Weekend Family Business Burgenland/Niederösterreich 2026 KW38

WIRTSCHAFT

Ihre Marketing-Offensive hat ja eigentlich bereits begon nen, oder? Im Frühjahr gab es einen kleinen Start-Event mit unserem Netz werk in der legendären Verdi Diele in Linz: Wir haben den Rosé des 25er-Jahrgangs, der unserer Mei nung nach extrem gelungen ist, in der Verdi Diele unter dem Label „Collection d’Art“ mit einem Künstleretikett versehen, so prak tisch neu vorgestellt. Nun geht es Schritt für Schritt: neuer Web Auftritt, neuer Online-Shop. Wir verstärken uns im Vertrieb, wir verstärken uns in der Führung vor Ort, wir haben alle rechtlichen Themen abgehandelt. Wie darf man sich Ihren wei teren Roll-out vorstellen? Wir greifen ja auf ein bestehen des Netzwerk zurück, fangen nicht bei null an. Trotz Insolvenz und persönlichem Schicksals schlag war „Anton Bauer“-Wein immer im Vertrieb. Wir wen den uns nun aber auch direkt an Gastronomen, machen viel über Social Media. Wir haben in unse rem Kernbusiness an die 93 Pro zent Exportquote. Da wollen wir auch Anton Bauer über Österreich hinaus in den wichtigen Märk ten positionieren: Deutschland, Skandinavien, den Niederlanden, Belgien – Südamerika, Kanada. Es gibt viele Märkte mit starkem Potenzial zu bearbeiten. n

Ja, auch die Quantität spielt eine entscheidende Rolle, wir wollen künftig wieder mehr Wein machen und auch verkaufen, ganz klar. Eine viel höhere Marktdurchdringung muss unser Ziel sein. Können Sie das ganz grob dimensionieren? In den nächsten fünf, sechs Jah ren wollen wir in eine Umsatz kategorie von sechs bis sieben Mil lionen Euro kommen. Derzeit sind wir bei etwa einer Million. Das ist ein ehrgeiziges Ziel. Aber: In der Insolvenzphase wurde kein akti ver Vertrieb praktiziert, es wur den Bestände abgearbeitet. Anton Bauer war ein hoch talentierter Weinmacher. Was lief da falsch? Erstens: Ja, das war er. Zweitens: Aber auf dem Vertrieb und dem entsprechenden Marketing lag viel zu wenig Fokus, und ich hatte den Eindruck, unter diesem Zwie spalt hat er selbst auch gelitten. Dann war da auch dieser spezi elle Einfluss von außen: 2017 war der Toni zum „Winzer des Jah res“ gewählt worden – er war ein Star und hatte plötzlich unendlich viele Schulterklopfer und Anlage empfehlungen, die mit Wein gar nichts zu tun hatten. Aber um beim Kunden manifest zu bleiben, spielen auch Marketing, Wer bung, Verkostungen und externe Bewertungen eine Rolle. Denn

Es gibt die hohe Anforderung und den Willen, dieses Weingut in glor reiche Zeiten zurückzuführen. PETER WEIDINGER Geschäftsführer Anton Bauer GmbH | Hochreiter Lebens mittelbetriebe GmbH

das Thema „Wein“ ist momentan extrem schwierig zu bespielen, viele Weinbauern überlegen sich, aufzuhören. Genau in dieser Situ ation der Marktbereinigung wol len wir mit unserem finanziellen Background in die Liga der Top Winzer aufsteigen. Wir sehen das als Riesenchance. Warum? Die Branche erlebt derzeit eine Art Greißler sterben auf Glamour-Ebene. Beim Wein ist es wie bei Aktien: Einsteigen musst du, wenn sie im Sinkflug sind. Das Wein-Busi ness sehe ich übrigens nicht im Niedergang, sondern in einem Verschiebungsprozess: Qualität wird noch wichtiger. Es gibt einen Markt der Weinkonsumen ten, die sich das finanziell weiter hin leisten können und wollen. Und es ist eine unserer Stärken, in Unternehmen einzusteigen, denen es wirtschaftlich schlecht geht – wenn wir in ihnen Poten zial sehen.

Weinproduktion in Österreich 2025

Wien 1,2 %

Übrige 0,3 %

Stmk. 9,5 %

Bgld. 22,8 %

NÖ 66,2 %

Quelle: Österreich Wein Marketing GmbH

WEINGUT ANTON BAUER (WAGRAM)

Eigentümer: Hochreiter Gruppe (Übernahme 2025) Führung: Peter Weidinger (Geschäftsführer) Ausrichtung: strategischer Neustart nach Tod des Gründers – Fokus auf Premium-Lagen (Veltliner) und globalen Export Innovation: neue Markenidentität und exklusive Produktlinien, z. B. „Rosé Collection d‘Art“ Ziel: Verbindung von Wagramer Weinbautradition mit moderner Marktpräsenz

FOTOS: OBEN: WAKOLBINGER. UNTEN: ANTON BAUER

18 | FAMILY BUSINESS | 3/2026

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