Weekend Magazin Steiermark Bilckpunkt Leibnitz 2026 KW13
SOCIETY
FUSSBALLLEGENDEN POLSTER UND HERZOG
„Ich glaube, es menschelt“ VOLLTREFFER. 198 Länderspiele, 70 Tore, ein Bestseller: Die beiden Teamlegenden bleiben noch Jahre später im kollektiven Gedächtnis. Andi Herzog (57) und Toni Polster (62) über Wuchteln, Freundschaft und was im Leben wirklich zählt. Von Marcel Toifl W er von euch ist der „Schmähtandler“? Herzog: Es gibt zwei Sicht weisen in unserem Buch. Er hat seine, ich habe meine. aber Toni ist sehr freundschaftlich. Trai ner Rehhagel hat gesehen, wie er mich links und rechts abgeschmust hat, wir haben ein Foto gemacht und ich war beim Trainer rot markiert. Wenn ich keine Überleistung bringe, tauscht er mich aus. Polster: Irgendwann müssen wir alle ge hen. Keiner wünscht sich, dass das früh passiert. Du kannst dich regelmäßig durchchecken lassen. Mehr kannst du nicht tun. Wenn der liebe Gott dich ruft, dann musst du gehen. Aber ein bisschen würde ich schon noch gern dableiben. Was können sich Fußballer heute von euch abschauen?
Polster: Die Erinnerungen spielen ihm öfter einen Streich. Da muss ich das Ganze wieder in die richtigen Bahnen lenken. Herzog: Unser Anliegen war, den Leuten ein paar Minuten oder ein Stunderl zu geben, in denen sie lachen können. Polster: Ich glaube, es menschelt ein fach. Beim Menscheln: Ist eine Freund schaft wie eure im heutigen Fußball noch möglich? Herzog: Ich glaube schon. Für aktive Spieler ist das etwas anderes: Du hast ständig Spiele, Öffentlichkeit und Druck. Wir können über alte Zeiten la chen. Polster: Das Zwischenmenschliche macht’s aus. Mit dem Handy wirst du nicht befreundet sein. Das Schönste ist, wenn du mit Freunden zusammensitzt, vielleicht gut isst, Schmäh führst und dich austauschst. Das ist das Leben. Könnten sich solche Szenen wie bei euch, als Toni dich bei ei nem Deutschen Bundesliga Herzog: Da musst du ein spezieller Typ sein. Ich hätte das nicht gemacht, „Wenn der liebe Gott dich ruft, dann musst du gehen.“ Polster über den Tod spiel als Gegner abgebus selt hat, heute auch ab spielen?
Zur Freundschaft gehört nicht nur Schmäh: Wie hast du die Zeit von Tonis Magendurchbruch erlebt? Herzog: Das war ein Schock. Kurz davor waren wir noch gemeinsam unterwegs. Du kannst noch so lustig sein, es gibt Si tuationen, da brauchst du auch Glück. Wenn es ernst war, ist es umso schöner, wenn du danach wieder lachen kannst. Was hat dir geholfen, dich von dieser schweren Zeit zu erholen?
Polster: Was sich nicht ändern darf, ist Respekt. Dass manche bei Länderspielen die Hymne nicht singen, geht mir tierisch auf die Nerven. Wenn wir Patrioten sind, dann singen wir die Hymne. Das gehört zum Respekt dazu. Beim Grüßen merke ich es auch: Viele Jugendliche grüßen nicht mehr. Das stinkt mir. Da müssen El tern vorangehen und das den Kindern beibringen. V
Früher Rivalen, heute Freunde
FOTOS: APA-IMAGES / KURIER / JUERG CHRISTANDL
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