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W ärme, die einfach da ist! Ach, wenn es nur so einfach wäre wie in diesem Werbeslogan aus den 1970ern – mit dem übrigens Erdgas-Heizungen beworben wur den. Fossile Brennstoffe zum Heizen haben nun, ein halbes Jahrhundert später, zunehmend ausgedient: In Österreich gibt es zwar noch knapp 1,3 Millionen Haushalte, die mit Öl- und Gasheizungen arbeiten. Aber in Neubauten dürfen sie gar nicht mehr eingebaut werden und zehntausende Österreicher haben in den letzten Jah ren umgerüstet, etwa auf Pellet-Hei zungen oder Wärmepumpen. Unab hängig vom Heizsystem gilt aber der Grundsatz, dass man natürlich nicht sein hart verdientes Geld buchstäblich zum Fenster hinaus heizen sollte. Keine Löcher im Anorak „Ich erkläre das Nicht-Technikern ger ne so“, meint Gerhard Dell, Geschäfts führer des OÖ Energiesparverbandes, „dass man sich selbst einen Anorak anzieht, wenn es draußen kalt ist. Die se Aufgabe erfüllt bei einem Haus die Wärmedämmung.“ Wenn einem kalt ist, lässt man beim Anorak nicht den Reißverschluss offen – genauso sollte man bei einem Haus Wärmebrücken vermeiden, also quasi „Löcher“ in der Dämmung. Gut dämmende Fenster Fenster sind dabei ein ganz entschei dender Faktor. Modelle, die älter sind als 30 bis 35 Jahre, sind reif für einen Tausch. Deren U-Wert – welcher die Dämmfähigkeit ausdrückt – hat sich in dieser Zeit dramatisch verbessert, Dreifachverglasungen sind heute Standard, damals noch nicht. Ein U-Wert von 3,0 bedeutet in der Praxis, dass man bei 10m m2 Fensterfläche den Heizwert eines kleinen Heizkör

WÄRMEPUMPE

Die technische Entwicklung ist in den letzten Jahren stark voran- geschritten. Moderne Wärme pumpen sind noch effizienter und zusätzlich auch leiser geworden.

pers durch das geschlossene Fenster verliert. Ein U-Wert von 1,0 entspricht dem Verlust der Wärme einer kleinen Glühbirne. Bei neuen Fenstern sind heute dank technischen Fortschrittes U-Werte von unter 1,0 üblich. Die Außenhülle Aber Achtung: Wenn die (neuen) Fenster besser dämmen als eine (alte) Fassade, begünstigt dies Schimmelbil dung! Umso wichtiger ist es in diesem Fall, regelmäßig zu lüften, um für den nötigen Luftaustausch im Innenraum zu sorgen. Bei Neubauten darf ohnehin keine Außenwand einen U-Wert von 0,35 überschreiten – das sind die Vor gaben des Österreichischen Instituts für Bautechnik, wobei im Detail wie derum jedes Bundesland sein eigenes Baurecht hat. Bei alten Häusern mit schlechter oder womöglich gar ganz fehlender Fassadendämmung aber ist Vorsicht geboten. „Die Fassade ist natürlich der größte Teil einer Gebäu de-Außenfläche“, sagt Gerhard Dell vom OÖ Energiesparverband, „und daher lohnt es sich nachzuprüfen, wie viel Energieersparnis in diesem Bereich noch möglich ist.“ Hinzu kommt: Eine gute Dichtung ist nicht

nur im Winter von Vorteil, damit die Wärme drin bleibt, sondern auch im Sommer, damit die Hitze möglichst draußen bleibt. Die Wahl des Heizsystems Und womit heizt man nun idealerwei se? Das ist neben den persönlichen Präferenzen vor allem von den bauli chen Gegebenheiten abhängig. Was die Effizienz angeht, ist eine moderne Wärmepumpe jedenfalls unschlagbar: Für den Betrieb braucht man zwar sehr wohl Strom. Aber jede Kilowatt stunde Strom, die in die Wärmepumpe fließt, generiert drei bis fünf Kilowatt stunden aus der Luft oder der Erde an Wärme. Davon können Öl- und Gasheizungen nur träumen: Selbst bei effizienten Geräten gibt es hier keine „Vermehrung“ der Energie, für jede aufgewendete kWh Strom gibt es bes tenfalls knapp eine kWh Wärme. Das ist zwar auch bei einer Pelletheizung so, dafür handelt es sich hierbei um Verbrennung von Holz, also einem er neuerbaren Rohstoff, der auch bei uns verfügbar ist. Öl und Gas sind nicht nur zunehmend begrenzt in der Erde verfügbar, es bestand hier auch noch stets eine erhebliche Abhängigkeit etwa von Russland oder dem arabi schen Raum – was sehr anfällig für sich ändernde weltpolitische Verhältnisse ist. Der Gaspreis etwa ist laut E-Con trol mehr als doppelt so hoch als noch vor fünf Jahren.

FOTOS: BOSCH, ISTOCK.COM/MARTIN KEILER

Pellets sind eine erneuerbare Alternative zu Öl und Gas – außerdem wächst das Holz dafür auch in Mitteleuropa.

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