Business Steiermark 2025 KW44
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Fast 50 Cent pro Euro, die ein Arbeitgeber für einen Beschäftigten aufwendet, fließen in Steuern und Abgaben – dadurch bleibt Arbeitnehmern spürbar weniger zum Ausgeben übrig.
wesentlich geringere steuerliche Be lastung des Faktors Arbeit kennt und damit einen klaren Wettbewerbsvor teil erzielt. Progressive Lohnsteuer In Österreich ist also der sogenannte Tax Wedge – also die Lücke zwischen den Arbeitskosten für den Arbeitge ber und dem Nettolohn des Arbeit nehmers – besonders groß. Das liegt vor allem daran, dass die Finanzie rung des österreichischen Sozialstaa tes weitgehend über Abgaben auf Arbeit erfolgt. Arbeitnehmer führen vom Bruttolohn knapp 18 Prozent an Sozialversicherungsbeiträgen ab, Arbeitgeber zahlen zusätzlich über 22 Prozent. Hinzu kommt die pro gressive Lohnsteuer, die ab einem bestimmten Einkommen stufenweise von 20 auf bis zu 55 Prozent steigt. Geringere Wertschöpfung Sehen sich Unternehmen im interna tionalen Vergleich mit hohen Perso nalkosten konfrontiert, kann dies ein klarer Standortnachteil sein. Gerade
für kleine und mittlere Betriebe in arbeitsintensiven Branchen bedeu tet dies eine große Hürde, da jeder zusätzliche Mitarbeiter einen erheb lichen Fixkostenblock auslöst. Auch bei der Entscheidung internationaler Konzerne, wo sie ihre Produktions- oder Dienstleistungsstandorte ansie deln, spielen die Lohnnebenkosten eine zentrale Rolle. Denn eine hohe Lohnquote bedeutet, dass ein gerin gerer Anteil der Bruttowertschöp fung bei den Unternehmen verbleibt. Rückgang bei Investitionen Gabriel Felbermayr, Direktor des österreichischen Institutes für Wirtschaftsforschung (WIFO), weist darauf hin, dass nur mehr rund 30 Prozent der generierten Wertschöp fung bei Unternehmen verbleiben, und zwar vor Abschreibungen und Zinsen. Dementsprechend lagen auch die Unternehmensgewinne und Einkommen aus selbstständi ger Tätigkeit im Jahr 2024 um 7,6 Prozent unter dem Vorjahreswert. Die gesunkenen Betriebsüber
Ö sterreich gehört zu den Län dern mit den weltweit höchsten Abgaben auf den Faktor Arbeit. Nach aktuellen Daten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) beträgt die sogenannte Ab gabenquote – also der Anteil von Steuern und Sozialversicherungsbei trägen an den gesamten Arbeitskos ten – rund 47 Prozent für einen al leinstehenden Arbeitnehmer mit Durchschnittseinkommen. Geringe Quote in der Schweiz Das heißt mit anderen Worten: Von jedem Euro, den ein Arbeitgeber für einen Beschäftigten aufwen det, fließen fast fünfzig Cent direkt oder indirekt an den Staat. Damit liegt Österreich deutlich über dem OECD-Durchschnitt von etwa 35 Prozent und auch weit über Ländern wie den USA, wo die Belastung bei rund 30 Prozent liegt. Nur Belgien und Deutschland weisen ähnlich hohe Quoten auf, während etwa die Schweiz mit knapp 24 Prozent eine
FOTO: ISTOCK.COM/ CHARNCHAI
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