niemand seriös versprechen. Sicher ist, dass Inflation die Kaufkraft des Gel des mindert. Wer Gold kauft, sollte daher sein Ziel kennen. Wem Teilbarkeit wichtig ist, der braucht kleinere Einhei
ten; für größere Summen kommen auch Barren infrage. Ich empfehle meist eine Kombination aus einfachen Dukaten, Wiener Philharmonikern und größeren Einheiten. Wer bei einem Kursrück gang sofort verkauft, realisiert den Ver lust. Gold braucht einen langen Atem. Wie bereiten Sie das Unternehmen für die Zukunft vor? Mein Ziel ist, Gold & Co. so aufzustel len, dass ich nur noch als guter Geist im Hintergrund gebraucht werde. Des halb bauen wir Strukturen und inter nes Know-how auf – von IT und Logis tik bis zu Onlineshop und Marketing. Heute beschäftigen wir rund 30 Mitar beiter, betreiben drei Filialen in Wien, eine in Belgrad und planen den nächs ten Standort. Wachstum soll aber kon trolliert erfolgen: Jeder Baum soll lang sam wachsen, und keiner wächst in den Himmel. Meine Söhne Nikolai, 17, und Andrej, fast 16, interessieren sich dafür, Gold & Co. später zu überneh men. Nikolai macht derzeit ein Prakti kum bei uns und bringt seine Kenntnis se im Bereich KI ein. Junge Menschen sollen nach ihren Fähigkeiten eingesetzt werden und gestalten dürfen. n
te Ihren eigenen Betrieb zu führen? Walter Hell-Höflinger: Ich kann mir nicht vorstellen, irgendwo angestellt zu sein. Ein Familienbetrieb lebt von famili ären Strukturen: Menschen sollten nicht bloß funktionieren und ausgetauscht werden, wenn sie nicht mehr in die Fir menpolitik passen. Für mich zählen Ehr lichkeit, Loyalität, Handschlagqualität und Teamgeist. Familie darf aber nicht bedeuten, an allem Alten festzuhalten. Von meinem Urgroßvater ist ein Satz überliefert: Bewährtes erhalten, aber, wenn die Zeit reif ist, den Mut haben, mit Traditionen zu brechen. Ihre Familie produziert seit Gene rationen in Kärnten Schmuckket ten. Warum haben Sie einen ande ren Weg eingeschlagen? Mein Vater wird 90 und sperrt noch immer jeden Tag um halb sechs die Fir ma auf. Mich hat es aus dem elterli chen Betrieb hinausgetrieben, mein Bru der führt ihn heute weiter. 2009 habe ich mich selbstständig gemacht. 2012
FOTOS: MIKA-NIKOLAS MAHRINGER
20 | FAMILY BUSINESS | 3/2026
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