Gesund und Schön Oberösterreich 2026 KW16

GESUND & SCHÖN

„Aufgrund der persönlichen Algorith men ist man schnell nur noch mit ei nem Thema konfrontiert. So wird der Eindruck vermittelt, das Leben besteht nur mehr aus Biohacking und scheinbar ewig jugendlichen Menschen.“ Gerade deshalb ist ein bewusster Umgang mit Sozialen Medien immens wichtig. Leben leben Dazu kommt, dass das Altern vor al lem in westlichen Ländern negativ be haftet ist. Mädchen lernen schon früh, dass Anti-Falten-Cremen ab 30 ein Must-have sind, und noch immer gilt eine schlanke Taille als das Schönheits- ideal. In einer brasilianischen Studie gaben 63% der über 2.500 teilnehmen den Frauen an, einen Druck zu verspü ren, nicht ihr wahres Alter zeigen zu dürfen. Auch das zeigt die Kehrseite

Den natürlichen Alterungsprozess zu akzeptieren, hilft, gelassener und zufriedener zu leben.

lichkeit, zum anderen der medizinische Fortschritt und die damit verbundenen Möglichkeiten, in den Alterungspro zess eingreifen zu können. Dies fördert das Gefühl der Selbstwirksamkeit. Viele sagen: „Ich will alt werden, aber nicht alt sein.“ Wann wird dieser Wunsch ungesund? Eine Grenze ist erreicht, wenn es zum Zwang wird – wenn der ganze Alltag von Maßnahmen zur „Longevity“ be stimmt ist und sich alles ums Jungblei ben dreht. Selbstfürsorge ist wichtig, doch sobald sie zwanghaft wird, ist die Balance verloren. Wie kann man den natürlichen Alterungsprozess als etwas Positives erleben? Der erste Schritt liegt in der Akzep solcher Trends, denn auch wenn es um Gesundheit bis ins hohe Alter geht, wird der Druck nicht genommen. Da mit ist auch die Angst vor dem Tod eng verbunden. Denn auch wer alle golde nen Regeln der Gesundheit befolgt, ist letztlich nicht vor dem Tod gefeit. Dass Schicksalsschläge jeden treffen können, hat die deutsche Autorin Katja Lewi na hautnah erlebt. Sie hat den Verlust ihres Sohnes durch einen plötzlichen

tanz. Denn das Alter muss nicht automatisch mit Verfall gleichgesetzt werden. Ich sollte trotz dieser Verän derungen meinen Körper wertschät zen. Als nächster Schritt empfiehlt es sich zu überlegen: Was tut mir gut, was schaffe ich noch, was macht mich glücklich? Achtsamkeits- und Atemübungen, Meditation, ein bewusster Umgang mit Social Media, Dankbarkeit sowie die Pflege sozialer Kontakte können helfen. Wichtig ist, herauszufinden, was einem persönlich guttut, und sich gezielt ein oder zwei Routinen oder Rituale auszusuchen und konsequent umzusetzen – nach dem Prinzip „We niger ist mehr“. Herzstillstand erleben müssen und lei det selbst an einer unheilbaren Herz- erkrankung. Dass man daraus aber auch etwas Positives schöpfen kann, ist vie len Menschen nicht bewusst. „Die Be rührung mit der Endlichkeit kann eine totale Lebensqualität mit sich bringen“, erzählt Lewina. So genießt sie nun ihre Zeit viel bewusster und hat eine große Gleichmütigkeit dem Schicksal gegen über entwickelt. v Was kann dabei helfen, das Hier und Jetzt mehr zu genießen?

Interview

Katrin Purgstaller-Schneidhofer Klinische Psychologin, Gesundheits- und Arbeitspsychologin

Warum sind so viele Menschen fasziniert von der Idee, möglichst lange zu leben? Mehrere Faktoren spielen hier eine Rolle: Zum einen unser gesellschaftli cher und kultureller Zugang zum Al tern und zu unserer eigenen Vergäng

FOTOS: ISTOCK.COM PLUS/PHOTODJO, NORBERT EDER

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